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04.03.2016

10:26 Uhr

Jahreszahlen der LSE

Das große Schweigen des Börsenchefs

VonKatharina Slodczyk

LSE-Chef Xavier Rolet wollte bei der Präsensation der Jahreszahlen der London Stock Exchange die meisten Fragen zur geplanten Börsenfusion nicht beantworten. Ein bisschen sagte er dann aber doch.

LSE-Chef Xavier Rolet wirbt weiter für eine Fusion der beiden Börsen, beantwortet Fragen aber nur zurückhaltend. AFP; Files; Francois Guillot

London Stock Exchange

LSE-Chef Xavier Rolet wirbt weiter für eine Fusion der beiden Börsen, beantwortet Fragen aber nur zurückhaltend.

Es war immer wieder eine sehr knappe Antwort, die Xavier Rolet, Chef der London Stock Exchange (LSE), auf die meisten Fragen gab: „Das kann ich leider nicht kommentieren“, sagte er in der Telefonkonferenz mit Journalisten am Freitagmorgen, sobald die Rede auf den geplanten Zusammenschluss mit der Deutschen Börse kam.

Welche Folgen diese Pläne für die Beschäftigtenzahl des Unternehmens hätten? Wie sich der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union auf das Vorhaben auswirken könnte? Ob er bereits mit der US-Börse ICE in Kontakt sei, die ein Gegengebot prüfe? Ob er erwäge, Teile der LSE zu verkaufen, um die Zustimmung der Regulierer zur Fusion mit der Deutschen Börse zu bekommen? „Das kann ich nicht kommentieren“, wiederholte er bei all diesen Fragen, denn die Gespräche mit der Deutschen Börse dauerten noch an.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Alles, was sich Rolet zu dem Thema entlocken ließ, war: Die Kombination aus LSE aus Deutsche Börse werde die Fähigkeit der Unternehmen verbessern, den Kunden weltweit besser zu dienen. Die Fusion werde zudem die Wachstumsmöglichkeiten verbessern, Kostenvorteile mit sich bringen und den Nutzen für die Aktionäre steigern.

Deutsche Börse und LSE: EU-Kommissar Oettinger begrüßt Fusionspläne

Deutsche Börse und LSE

EU-Kommissar Oettinger begrüßt Fusionspläne

EU-Kommissar Günther Oettinger hält einen Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange generell für sinnvoll. Auf Dauer seien beide Börse alleine tendenziell zu klein.

Anfang vergangener Woche haben beide Seiten bestätigt, dass sie ein Zusammengehen auf Augenhöhe prüfen. Dabei sollen Aktionäre der Deutschen Börse mit etwa 54 Prozent die Mehrheit an dem neuen Unternehmen haben. Grundlage dafür sei der durchschnittliche Aktienkurs der beiden Unternehmen in den vorausgegangenen drei Monaten.

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