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21.09.2016

11:00 Uhr

John Stumpf

So grillte eine US-Senatorin den Chef von Wells Fargo

Um Verkaufsziele zu erreichen, haben Wells-Fargo-Mitarbeiter Kunden unnütze Finanzprodukte angedient. Chef John Stumpf bekennt sich zur „vollen Verantwortung“. Im US-Kongress zweifeln Politiker an diesen Worten.

New YorkDas Video zeigt, mit welcher Schärfe Bankchef John Stumpf am Dienstagabend deutscher Zeit im US-Kongress angegangen worden ist: Senatorin Elizabeth Warren knöpfte sich den Chef von Wells Fargo wegen einer Affäre rund um gefälschte Kundenkonten und umstrittene Verkaufsvorgaben vor. Ob er zurücktreten wolle? Ober er auch nur auf fünf Cent seines eigenen Einkommens verzichten wolle? Ob er hochrangige Manager gefeuert habe?

Stumpf suchte verzweifelt nach treffenden Antworten auf das Fragen-Stakkato, doch im Prinzip lautete sie auf diese drei Fragen immer: „Nein.“ Der bisherige Saubermann der US-Finanzindustrie steht damit auf einem Tiefpunkt auf seiner Karriere. Bis vor wenigen Wochen war Wells Fargo die wertvollste Bank in den USA, gemessen am Börsenwert. Dann tauchten die Vorwürfe auf, dass Tausende Mitarbeiter mehr als zwei Millionen falscher Konten eingerichtet hatten, um Verkaufsziele zu erfüllen. Die Aktie verlor deutlich an Wert und JP Morgan überholte Wells Fargo.

Angeschlagen vor dem US-Kongress. dpa

Wells-Fargo-Chef John Stumpf

Angeschlagen vor dem US-Kongress.

In die Anhörung vor dem Bankenausschuss war Stumpf im wahrsten Sinne des Wortes angeschlagen gegangen. Seine rechte Hand in einen Verband gewickelt, hob er die Hand zum Eid, um dann Verzeihung für den Scheinkonten-Skandal bei der Bank zu bitten. „Ich übernehme die volle Verantwortung für die unethischen Verkaufspraktiken“, sagte Stumpf am Dienstag in einer Befragung durch den US-Bankenausschuss. Er entschuldige sich bei allen Amerikanern und Kunden des Geldhauses. Doch wie dieses „Verantwortung übernehmen“ aussehe, das hinterfragte Warren und sagte: „Sie sollten zurücktreten.“

Der Manager sagte während der Anhörung, das Direktorium der Bank prüfe derzeit, welche Maßnahmen gegen Führungskräfte ergriffen werden sollen. Die zuständige Aufsichtsbehörde OCC stieß ins gleiche Horn und drohte mit Strafen für Wells-Fargo-Mitarbeiter. Der demokratische Abgeordnete Sherrod Brown aus Ohio zeigte sich entsetzt über den Skandal. „Der Umfang und die Dauer des Betrugs machen mich fassungslos“, sagte Brown.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

Wells-Fargo-Mitarbeiter sollen Kunden zu kostspieligen Finanzprodukten überredet haben, die diese weder angefordert noch gebraucht haben. Die Banker wollten offenbar ehrgeizige Verkaufsziele erreichen. Dazu richteten sie falsche Konten im großen Stil ein. Die Bank hatte sich jüngst mit mehreren US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt und zahlt nun eine Strafe von 185 Millionen Dollar.

Finanzvorstand John Shrewsberry hatte vor kurzem erklärt, Wells Fargo selbst werde in dem Skandal hart durchgreifen. Es solle genau geprüft werden, wer was wann wusste. Dabei werde vor keiner Hierarchieebene halt gemacht. Wegen unangemessenen Verhaltens hat die Bank bereits 5300 Mitarbeiter entlassen.

Wells-Fargo-Chef John Stumpf: Peinlicher Skandal für den „Banker des Jahres“

Wells-Fargo-Chef John Stumpf

Premium Peinlicher Skandal für den „Banker des Jahres“

Wells Fargo-Chef John Stumpf galt als der Saubermann der Branche. Doch nun erschüttert ein peinlicher Skandal im Vertrieb das US-Geldhaus. Darunter leidet das Image der Bank – und nicht nur das.

Der Skandal ist auch ein Politikum. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton legte einen Plan vor, wie Missverhalten und Rücksichtslosigkeit im Bankensystem bekämpft werden sollen. Das Vorhaben sieht eine Beschränkung von Bonuszahlungen für Spitzenkräfte bei Fehlverhalten und eine Zerschlagung von großen Banken bei Missmanagement vor. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Fall geäußert.

Kommentare (1)

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Baron v. Fink

21.09.2016, 12:39 Uhr

Sehen sie die zum Meineid erhobene Hand auf dem Foto, in einem freien Land geht das nicht durch.

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