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07.07.2016

14:24 Uhr

Italienische Banken in der Krise

Zum Klagegesang in den „Palazzo dei Congressi“

Seit dem Brexit hat sich die Lage italienischer Banken verschlechtert. Vor allem eine Traditionsbank macht Probleme. Für Premierminister Renzi wird es ungemütlich – denn viele Sparer besitzen Anleihen der Institute.

Hier trifft sich der italienische Bankenverband am Freitag. picture-alliance/ dpa

Kongresshalle in Rom

Hier trifft sich der italienische Bankenverband am Freitag.

Auf Jahrestagungen klopfen sich Branchenvertreter gerne auf die Schulter, versichern sich der eigenen Stärke und erfreuen sich beim gemeinsamen Essen. Doch „dolce vita“ kann es am Freitag nicht geben, wenn der italienische Bankenverband ABI in Rom tagt.

Die Finanzbranche des Landes steckt in einer tiefen Krise, eine teilweise staatliche Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi wird diskutiert. Wichtige Entscheidungsträger werden im Kongressgebäude erwartet und Lösungsansätze zumindest hinter vorgehaltener Hand diskutiert werden: Denn Italiens Zentralbankchef Ignazio Visco und Finanzminister Carlo Padoan sind geladen.

Im Schatten des britischen EU-Referendums zum Brexit wächst in Italien und dem Rest der Europäischen Union die Sorge um die Lage der italienischen Banken. Die Krisensymptome nehmen zu: So rauschten die Aktienkurse der Kreditinstitute in den vergangenen Tagen immer rasanter in die Tiefe - und die Ausfallversicherungen für Banken wurden immer teurer. Einige Experten warnen bereits vor der Sprengkraft der italienischen Bankenkrise und dass sich diese auf ganz Europa ausweiten könnte.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

„Der gesamte Bankenmarkt steht unter Druck“, sagte Lorenzo Bini Smaghi, Verwaltungsratschef der französischen Großbank Société Générale, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Kein Wunder, dass Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi die Krisenbanken lieber heute als morgen mit frischem Staatsgeld stützen würde. Doch noch stellt sich die EU quer. Zuletzt holte sich Renzi beim EU-Gipfel vergangene Woche eine Abfuhr für den Plan einer Kapitalspritze von 40 Milliarden Euro für die Banken.

Renzi steht unter Hochdruck - im Ausland und im eigenen Land. „Die italienischen Sparer und Kontoinhaber haben kein Problem, und das hat für mich Priorität“, beeilte er sich, verunsicherte Sparer zu beruhigen. Er sieht weniger das Problem in Italien als in Gesamteuropa. „Die wirkliche Frage zu den europäischen Finanzen sind nicht die notleidenden italienischen Kredite, sondern die Derivate anderer Banken“, sagte er - was in Italien als Fingerzeig auf deutsche Banken gewertet wurde.

Banker und Investoren fordern mutige Entscheidungen der Politik. Für Société-Générale-Chef Smaghi führt etwa kaum ein Weg an direkten Staatshilfen vorbei. Regeln, die diese begrenzten, sollten dringend überdacht werden, um Schlimmeres zu verhindern.

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