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13.10.2016

00:26 Uhr

John Stumpf tritt ab

Wells-Fargo-Chef stürzt über Skandal mit gefälschten Konten

Am Ende war der Druck zu groß: John Stumpf, Vorstandschef einer der größten Banken der Welt, tritt nach einem Skandal um Millionen gefälschter Konten zurück. Sein Ruhestandspaket ist beachtlich.

Der Chairman und CEO von Wells Fargo, hier bei einer Anhörung des Senate Banking, Housing and Urban Affairs Committee, ist am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. dpa

John Stumpf

Der Chairman und CEO von Wells Fargo, hier bei einer Anhörung des Senate Banking, Housing and Urban Affairs Committee, ist am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

San FranciscoDer Vorstandschef der US-Bank Wells Fargo ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. An die Stelle John Stumpfs trete der operative Geschäftsführer Tim Sloan, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Im September hatte das Direktorium der wegen umstrittener Verkaufspraktiken in die Schlagzeilen geratenen Bank Stumpf bereits einen Aktienbonus von 41 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) gestrichen.

Stumpf hatte sich zuvor in einer Anhörung vor einem Senatsausschuss verantworten müssen, in dessen Verlauf sein Rücktritt und eine strafrechtliche Ermittlung gefordert wurden. Wells-Fargo-Mitarbeiter hatten ohne Erlaubnis der Kunden Millionen von Bankkonten eröffnet und Online-Banking-Aktivitäten vorgetäuscht, um die von der Unternehmensführung gesetzten Verkaufsziele zu erreichen. Als dies bekannt wurde, feuerte die Bank rund 5300 Angestellte. Sie stimmte inzwischen der Zahlung von 185 Millionen Dollar als Entschädigungen zu.

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Wie oft in solchen Fällen war mit der Strafzahlung ein Deal verbunden, dass die Bank keinerlei Schuldeingeständnis zu machen brauchte. Der Vorstand glaubte deshalb, wieder zum Tagesgeschäft übergehen zu können. Doch dieses Mal wollte sich die Empörung auf politischer Seite einfach nicht legen. Mehrere Bundesstaaten beendeten ihre Geschäftsbeziehungen mit der Bank oder froren sie zeitweilig ein. Stumpf selbst geriet immer stärker in die Kritik, weil ihm die Geschäftspolitik angelastet wurde, die das Fehlverhalten der Angestellten geradezu herausgefordert habe.

Die größten US-Banken (nach Bilanzsumme)

Platz 10

State Street

227 Milliarden Euro


Stand: Anfang November 2015. Quelle: Bloomberg, EU-Kommission

Platz 9

PNC Financial

285 Milliarden Euro

Platz 8

BoNY Mellon

318 Milliarden Euro

Platz 7

US Bancorp

333 Milliarden Euro

Platz 6

Morgan Stanley

662 Milliarden Euro

Platz 5

Goldman Sachs

708 Milliarden Euro

Platz 4

Wells Fargo

1394 Milliarden Euro

Platz 3

Citigroup

1523 Milliarden Euro

Platz 2

Bank of America

1739 Milliarden Euro

Platz 1

JP Morgan

2127 Milliarden Euro

Die leitende Angestellte des Bereichs auf Vorstandsebene wurde nicht entlassen, sondern von dem 63-Jährigen geregelt in den Ruhestand geschickt, wodurch sie einen zweistelligen Millionenbetrag an Boni behalten durfte. Auch das hatte nach Bekanntwerden für massive Verstimmung bei Politik und Aktionären gesorgt. Letztere mussten einen Kurssturz von knapp 50 Dollar auf zuletzt 45 Dollar mitansehen und verloren über 20 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung Nachbörslich legte die Aktie um rund zwei Prozent auf 46,25 Dollar zu.

„Ich glaube, es ist das Beste für das Unternehmen, wenn ich abdanke“, erklärte Stumpf in einem Statement. Während der Senatsanhörungen hatte er Rücktrittsforderungen noch zurückgewiesen und betont, sein Verbleiben und die Durchführung der Transformation der Bank sei ein Teil von „Verantwortung zu übernehmen“. Nach Berechnungen von Finanzanalysten dürfte sein Ruhestandspaket trotz der gestrichenen Boni immer noch in der Größenordnung um 130 Millionen Dollar liegen. Die Details sind aber nicht bekannt. Am Freitag wird die Bank ihre Zahlen zum Verlauf des abgelaufenen Quartals bekanntgeben.

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