Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2017

16:24 Uhr

Jahreszahlen US-Großbanken

Bank of America und JP Morgan mit Gewinnsprung

Zwei von drei US-Großbanken vermelden für 2016 überraschend hohe Gewinne. Grund sind gute Handelsgeschäfte nach Donald Trumps Sieg bei der US-Präsidentenwahl. Enttäuschend fallen die Zahlen von Wells Fargo aus.

Die US-Großbank legte gute Zahlen für 2016 vor. Reuters, Sascha Rheker

JP Morgan Chase

Die US-Großbank legte gute Zahlen für 2016 vor.

New York/DüsseldorfDie Bank of America hat einen Gewinnsprung geschafft. Der Überschuss kletterte im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar, wie das Geldhaus am Freitag mitteilte. Auch Kosteneinsparungen trugen dazu bei. Der Gewinn je Aktie stieg auf 40 von 27 Cent. Analysten hatten lediglich mit einem Ergebnis von 38 Cent je Anteilsschein gerechnet. Der Aktienkurs legte nach Handelsbeginn um rund 1,5 Prozent zu. Hintergrund der guten Gewinnzahlen waren die starken Handelsaktivitäten am Finanzmarkt nach dem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl.

Auch die größte US-Bank JP Morgan hat ihren Gewinn im Schlussquartal 2016 fast um ein Viertel gesteigert und dabei ebenfalls von einem anziehenden Geschäft nach der US-Präsidentenwahl profitiert. Der Überschuss kletterte um 24 Prozent auf 6,73 Milliarden Dollar. Die Einnahmen des US-Bankenprimus legten um zwei Prozent auf 24,3 Milliarden Dollar zu und übertrafen damit die Erwartungen von Analysten. „Unsere Ergebnisse in diesem Quartal waren ein Endspurt in einem weiteren Rekordjahr“, sagte Bank-Chef Jamie Dimon. Die Bank habe in fast allen Sparten ihren Marktanteil ausgeweitet. Ihr kamen zudem eine Steuergutschrift, geringere Rückstellungen für faule Kredite sowie Einsparungen zugute. Der Aktienkurs der Bank legte am Freitag zwischenzeitlich rund 1,5 Prozent zu.

Analyse: US-Großbanken und das Prinzip Hoffnung

Analyse

US-Großbanken und das Prinzip Hoffnung

Die Ergebnisse von JP Morgan, Wells Fargo und Bank of America zeigen einen positiven Trend. Ob damit ihre hohen Bewertungen zu rechtfertigen sind, bleibt aber noch offen. Sie beruhen vor allem auf dem Prinzip Hoffnung.

Weniger gut fielen die Zahlen der dritten US-Großbank aus: Wells Fargo lag mit seinem Gewinn je Aktie von 0,96 Dollar leicht unter den Prognosen von Analysten. Im vierten Quartal sei das Nettoergebnis um 6,4 Prozent auf 4,87 Milliarden Dollar gefallen, teilte das Institut am Freitag mit. Das war bereits das fünfte Quartal in Folge mit einem geringeren Überschuss. Analysten hatten beim Gewinn je Aktie 1,00 Dollar erwartet. Im vorbörslichen Handel war die Aktie um knapp ein Prozent gefallen, notierte nach Handelseröffnung jedoch 1,6 Prozent im Plus.

Wells Fargo leidet nach wie vor unter einem Skandal um sogenannte Phantomkonten und bemüht sich derzeit um eine Image-Reparatur. Die Bank soll über Jahre rund zwei Millionen Konten ohne Kundengenehmigung eröffnet haben. Damit wollten Bankmitarbeiter offenbar hochgesteckte Verkaufsvorgaben erreichen. Daneben sollen Mitarbeiter Kunden auch zu kostspieligen Finanzprodukten überredet haben, die diese weder anforderten noch brauchten. Der neue Chef Timothy Sloan zeigte sich zufrieden mit der bislang erreichten Entschädigung von Kunden. In der Affäre gebe es aber noch mehr zu tun, sagte er.

Der frühere Bankchef John Stumpf nahm nach Bekanntwerden des Skandals nach anfänglichem Zögern seinen Hut. Zudem wurden 5300 Mitarbeiter entlassen. Wells Fargo hat sich bereits mit mehreren US-Behörden auf eine Strafe von 185 Millionen Dollar geeinigt. Dem Institut drohen aber auch strafrechtliche Konsequenzen.

Die mehrheitlich guten Zahlen aus den USA bei zwei von drei US-Großbanken beflügelten die Finanzwerte an den europäischen Börsen. Investoren griffen verstärkt zu Finanzwerten. Mit einem Plus von zuletzt 1,14 Prozent war der Branchenindex der stärkste in der Stoxx-600-Branchenübersicht.

An der Dax-Spitze legten die Papiere der Deutschen Bank um 2,72 Prozent zu. Laut Finanzvorstand Marcus Schenck will das Institut seine Altlasten hinter sich lassen und 2017 in die Offensive gehen. Am Vortag hatten die Papiere 3,5 Prozent verloren. Die Titel der Commerzbank verteuerten sich um 1,34 Prozent.

„Bankaktien haben Nachholbedarf, nachdem Trumps Auftritt die Risikolust der Anleger zuletzt gemindert hatte“, sagte ein Händler. Der künftige US-Präsident hatte mit seiner ersten Pressekonferenz enttäuscht und keine Details zu seinen Wirtschaftsplänen geliefert.

Eric Rosengren: Fed-Währungshüter will mehr Tempo bei Zinserhöhungen

Eric Rosengren

Fed-Währungshüter will mehr Tempo bei Zinserhöhungen

Der US-Währungshüter Eric Rosengren findet, dass die US-Notenbank ihre Zinsen schneller erhöhen solle. Vor Industrievertretern sagte er, dass die Geldpolitische Straffung 2017 höher als im Vorjahr ausfallen werde.

Doch die Aussichten für den Finanzsektor 2017 seien angesichts möglicher weiterer Zinserhöhungen in den USA gar nicht schlecht, betonte Händler Markus Huber von City of London Markets. „Banken werden aus Anlegersicht wieder populärer, vor allem weil viele Fonds diesen Sektor immer noch untergewichten.“

Auch die US-Banken erwarten mehrheitlich Positives vom neuen Jahr. Die Bank of America blickt zuversichtlich auf das laufende Quartal: Sie rechnet mit einer deutlichen Steigerung der Zinseinnahmen. Auch JP Morgan rechnet nach eigener Aussage mit mehr Schwung für die US-Wirtschaft 2017. Erstmals seit einem Jahr hatte die Zentralbank Federal Reserve im Dezember ihren Leitzins wieder erhöht, der jetzt bei 0,50 bis 0,75 Prozent liegt. Für 2017 hat sie drei weitere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×