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26.05.2017

14:00 Uhr

IT-Sicherheit

Deutsche Bankkunden gehen lieber auf Nummer sicher

VonElisabeth Atzler

Sicherheitslücken sind deutschen Bankkunden ein Gräuel – Niedrigzinsen eher nicht. Die Hälfte würde deshalb die Bankverbindung wechseln. Und mit dem Online-Banking tun sie sich noch immer schwer – aus bekannten Gründen.

Nur vier Prozent der Deutschen erledigen Bankgeschäfte per Handy. Kein Wunder: Viele sorgen sich um mögliche Sicherheitslücken bei Banken. dpa

Smartphone

Nur vier Prozent der Deutschen erledigen Bankgeschäfte per Handy. Kein Wunder: Viele sorgen sich um mögliche Sicherheitslücken bei Banken.

FrankfurtSicherheit geht Bankkunden in Deutschland über alles. Eine große Sicherheitslücke bei ihrem Kreditinstitut wäre für die Hälfte der Kunden ein Grund, woanders ein Girokonto zu eröffnen. Fast ebenso viele Deutsche fürchten mögliche technologische Sicherheitslücken und Hackerangriffe auf ihr Konto sogar mehr als einen Hauseinbruch. Über einen Einbruch äußerten sich 35 Prozent besorgt oder sehr besorgt. Wegen zu niedriger Zinsen auf ihre Spareinlagen würde dagegen nur etwa ein Fünftel der Kunden die Bankverbindung wechseln. Das ist das Ergebnis einer Studie der britischen Großbank HSBC, die rund 1000 Menschen in Deutschland befragt hat.

Allerdings sind die Zinsen, die man auf Giro- und Tagesgeldkonten derzeit erhält, auch sehr niedrig. Vielfach liegen sie bei null Prozent – wie auch der Leitzins in der Euro-Zone, den die Europäische Zentralbank (EZB) setzt.

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Seit der Finanzkrise probieren die Banken viel aus, um ihren Ruf zu verbessern. Der Erfolg ist bislang mäßig, wie eine Studie zeigt. Für den Vertrauensverlust gibt es vor allem einen Grund.

Dass deutsche Bankkunden auf Sicherheit bedacht sind, haben auch andere Umfragen bereits gezeigt. So bezweifelt ein Drittel, dass Online-Banking wirklich sicher ist, wie eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov kürzlich ergab.

Das schlägt sich vor allem bei der Nutzung des Smartphones nieder. Nur fünf Prozent aller Deutschen greifen für Bankgeschäfte auf ihr Smartphone zurück, so die YouGov-Studie. Laut der HSBC-Umfrage sind es sogar nur vier Prozent – weniger als Bankkunden in zehn anderen Ländern, die HSBC ebenfalls befragte.

Online-Banking nutzen bei weitem nicht alle Bankkunden in Deutschland. Nur 53 Prozent erledigten im vergangenen Jahr Bankgeschäfte per Internet, so eine Erhebung des Statistischen Bundesamts. Gleichwohl sind das noch etwas mehr als im EU-Schnitt (49 Prozent). Allerdings: Vor allem im Norden Europas ist Online-Banking weitaus verbreiteter.

Sicherheit im Online-Banking

PIN

Beim diesem Autorisierungsverfahren müssen Nutzer lediglich ihre Kontonummer oder einen Nutzernamen eintragen und eine dazugehörige PIN eingeben. Bitkom hält diese Autorisierung für sehr unsicher. Sie sei lediglich für Umsatzabfragen oder den Zugang zur Nachrichtenbox geeignet.

(Quelle: Bitkom)

iTAN

Indizierte Transaktionsnummer (iTAN) sind Transaktionsnummern, die von der Bank auf einer Liste in einem Index zusammengestellt wurden. Für Überweisungen müssen sie dann eine bestimmte TAN der Liste eingeben. Laut Bitkom besteht bei Verwendung von iTAN nur ein geringes Risiko eines Datenabgriffs. Wenn auch Manipulationen durch zwischengeschaltete Schadsoftware während der Eingabe der TAN möglich sind.

SMS-TAN/M-TAN

Mobile TAN werden per SMS-Nachricht an den Bankkunden übertragen. Jeder eingeleitete Buchungsvorgang des Kunden muss mit der dazugehörigen verschickten mTAN bestätigt werden. Weil Smartphones, die die SMS-TAN empfangen, heute aber häufig mit dem Internet verbunden sind, besteht auch hier die Gefahr eines illegalen Abgriffs der TAN. Bitkom ordnet SMS-Tan als unsicher ein.

TAN-Generator

Über ein Lesegerät erzeugt der Bankkunde mit seiner EC-Karte eine TAN. Verschiedenste Varianten von smart-TAN, Chip-TAN bis zu e-TAN gelten laut Bitkom als sichere Authenifikationswege.

chip TAN comfort

Viele Sparkassen und VR-Banken nutzen das Verfahren: Der Kunde muss weiterhin eine Karte in einen TAN-Generator stecken. Sobald er eine Überweisung im Onlinebanking ausführt, erscheint ein Schwarz-Weiß-Code auf dem Bildschirm. Diesen muss er dann mit seinem TAN-Generator samt EC-Karte einscannen. Aus den Daten des Schwarz-Weiß Codes liest der Generator die Überweisungsdetails und kreiert eine zugehörige TAN, die dann im Onlinebanking eingegeben werden muss. Bitkom schätzt die Verwendung als mindestens so sicher wie das iTAN-Verfahren.

NFC-TAN

Kunden müssen bei einer Überweisung einen COde auf dem PC-Bildschirm mit ihrem Smartphone scannen. Anschließend halten sie zur Verifizierung ihre NFC-fähige EC-Karte an das Smartphone. Über das Internet (oder auch per Hand) wird dann eine TAN übertragen. Nicht alle Smartphones und EC-Karten sind für dieses Verfahren ausgestattet. Laut Bitkom besteht dafür aber ein geringes Risiko, dass Hacker Daten abgreifen.

Die Skepsis deutscher Bankkunden wird auch an anderer Stelle deutlich: Nur sechs Prozent der von HSBC Befragten können sich vorstellen, einem Robo-Advisor, also einem digitalen Vermögensverwalter, zu vertrauen. Kein gutes Signal für Banken und Fondsgesellschaften, von denen derzeit zahlreiche mit Robo-Advisor-Angeboten auf den Markt kommen.

Einen Trost gibt es indes für die Finanzbranche: 56 Prozent der Deutschen meinen, die Technologie ihrer Bank sei auf dem neuesten Stand. Hoffentlich gilt das auch für Sicherheit.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

26.05.2017, 16:35 Uhr

"Sicherheitslücken sind deutschen Bankkunden ein Gräuel – Niedrigzinsen eher nicht."

Kann ich verstehen. Meine Sorge ist auch, (möglicherweise) betrogen zu werden. Nicht, Geld zu "verlieren".

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