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21.05.2013

18:52 Uhr

JP-Morgan-Chef

Dimon regiert weiter alleine

Die New Yorker Wall Street hatte gebannt nach Tampa geblickt: Dort wollten Aktionäre die Macht von Jamie Dimon an der Spitze von JP Morgan Chase beschneiden. Bei der entscheidenden Abstimmung ernteten sie eine Niederlage.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Seine Kritiker haben verloren. ap

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Seine Kritiker haben verloren.

Tampa/New YorkJP-Morgan-Chef Jamie Dimon darf weiter in doppelter Rolle die US-Bank führen. Bei der Aktionärsversammlung in Tampa in Florida konnten sich die Kritiker Dimons nicht durchsetzen. Sie wollten erreichen, dass er seinen zweiten Posten als Verwaltungsratsvorsitzender abgeben muss. Bei der Abstimmung sprachen sich dann aber sogar mehr Anteilseigner als vor einem Jahr für eine Beibehaltung der Doppelfunktion aus.

Nur gut 32 Prozent des Aktienkapitals stimmten für eine Trennung der Aufgaben, wie das Unternehmen am Rande der Versammlung bekanntgab. Vor einem Jahr hatten noch 40 Prozent für die Aufgabenteilung votiert. Dimon hatte das New Yorker Institut während der Finanzkrise zur Nummer eins in den USA gemacht.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Im abgelaufenen Jahr hatte JP Morgan bei Spekulationen einen Verlust von sechs Milliarden US-Dollar eingefahren. Hinzu kam der Vorwurf der Marktmanipulation. Trotz des Spekulationsdesasters hatte die Bank 2012 mit mehr als 21 Milliarden Dollar so viel wie noch nie verdient. Im ersten Quartal 2013 setzte sich die Rekordserie fort: Unter dem Strich stand ein Gewinn von 6,5 Milliarden Dollar.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf einen Insider berichtete, soll Dimon für den Fall seiner Niederlage bei der Abstimmung mit seinem Abschied von der Unternehmensspitze gedroht haben. Die JP-Morgan-Aktie weitete nach der Aktionärsentscheidung seine Kursgewinne kurzzeitig aus. Die Titel notierten zuletzt 1,9 Prozent im Plus.

Anders als bei Aktiengesellschaften in Deutschland gibt es in den USA nur ein oberstes Firmengremium: das „Board of Directors“ oder zu deutsch der Verwaltungsrat. Hier sitzen Manager und gewählte Vertreter von außerhalb des Unternehmens zusammen. Letztere sollen die Kontrolle gewährleisten. Üblich ist, dass der Konzernchef gleichzeitig der Vorsitzende des Verwaltungsrats ist wie im Falle von JP Morgan Chase und Jamie Dimon.

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