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10.04.2017

14:17 Uhr

Jes Staley

Finanzaufsicht ermittelt gegen Barclays-Chef

VonKerstin Leitel

Der Chef der britischen Bank Barclays hat versucht, den Namen eines Whistleblowers herauszubekommen. Dafür wird er getadelt. Zudem kürzt die Bank seinen Bonus. Doch der Vorfall könnte weitere Konsequenzen haben.

Gegen den CEO von Barclays laufen Ermittlungen. Reuters

Jes Staley

Gegen den CEO von Barclays laufen Ermittlungen.

LondonTransparenz ist Barclays Chef Jes Staley wichtig, das macht er bei jeder Gelegenheit deutlich. Doch jetzt hat es der gebürtige Amerikaner, der die britische Bank seit gut eineinhalb Jahren führt, offenbar etwas zu weit getrieben: Denn der Manager versuchte im vergangenen Sommer, den Namen eines Whistleblowers herauszubekommen.

Ein Banker hatte vergangenen Juni einen Brief an den Verwaltungsrat der Bank geschrieben, in dem er Vorwürfe gegen einen anderen Mitarbeiter von Barclays erhob. Als Reaktion auf den Brief beauftragte der Verwaltungsrat das Compliance-Team damit, dem Fall nachzugehen, und eine Kopie des Briefs landete auf dem Schreibtisch von Staley. Dieser gab daraufhin in Auftrag, den Namen des Whistleblowers in Erfahrung zu bringen. Es handele sich schließlich um einen „unfairen, persönlichen Angriff“ auf den im Brief angesprochenen Mitarbeiter, so die Argumentation. Doch das Sicherheitsteam wies sein Anliegen zurück: Das sei nicht angemessen. Im Juli fragte Staley noch einmal nach, bekam aber wieder nicht den Namen mitgeteilt, wie die Bank erklärte.

Der Fall wäre vielleicht hier zu Ende gewesen, wenn sich nicht Anfang dieses Jahres noch einmal ein Barclays-Mitarbeiter zu Wort gemeldet hätte und das Vorgehen seines Arbeitgebers mit Whistleblowern angeprangert hätte. Der Verwaltungsrat engagierte daraufhin eine unabhängige Firma mit der Recherche in dem Fall. Und die kam zu dem Schluss, dass sich der Bankchef falsch verhalten hat. Staley habe „aufrichtig, aber fälschlicherweise“ geglaubt, dass es erlaubt sei, den Urheber des Briefes zu identifizieren.

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Der Verwaltungsrat zog Konsequenzen, wie er am Montag mitteilte. Dem Bankchef geht es aber nicht an den Kragen – wohl aber an sein Portemonnaie: Staleys werde abgemahnt und sein Bonus „sehr deutlich“ gekürzt, teilte die Bank am Montag mit. Insidern zufolge könnte der Barclays-Chef sogar seinen gesamten Bonus in Höhe von 1,3 Millionen Pfund verlieren. Der Bankchef zeigt sich reumütig.

„Ich habe mich bei dem Verwaltungsrat entschuldigt“, sagte Staley. Er habe die Schlussfolgerung des Gremiums „akzeptiert, dass mein persönliches Verhalten bei diesem Vorfall fehlerhaft war“. Er werde die Reaktion des Boards akzeptieren, welche auch immer das sein mag. „Ich bedaure den Fall, vor allem weil wir unser Geschäft nach den höchsten ethischen Standards ausrichten.“

Er solle aber im Amt bleiben; seine Entschuldigung wurde angenommen. Staley habe weiterhin das „uneingeschränkte Vertrauen“ des Verwaltungsrates, der sich bei der Hauptversammlung Anfang Mai für seine Wiederernennung einsetzen werde.

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Abhaken kann Barclays den Vorfall damit aber noch nicht. Die Aufsichtsbehörden Financial Conduct Authority (FCA) und the Prudential Regulation Authority (PRA) haben sich nun eingeschaltet und stellen ihrerseits Nachforschungen an. Im schlimmsten Fall muss der Barclays-Chef mit einer Geldstrafe und einer Suspendierung rechnen. Diese können die Behörden aussprechen, wenn sie Staley für nicht geeignet halten, eine Bank zu führen. Staley erklärte: „Ich werde vollumfänglich mit der Financial Conduct Authrotiy und der Prudential Regulatory Authority kooperieren.“ Zusätzlich prüfen die Ermittler den Umgang Barclays mit Whistleblowern. Dazu gehören unter anderem Kontrollmechanismen, sowie der Umgang mit solchen Fällen innerhalb des Unternehmens. In vielen Unternehmen werden Mitarbeiter ausdrücklich ermutigt, auf Missstände hinzuweisen. Ihnen wird in der Regel zugesichert, dass sie dabei keine eigenen Nachteile befürchten müssen.

Die Suche nach dem Namen eines Whistleblowers könnte sowohl in den USA als auch in Großbritannien strafbar sein. Das Department of Financial Services in New York prüft den Fall bereits. Im schlimmste Fall könnten Barclays Geldstrafen drohen.

Nach Bekanntwerden des Falls gab die Aktie des Finanzinstituts um 1,2 Prozent nach. Die Aktie fiel im Laufe des Jahres bereits um 3,6 Prozent. Damit ist das Unternehmen zurzeit knapp 36 Milliarden Pfund wert. Erst 2015 hatte Barclay sein Führungsteam umgebaut. Staley wies damals unter anderem ein Spin-Off der Investmentabteilung zurück. In den vergangenen Monaten hatte Staley zudem knapp 6.000 Jobs gekürzt.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass bei Barclays Probleme solcher Art auftauchen. In einem anderen Fall klagt zurzeit Richard Boath, Barclays damaliger Finanzvorstand. Er wurde 2014 vom Serious Fraud Office verhört. Dies war Teil der Ermittlungen rund um die Beschaffung von Finanzmitteln in Höhe von sieben Milliarden Pfund während der Finanzkrise. 2016 dann wurde Boath entlassen. Der Grund war, so sagt es sein Anwalt, dass eine Abschrift der Befragung an Barclays weitergeleitet wurde. In der Folge sei ihm gekündigt worden. Barclays wollte die Anschuldigungen nicht kommentieren. Boath Klage bezieht sich unter anderem auf Bezahlung, unfaire Entlassung und Whistleblowing.

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