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08.12.2016

15:36 Uhr

Italienische Krisenbank

Monte dei Paschi bittet EZB um mehr Zeit

Das italienische Geldhaus Monte dei Paschi hat die Europäische Zentralbank um eine Fristverlängerung bis zum 20. Januar gebeten. Insidern zufolge könnten die europäischen Währungshüter noch heute darüber entscheiden.

Das Traditionshaus sitzt auf einem Berg fauler Kredite und braucht dringend frisches Geld. Reuters

Das italienische Geldhaus Monte dei Paschi

Das Traditionshaus sitzt auf einem Berg fauler Kredite und braucht dringend frisches Geld.

MailandIm Ringen um eine Lösung für die italienische Krisenbank Monte dei Paschi richten sich alle Augen auf die Europäische Zentralbank (EZB). Sie könnte Insidern zufolge im Tagesverlauf entscheiden, ob das Geldhaus etwas mehr Zeit bekommt, um sich wie gefordert frisches Kapital zu besorgen. Monte dei Paschi hat die EZB nach eigenen Angaben um eine Fristverlängerung bis zum 20. Januar gebeten. Hintergrund ist die Unsicherheit darüber, wie es nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum mit der neuen Regierung weitergeht. Ministerpräsident Matteo Renzi hat seinen Rücktritt eingereicht.

An der Börse überwog am Donnerstagmorgen die Zuversicht: Monte-Aktien starteten mit einem Plus von fast fünf Prozent in den Handel.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Monte dei Paschi steckt in einer tiefen Krise: Das Traditionshaus ächzt unter einem Berg fauler Kredite und braucht dringend frisches Kapital. Der Rettungsplan war ursprünglich bis Ende Dezember angelegt und setzte auf eine privatwirtschaftliche Lösung: Die Bank wollte am Markt fünf Milliarden Euro einsammeln - über eine Kapitalerhöhung und einen Anleihetausch. Doch die Suche nach neuen Ankerinvestoren gestaltet sich wegen der Regierungskrise schwieriger als gedacht. Aus Finanzkreisen verlautete zuletzt, de facto hätten die begleitenden Investmentbanken das Vorhaben erst einmal auf Eis gelegt.

Die Regierung liebäugelt deshalb mit einer Teilverstaatlichung der Bank, wie Insider berichten. Demnach könnte das Finanzministerium Nachrang-Anleihen von etwa 40.000 Kleinanlegern aufkaufen und diese Bonds dann in Aktien umwandeln. Damit stiege der Staatsanteil an der Bank von derzeit vier auf bis zu 40 Prozent. Bis zum Wochenende sei eine solche Transaktion - insgesamt zwei Milliarden Euro schwer - durchaus möglich, hatte es geheißen. Der Vorteil: Kleinsparer würden ihr Risiko begrenzen, mit Monte dei Paschi sehr viel Geld zu verlieren. Zugleich könnte die Unterstützung durch den Staat dazu führen, dass doch noch einige große Profi-Investoren Geld in das Institut pumpen.

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Italiens Banken, allen voran Unicredit und Monte dei Paschi, brauchen frisches Geld – was nach dem Ausgang des Referendums noch schwerer wird. Die Unsicherheit könnte auch französische und deutsche Institute treffen.

Ob ein solcher Weg mit den neuen EU-Regeln im Einklang steht, wonach der Steuerzahler bei künftigen Bankenrettungen außen vor bleiben soll, ist umstritten. Mit Spannung warten die Finanzmärkte deshalb darauf, ob sich EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag zur Lage in Italien und den italienischen Banken äußern wird. Am Vormittag berät die Notenbank in Frankfurt über die Zinsen in der Euro-Zone und eine Verlängerung der umstrittenen Anleihekäufe.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

08.12.2016, 16:48 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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