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17.04.2013

13:17 Uhr

Jahresbilanz

Targobank streift das Bösewicht-Image ab

VonSebastian Ertinger

Nach der Lehman-Pleite war der Targobank-Vorgänger Citibank in Verruf geraten. Nun lockt das Geldhaus wieder Sparer an. Der Gewinn steigt, Hauptgrund sind jedoch nicht die höheren Kundenzahlen.

Targobank-Chef Josef Nick: Das Institut gewinnt mehr Kunden. dpa - picture-alliance

Targobank-Chef Josef Nick: Das Institut gewinnt mehr Kunden.

DüsseldorfTargobank-Vorstandschef Josef Nick gibt sich bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf selbstkritisch: „Wir hatten das Vertrauen der Kunden verloren, doch langsam gewinnen wir es zurück“, sagt er . „Die Kundenzufriedenheit steht nun im Vordergrund.“

Die frühere Citibank verschreckte mit ihrem Gebaren nicht nur die Kunden, auch Verbraucherschützern war das Institut ein Graus. Doch dann kamen ein neuer Eigentümer, ein neuer Name und ein neue Ausrichtung. Nun lockt das in Targobank umbenannte Privatkundeninstitut wieder Kunden an. Das Volumen der Kreditabschlüsse kletterte 2012 um zehn Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Ebenso stiegen die Kundeneinlagen um zehn Prozent auf 10,7 Milliarden Euro.

Das 2008 von der französischen Genossenschaftsbank Crédit Mutuel übernommene Institut verbuchte für 2012 einen Sprung beim Gewinn nach Steuern von 19 Prozent auf 329 Millionen Euro. Grund ist aber nur zum Teil das stärkere Neugeschäft bei Krediten und Sparkonten. Vor allem die um mehr als 30 Prozent geringere Risikovorsorge treibt den Gewinn. Die Bank musste 2012 nur 158 statt 231 Millionen Euro für faule Kredite zurücklegen. „Hier zahlt sich nun die vorsichtige Geschäftspraxis der Vorjahre aus“, erläutert Finanzvorstand Peter Klein.

Doch dieser Effekt wird sich in den kommenden Jahren nicht wiederholen. „Wir haben bei der Reduzierung der Risikovorsorge den Tiefpunkt erreicht“, sagt Vorstandschef Nick. Mit dem steigenden Kreditvolumen, das die Bank vergibt, werde die Rückstellung für gefährdete Darlehen auch wieder steigen. Dafür soll der Zins- und Provisionsüberschuss künftig stärker zum Gewinn beitragen.

Die Lehren aus der Lehman-Pleite

Keine weißen Schafe

Vier Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman laufen immer noch Prozesse wegen Falschberatung. Bankberater haben damals Zertifikate an arglose Anleger verkauft, die ihr Geld in Sicherheit sehen wollten. In den meisten Fällen lehnten Banken eine Entschädigung ab. Seitdem gelten Lehman-Zertifikate ein Symbol für schlechte, rechtlich Fragwürdige Bankberatung.

Die Verbraucherzentrale NRW hat sich gefragt, was Anleger aus der Lehman-Pleite lernen können. Die erste Lehre aus der Pleite lautet: Es gibt keine weißen Schafe unter den Banken. „Beratungsfehler und fragwürdige Anlageprodukte sind in allen Bankengruppen zu finden“. Lehman-Zertifikate wurden sowohl von Sparkassen und Genossenschaftsbanken verkauft, wie auch von den Privatbanken.

Senioren als Opfer

Traurig aber wahr: Unter den Opfern von Falschberatung befinden sich laut Verbraucherschützern überdurchschnittlich viele alte Menschen. Ein großer Teil der Lehman-Opfer war älter als 60 Jahre, Senioren haben überdurchschnittlich oft sehr komplizierte und intransparente Produkte im Portfolio. „Offensichtlich wurde von manchen Bankberatern die Tatsache, dass gerade ältere Menschen der Bank ein besonderes Vertrauen entgegenbringen, skrupellos ausgenutzt“.

Ahnungslose Verkäufer

Die Verbraucherschützer beobachten in den Lehman-Prozessen eine Unwissenheit der Vermittler. „Oft haben nicht einmal die Bankberater die Funktionsweise von komplizierten Anlagezertifikaten verstanden“. Trotzdem haben die ahnungslosen Banker die Zertifikate an die noch schlechter informierten Kunden vermittelt. Bankkunden dürfen also nicht darauf vertrauen, dass Banker verstehen, was sie tun.

Aus den Augen aus dem Sinn

Kunden sollten nicht erwarten, dass der Banker seine Interessen wahrt. „Kaum ein Anlageberater hat in den kritischen Monaten vor der Lehman-Insolvenz, als schon in der Finanzpresse vor den Liquiditätsproblemen der US-Bank gewarnt wurde, seine Kunden kontaktiert und ihnen empfohlen, Lehman-Anlagezertifikate aus Sicherheitsgründen abzustoßen", erklären die Verbraucherschützer. Eigentlich gehört eine solche Warnung zu einer seriöser Kundenbetreuung dazu. Anlegern bleibt nichts anderes übrig, als sich selbstständig auf dem laufenden zu halten. Das funktioniert etwa mittels Lektüre relevanter Finanzpublikationen wie dem Handelsblatt.

Selbst ist der Mann

Denn der Berater muss das Portfolio der Kunden nicht durchweg betreuen. „Die Beratung endet vor dem Kauf der Papiere und erzeugt keine nachgelagerten Pflichten“. In der Geldanlage gilt wie im Leben:

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Zudem will die Targobank das Geschäft mit der Vermögensverwaltung ausbauen. Dieser Bereich leidet derzeit unter dem schwierigen Umfeld. Wegen der Staatsschuldenkrise setzen viele Sparer auf Tages- und Festgeldkonten statt auf Wertpapiere, berichtet Nick. „Doch auf Dauer erleiden hier Anleger durch die Inflation und die Abgeltungssteuer Verluste“, so der Vorstandschef. „Eine gute Vermögensverwaltung ist wichtig, um dieser Falle zu entgehen.“

Schließlich will die Bank im großen Stil in das Geschäft mit Autokrediten einsteigen. Zunächst konzentriert sich das Haus auf eine Finanzierung unabhängig von bestimmten Herstellern und Gebrauchtwagen. Später will das Institut dann auch zum Finanzierungspartner einzelner Hersteller aufsteigen. Bislang war das Haus im Bereich der Autokredite noch nicht aktiv. Dabei ist das Potenzial groß: Rund 44 Prozent des Neugeschäfts bei Konsumentenkrediten in Deutschland entfällt auf die Autofinanzierung.

Die Targobank konzentriert sich vor allem auf das Geschäft mit Krediten an Privatkunden sowie Kreditkarten und Giro-, als auch Sparkonten. Das Institut ist sowohl im Online- wie auch im Filialgeschäft aktiv. Gegen den Branchentrend eröffnete die Bank im vergangenen Jahr elf neue Geschäftsstellen. 2013 ist die Eröffnung von mehr als zehn neue Filialen geplant.

Der Vorgänger der Targobank war wegen des aggressiven Verkaufs von Zertifikaten der US-Investmentbank Lehman-Brothers  in die Kritik geraten. Auch der Vertrieb von vermeintlich niedrigen Ratenkrediten der Citibank galt als zu offensiv. Die neue Mutter Crédit Mutuel fährt nun eine weniger aggressive Strategie.

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