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30.12.2014

07:15 Uhr

Jaguar und Edel-Burger

Die Comebacks des Wirtschaftsjahres

VonLukas Bay

Totgesagte Unternehmen, Produkte mit zweifelhaftem Ruf – was am Markt keinen Erfolg hat, verschwindet normalerweise. Einige schaffen aber auch ein kurioses Comeback. Wer zu den unerwarteten Gewinnern des Jahres gehört.

Bei Thyssen-Krupp wurde 2014 die Wende eingeleitet. Vor allem, weil das Stahlgeschäft für den Konzern immer unwichtiger wird. dpa

Bei Thyssen-Krupp wurde 2014 die Wende eingeleitet. Vor allem, weil das Stahlgeschäft für den Konzern immer unwichtiger wird.

DüsseldorfNichts geht in der Wirtschaft so schnell wie der Abstieg. Selbst Branchenriesen wie Nokia mussten schmerzhaft lernen, wie ein verpasster Trend, eine neue Erfindung, eine falsche strategische Entscheidung selbst Weltmarktführer zum Stürzen bringen kann. Doch es gibt auch Produkte und Unternehmen, die es schaffen, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen – manchmal durch Glück, manchmal durch harte Arbeit. Handelsblatt Online zeigt fünf Fälle, in denen das Comeback im Jahr 2014 gelungen ist.

Thyssen-Krupp – Eiserne Nerven

Der einst stolze Stahlriese Thyssen-Krupp ging schwer angeschlagen ins Jahr. Das verlustreiche Geschäft in den USA drückte die Bilanz tief in die roten Zahlen. Unterm Strich stand ein Verlust von fünf Milliarden Euro, die Aktionäre mussten auf ihre Dividende verzichten.

Doch mit dem Verkauf der US-Werke und einem straffen Umbauprogramm ist Konzernchef Heinrich Hiesinger die Wende gelungen. Er senkte die Kosten, baute tausende Stellen ab und richtete den Konzern stärker auf das Technologiegeschäft mit Anlagen, Aufzügen, Autoteilen oder U-Booten aus. Das Stahlgeschäft macht nun weniger als 30 Prozent des Umsatzes aus.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Erstmals kann der Konzern darum wieder schwarze Zahlen vorlegen. Und auch die Nettoschulden hat Hiesinger durch den Verkauf von Beteiligungen reduziert. Selbst das brasilianische Werk, einst Sorgenkind des Konzerns, konnte im abgelaufenen Quartal einen Gewinn von 16 Millionen Euro vorlegen.
In das neue Jahr geht der Industrieriese aus dem Ruhrgebiet mit deutlich weniger Sorgen.

Schreibmaschine – TippEx gegen Spione

Bei Schreibmaschinenhersteller Adler nehmen die Bestellungen wieder zu. dpa

Bei Schreibmaschinenhersteller Adler nehmen die Bestellungen wieder zu.

Irgendwie war man ja schon fast froh, sie endlich los zu sein. Keine elenden Tippfehler, die man notdürftig mit TippEx korrigieren musste, keine blauen Hände beim Wechsel des Farbbandes – obwohl sie jahrzehntelang als Statussymbol der Intellektuellen galt, vermisste die Schreibmaschine kaum jemand.

Doch mit jedem Geheimdienstskandal, mit jedem Hackerangriff wachsen die Zweifel, ob es so klug war, sie abzuschaffen. Es war Patrick Sensburg, seines Zeichens Vorsitzender des NSA-Ausschusses im Bundestag, der vorschlug, das Gremium solle künftig auch „auf klassische Kommunikation“ setzen und für geheime Dokumente mechanische Schreibmaschinen verwenden.

Auf den Spott seiner Kollegen musste Sensburg nicht lange warten. „Bevor ich Schreibmaschine nutze, Zettelchen nach dem Lesen verbrenne, schaffe ich lieber die Geheimdienste ab“, twitterte Martina Renner von den Linken, die ebenfalls im Untersuchungsausschuss sitzt.

Dabei ist Sensburg mit seiner Furcht vor der Überwachung offenbar nicht alleine. Tatsächlich legen die Verkaufszahlen der deutschen Schreibmaschinen-Hersteller in diesem Jahr zu. Triumph-Adler hat nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ 10.000 Maschinen verkauft, ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Bei Konkurrent Olympia haben sich die Verkaufszahlen auf ebenfalls 10.000 verdoppelt.

Sorgt die NSA also wirklich für ein Comeback der Schreibmaschine? Zumindest nicht alleine. Grund für den Verkaufssprung dürfte auch der Rückzug des japanischen Herstellers Brother aus dem Geschäft sein. So wichtig wie früher wird die Schreibmaschine wohl nie mehr werden.

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