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04.03.2013

15:14 Uhr

Jahresbilanzen der Banken

Skandale, Schrumpfkuren und Stellenabbau

VonSebastian Ertinger

Geldhäuser weltweit stehen unter Druck. Die Banken ringen mit der Konjunkturflaute in Europa, Skandalen und hohen Abschreibungen. Die Vorzeichen drehen von Erholung auf Sturm – mit Folgen für die Angestellten.

Notrufsäule vor der Commerzbank in Frankfurt: Viele Institute ziehen die Notbremse und bauen Stellen ab. dpa

Notrufsäule vor der Commerzbank in Frankfurt: Viele Institute ziehen die Notbremse und bauen Stellen ab.

DüsseldorfFür die Bankenbranche ist die Phase der ungetrübten Erholung von den Ausläufern der Finanzkrise vorbei. Weltweit ringen Geldhäuser wieder verschärft mit Problemen. Besonders die Banken in Europa ächzen unter den Lasten der Staatsschuldenkrise und der schwachen Konjunktur. Zudem rüsten sich die Banken für eine schärfere Regulierung und bauen lukrative, aber riskante Geschäfte ab oder lagern diese aus. Die Führungsebene reagiert mit Kürzungen und Stellenabbau auf die schwierige Lage.

Doch die Finanzbranche ringt auch mit hausgemachten Schwierigkeiten. Die Manipulation wichtiger Leitzinssätze wie Libor und Euribor durch einige Händler brocken den beteiligten Geldhäuser Strafen in Höhe von Hunderten Millionen oder gar Milliarden Euro ein. Hinzu kommen hohe Vergleiche, um Ermittlungen wegen der Beihilfe zur Geldwäsche oder Steuerhinterziehung zu entkommen. Zudem müssen immer mehr Banken ihre Kunden wegen des Verkaufs fragwürdiger Finanzprodukte entschädigen.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Aktuelles Beispiel: Die britische Großbank HSBC meldet einen Gewinnrückgang auf 15 Milliarden Dollar. Die Bilanz wurde von einem teurem Geldwäsche-Skandal in den USA und der Entschädigung von Kunden in Großbritannien wegen des Verkaufs von umstrittenen Finanzprodukten deutlich belastet.

Bei den umstrittenen Angeboten geht es um von vielen Kunden gar nicht benötigte Restschuldversicherungen. Für diese Fälle hatte zuletzt auch die britische Lloyds nach mehreren Aufstockungen eine Vorsorge von 6,8 Milliarden Pfund gebildet und bereits 4,3 Milliarden ausgezahlt - so viel wie keine andere Bank auf der Insel. Solche Milliardenlasten schlagen neben HSBC und Lloyds auch bei Barclays und der Royal Bank of Scotland (RBS) zu Buche.

Finanzaktien: US-Banken hängen Deutsche Bank ab

Finanzaktien

US-Banken hängen Deutsche Bank ab

Während die Banken in den USA ihre Wiederauferstehung feiern, enttäuscht hierzulande die Deutsche Bank mit dem Ergebnis für das zweite Quartal die Anleger. Die Papiere der wichtigsten Finanzinstitute im Überblick.

Die machte zuletzt zwar der britischen Regierung Hoffnung, ihre Anteile an dem teilverstaatlichten Institut bald wieder loswerden zu können. Die Bank sei auf dem Weg der finanziellen Gesundung einen guten Schritt vorangekommen, sagte RBS-Chairman Philip Hampton. Der Punkt rücke näher, an dem die Eigentümer eine Dividende bekommen und der Staat Teile seines 82-Prozent-Pakets verkaufen könne.

Insgesamt sehen die Zahlen aber noch nicht gut aus. Vor Steuern summierte sich der Verlust auf 5,16 Milliarden Pfund, nachdem 2011 schon ein Minus von 1,19 Milliarden zu Buche stand. Hier wirkte sich vor allem die bilanzielle Neubewertung der eigenen Schulden aus. Dies führte zu einer schmerzhaften Wertkorrektur von 4,6 Milliarden Pfund.

Wo Banker die größten Probleme sehen

Bankenaufsicht und Regulierung

Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

Kosten

An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

Risikomanagement

Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

Vertrieb und Kundenmanagement

Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

Wettbewerb

Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

Finanz- und Schuldenkrise

Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

Demographische Entwicklung

Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

Optimierung der Geschäftsprozesse

Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

Konjunktur

Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

Kreditrisiko

Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

Optimierung der Informationstechnik

Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

Liquiditätsmanagement

Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Auch heimische Institute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank überraschten Anleger mit schwachen Ergebnissen. Die Deutsche Bank hat im Jahr 2012 einen Gewinn nach Steuern in Höhe von gerundet 700 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr waren es noch 4,3 Milliarden Euro. Besonders das Ergebnis in den letzten drei Monaten des Jahres fiel mit einem Minus von 2,6 Milliarden Euro vor Steuern sehr schwach aus.

Die Commerzbank wiederum hat für das Gesamtjahr 2012 einen Gewinn in Höhe von sechs Millionen Euro verbucht – nach 638 Millionen Euro im Vorjahr. Das Institut hat einen umfassenden Stellenabbau angekündigt und will besonders das Privatkundengeschäft wieder auf Rendite trimmen. Bis zu 6000 Stellen will die Bank abbauen.

Kommentare (1)

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04.03.2013, 17:40 Uhr

halb Europa versingt in Armut, da kommt es auf die paar Banker auch nicht mehr an! erscheinen die auch alle in der Arbeitslosen Statistik ?

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