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03.07.2017

18:51 Uhr

John Varley

Ex-Barclays-Chef vor Gericht

VonKerstin Leitel

Am Montag musste der ehemalige Chef der britischen Barclays-Bank, John Varley, vor Gericht erscheinen. Die Vorwürfe gegen den Banker haben es in sich: Dem 61-Jährigen droht eine Gefängnisstrafe.

Der Ex-Chef der britischen Barclays-Bank muss sich in einem spektakulären Prozess vor Gericht verantworten. AP

John Varley

Der Ex-Chef der britischen Barclays-Bank muss sich in einem spektakulären Prozess vor Gericht verantworten.

LondonEs war ein kurzer Auftritt – aber einer mit Seltenheitswert: Am Montag musste John Varley, der ehemalige Chef der britischen Großbank Barclays, in London vor dem Westminster Magistrates Court erscheinen. Es ist das erste Mal, dass ein so hochrangiger Banker eines britischen Geldhauses sich für Entscheidungen aus Zeiten der Finanzkrise vor Gericht verantworten muss.

Dabei wirkt der 61-Jährige so gar nicht wie ein skrupelloser Banker: ein großer Mann mit markanter Brille und weißgrauem Haar, trotz sommerlicher Temperaturen in London akkurat gekleidet in grauem Anzug mit schwarz-weiß gepunkteter Krawatte. Zu seiner Zeit an der Bankspitze musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, konservativ zu sein, farblos und trocken. Und doch muss sich der Ex-Chef der britischen Barclays-Bank nun in einem spektakulären Prozess vor Gericht verantworten.

Die britische Behörde für schwere Wirtschaftsverbrechen Serious Fraud Office (SFO) hat Varley – sowie die Bank selbst und drei weitere, ehemalige Topbanker - wegen des Verdachts auf Betrug und unrechtmäßiger Finanzhilfen angeklagt. Fünf Jahre hatte die Behörde ermittelt, bevor sie vor zwei Wochen Anklage erhob. Die zu Grunde liegenden Ereignisse fanden jedoch schon vor neun Jahren statt.

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Während der Finanzkrise 2008 hatte Barclays finanzielle Unterstützung einiger Investoren. Darunter auch eine horrende Geldspritze aus Katar. Nun hat das Serious Fraud Office Klage gegen die britische Bank erhoben.

Damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, gab es Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Bank. Die Investoren befürchteten, dass die Bank bei den Abschreibungen für Schäden aus der Kreditkrise nicht so rigoros vorgegangen war wie die Konkurrenz, und am Ende den Offenbarungseid leisten werden müsse. Innerhalb weniger Tage verlor die Barclays-Aktie an der Londoner Börse zwei Drittel ihres Wertes. Die Angst vor einer Verstaatlichung machte die Runde – bis Varley Hilfe bekam.

Der seit 2004 amtierende CEO von Barclays konnte das Emirat Katar als neuen Großinvestor gewinnen. Die neuen Anteilseigner schossen in mehreren Schritten Geld zu, am Ende fast zwölf Milliarden Pfund. Zugleich gewährte das Institut den Rettern einen milliardenschweren Kredit und zahlte Gebühren in Höhe von 322 Millionen Pfund, angeblich für Beratungsdienste. Das machte einige Beobachter misstrauisch: Bei den Behörden kam der Verdacht auf, dass die Briten bei der Hilfe aus Katar auf fragwürdige Art und Weise nachgeholfen haben.

War das Betrug – oder nur Zufall? Dieser Frage geht das britische Gericht in den kommenden Wochen nach. Am Montag mussten die vier Angeklagten lediglich ihre Personalien vortragen. Nach wenigen Minuten konnten die Ex-Banker den Gerichtssaal wieder verlassen, zwei der Angeklagten müssen gleichwohl eine Kaution zahlen. Am 17. Juli geht das Verfahren weiter. Sollten sie schuldig gesprochen werden, droht ihnen eine Gefängnisstrafe. Auf Barclays käme eine Geldstrafe zu. Vor Gericht haben sich die Angeklagten noch nicht erklärt, doch britischen Medien zufolge haben die Anwälte der Angeklagten angekündigt, dass ihre Mandanten die Vorwürfe zurückweisen werden.

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