Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.09.2011

10:59 Uhr

Jetzt auch Fehrenbach

Unternehmer knöpfen sich die Banken vor

VonCarsten Herz, Mark Christian Schneider, Jens Koenen

Wetten gegen den Euro, dubiose Finanzkonstrukte und Spekulationen ohne Risikobewusstsein: Die Manager von deutschen Top-Unternehmen rechnen mit den Praktiken der Finanzwirtschaft ab - in ungewohnt deutlichen Tönen.

Sieht die Finanzwirtschaft zunehmend als Bedrohung für real erwirtschaftete Werte: Bosch Chef Franz Fehrenbach fordert mehr Regulierung. ap

Sieht die Finanzwirtschaft zunehmend als Bedrohung für real erwirtschaftete Werte: Bosch Chef Franz Fehrenbach fordert mehr Regulierung.

Frankfurt / HamburgFranz Fehrenbach ist nicht gerade bekannt für ein aufbrausendes Temperament und auch nicht für leichtfertig hingeworfene Kritik. Beim Thema Finanzwelt aber macht der Vorstandschef des weltgrößten Automobilzulieferers Bosch seinem Ärger hörbar Luft. In ungewöhnlich klaren Worten nahm der Topmanager angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten nun Politik und Finanzindustrie unter Beschuss.

„Da können Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an“, sagte er am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die Finanzmärkte seien wieder kurz davor, die Weltwirtschaft in eine neue Krise zu reißen.

An eine Rezession glaubt Fehrenbach zwar derzeit nicht. Das Wachstum werde sich verlangsamen, aber es werde nicht zu Ende gehen. Umso deutlicher sprach er sich jedoch für eine schärfere Regulierung der Banken aus: „Wenn es stimmt, was ich lese, dass Goldman Sachs bereits eine Anleitung geschrieben hat, wie man gegen die Euro-Zone mit Gewinn wettet, dann zeigt sich doch, was da für eine Spekulation an den Finanzmärkten im Gange ist.“

Fehrenbach steht mit seiner Kritik nicht alleine. Immer mehr gestandene Unternehmer und Manager machen Front gegen die Banken, vor allem gegen jene Teile und Institute, die sich auf virtuelle und komplexe Finanztransaktionen spezialisiert haben. „Die größte Katastrophe, die wir seit etwa zehn Jahren erleben, sind die nicht-realen Finanztransaktionsgeschäfte, die kein Mensch mehr versteht, noch nicht einmal die, die diese Transaktionen vornehmen“, kritisierte in der vergangenen Woche Jürgen Heraeus, langjähriger Chef und derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des Edelmetallkonzerns Heraeus, im Unternehmergespräch mit dem Handelsblatt. „Ich glaube, diesen Teil des Geschäfts von Goldman Sachs und anderer Banken braucht man eigentlich nicht.“

Wolfgang Schmitt, Vorstandsvorsitzender des Pumpenherstellers KSB, hat schon seit längerem eine distanzierte Meinung zu den Banken entwickelt. Sie hatten 1995 nach einem kompletten Management-Wechsel bei KSB den Hahn zugedreht. „Das hat uns darin bestärkt, ein hohes Maß an finanzieller Unabhängigkeit anzustreben“, sagte Schmitt dem Handelsblatt. „Es wäre sehr ärgerlich, wenn durch Probleme in der Finanz-Branche nun zum zweiten Mal nach 2008 eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst würde.“

In den Augen von Bosch-Chef Fehrenbach ist die Politik in der Pflicht. Die Situation in der Euro-Zone sei derzeit extrem kritisch, sagte er. Die Politik müsse eine Richtungsentscheidung treffen und sagen, ob sie eine weitere Integration Europas wolle. Tue sie das nicht, werde die Spekulation nicht abreißen.

Kommentare (27)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.09.2011, 11:12 Uhr

Wie so oft, wenn sich der Tonfall verschäft, ist das Ausdruck einer sich ausbreitenden Einsicht in die eigene Machtlosigkeit.

Windsurfer

07.09.2011, 11:16 Uhr

Schickt die Typen ins All da können Sie nichts mehr
anrichten

StSieg

07.09.2011, 11:31 Uhr

Es ist schon absolut lächerlich wie sich Die Banken und Finanzdienstleister in ihrer Argumentation verhalten, einerseit verdienen sie unsummen, auf der anderen Seite haben sie keinerlei Rücklagen die auch nur annährend ihre Geschäfte decken. Das Geschäft der Banken hat wenig mit realer Wirtschaft und viel mit schaumschlägerei und blendung und totaler unfähigkeit vor allem in den oberen Etagen zu tun.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×