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14.02.2017

12:42 Uhr

Italien

Zwei Banken sollen Milliardenspritze bekommen

Die italienischen Regionalbanken Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca sollen laut Medienberichten mit Milliardenhilfen aus dem Bankenfonds aufgefangen werden. Auch eine Fusion der beiden Geldhäusern sei geplant.

Die Banca Popolare di Vicenza soll mit der Veneto Banca durch eine öffentliche Gelspritze ausgefangen werden. Reuters, Sascha Rheker

Banca Popolare di Vicenza

Die Banca Popolare di Vicenza soll mit der Veneto Banca durch eine öffentliche Gelspritze ausgefangen werden.

MailandDie angeschlagenen italienischen Geldhäuser Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca haben einem Pressebericht zufolge der Europäischen Zentralbank einen vorläufigen Fusionsplan vorgelegt. Der Entwurf sehe eine öffentliche Geldspritze zwischen vier und fünf Milliarden Euro vor, berichtete die Zeitung „Il Messaggero“ ohne Quellenangabe.

Er sei ferner den EU-Wettbewerbshütern zugeschickt worden, um den Weg für ein erwartetes Engagement des Staates bei den beiden Regionalbanken freizumachen. Angestrebt werde zudem die Schaffung einer sogenannten Bad Bank, in der die faulen Kredite der Institute untergebracht werden sollen. Von den zwei Banken waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Warum italienische Banken in der Klemme stecken

Faule Kredite und flaues Wachstum

Italiens Wirtschaft gilt als chronisch wachstumsschwach und dümpelt nach einer schweren Rezession weiter vor sich hin. Als Folge der Krise haben die Banken unter den Augen der Aufseher einen Berg an Problem-Darlehen in Höhe von 356 Milliarden Euro angehäuft. Viele dieser Kredite wurden an Firmen vergeben. Der Präsident des Mannheimer ZEW-Instituts, Achim Wambach, hält die angespannte Lage der Finanzbranche für gefährlich und spricht von "durchaus beachtlichen wirtschaftlichen Risiken".

Hoher Kapitalbedarf

Die schwere Last durch die vielen faulen Kredite sorgt dafür, dass die ohnehin zumeist wenig rentabel arbeitenden Geldhäuser mehr Kapital als Puffer vorhalten müssen. Die Institute in Italien brauchen in den kommenden Monaten Schätzungen zufolge zwischen 20 und 40 Milliarden Euro an Kapital, um die Bilanz zu bereinigen und den Abbau fauler Kredite zu finanzieren. Ihr Filialnetz ist im europäischen Vergleich überaus eng geknüpft, was zusätzliche Kosten verursacht. Unicredit setzt nun die Axt auch beim Personal an.

Politische Unsicherheit

Regierungschef Matteo Renzi hat nach seiner klaren Niederlage beim Verfassungsreferendum das Handtuch geworfen. Obwohl mit Paolo Gentiloni rasch ein reformorientierter Nachfolger gefunden wurde, gibt es weiter die Furcht, dass bei Neuwahlen europa-skeptische Populisten Oberwasser erhalten könnten. In diesem Klima der Unsicherheit ist es für die Banken schwierig, das Vertrauen der Investoren für Kapitalerhöhungen zu finden. Insbesondere die angeschlagene Monte dei Paschi di Siena (MPS) bekommt die Zurückhaltung zu spüren.

EZB macht Druck

Die MPS muss bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Experten sind aber skeptisch, dass dies gelingt. Eine Fristverlängerung lehnen die Frankfurter Bankenaufseher von der EZB ab. Zudem muss die Bank aus der Toskana ihre faulen Kredite bis 2018 um 40 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro abbauen.

Unicredit will die dünne Kapitaldecke mit 13 Milliarden Euro aufpolstern, doch nicht sofort: Das Manöver soll bis Juni 2017 umgesetzt sein. Just für jenen Monat erwartet Renzi Neuwahlen. Zuvor will die Mutter der Münchner HypoVereinsbank noch mit ihrer Fondssparte Pioneer Kasse machen: Der 3,5 Milliarden Euro schwere Verkauf an die französische Amundi soll in der ersten Jahreshälfte 2017 über die Bühne gehen.

Staat kann nicht ohne weiteres Retter spielen

Italiens Bankenrettungsfonds Atlante ist im April ins Leben gerufen worden, um den Kriseninstituten des Landes zu helfen. Die Mehrheit halten private Investoren. Mit ihrer Hilfe gelang es, die in Schieflage geratene Banca Popolare di Vicenza aufzufangen. Der Fonds ist allerdings noch im Aufbau. Wenn eine Bank wie etwa MPS rasch Geld benötigen sollte, dürfte wieder der Ruf nach dem Staat als Retter laut werden. Doch anders als nach der weltweiten Finanzkrise 2008 verfügt Europa inzwischen über ein Regelwerk im Umgang mit maroden Banken. Eigentümer und Gläubiger sollen für Verluste bluten und nicht mehr primär die Steuerzahler. Bei MPS wären davon auch Zehntausende Kleinanleger betroffen - ein Politikum.

Die Regierung in Rom könnte ihnen mit dem im Dezember aufgelegten Bankenhilfsfonds im Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Bislang wurde der Topf angezapft, um die in Schieflage befindliche Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena zu retten.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Heinz Keizer

14.02.2017, 14:22 Uhr

Der nächste Sündenfall. Wieder muß der Steuerzahler einspringen. Da Italien hoch verschuldet ist, geht es auch den europäischen (deutschen) Steurzahler. Da ist es schon verständlich, wenn die Italiener eine europäische Badbank fordern. Dann können sie die schlechten Kredite direkt bei uns abladen und neue vergeben.

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