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11.10.2014

00:13 Uhr

JP-Morgan-Chef

Jamie ist wieder da

VonFrank Wiebe

Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach der Krebsbehandlung: Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, war Überraschungsgast bei der IIF-Tagung. Aus dem Firmengeschehen hatte er sich ohnehin nie ganz zurückgezogen.

Comeback: JP-Morgan-Chef Jamie Dimon (in einem Archivbild) hatte zwar während einer Krebsbehandlung weitergearbeitet, in der Öffentlichkeit zeigte er sich zum ersten Mal wieder bei der IIF-Tagung in Washington. AFP

Comeback: JP-Morgan-Chef Jamie Dimon (in einem Archivbild) hatte zwar während einer Krebsbehandlung weitergearbeitet, in der Öffentlichkeit zeigte er sich zum ersten Mal wieder bei der IIF-Tagung in Washington.

WashingtonDer Überraschungsgast wirkte etwas schmaler als früher, bewegte sich ein wenig steifer, und seine Stimme klang ab und zu gedämpft. Aber ansonsten war Jamie Dimon nicht anzumerken, dass er eine wochenlange Krebsbehandlung hinter sich hatte. In der Firma war der Chef von JP Morgan auch während der Erkrankung immer wieder zu sehen, „beängstigend oft“, wie seine Kollegen zitiert wurden, aber in der Öffentlichkeit hat er sich zum ersten Mal bei der Tagung des Großbanken-Verbands IIF in Washington wieder gezeigt, seit bei ihm ein Geschwür im Halsbereich diagnostiziert wurde.

Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain begrüßte bei ihn bei der Podiumsdiskussion mit den Worten: „Jamie, es ist gut, dich wieder hier zu haben.“ Ansonsten gab es keinerlei Anspielung auf die Erkrankung, die in den US-Medien im Sommer eine große Rolle spielte.

Dimon war selbstbewusst wie früher, allerdings deutlich zurückhaltender als zum Beispiel vor einem Jahr, als er beim IIF auftrumpfte und milliardenschwere Strafen für seine Bank nach dem Motto „Fehler passieren überall“ abhandelte. In diesem Jahr sind diese Strafen für seine Bank in den Hintergrund getreten, nachdem andere Geldhäuser für verschiedene Vergehen ebenfalls von den US-Behörden zur Kasse gebeten worden sind.

Besorgt um das Image der US-Banken

Der JP-Morgan-Chef zeigte sich aber besorgt um das Image der US-Branche. Und stellte einen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA her, die von großer Ungleichheit geprägt ist. „Solange ist nicht allen Haushalten besser geht, wird die Kritik gegenüber den Banken nicht abreißen“, sage er. Kritisch äußerte er sich gegenüber einer zu engen, vor allem zu schematischen Aufsicht für seine Branche. „Es muss ein Spielraum für das eigene Urteil geben, das lässt sich nicht ersetzen“, sagte er.

Relativ entspannt zeigte sich Dimon beim Thema Schattenbanken. Während andere Bankchefs, etwa Brian Moynihan von der Bank of America, die Gefahr beschworen, dass zu hohe Auflagen risikoreiches Geschäft in diesen Bereich abdrängt, blieb Dimon ganz nüchtern. „Ich spreche nicht von Schattenbanken, sondern von der Nicht-Banken-Finanzbranche“, sagte er. „Und die macht zum Teil einen ganz guten Job.“ Tatsächlich ist der Begriff der Schattenbanken sehr unscharf, neben Hedge- und Beteiligungsfonds werden manchmal sogar hoch regulierte Versicherer oder Geldmarktfonds mit einbezogen.

Beim Thema Kulturwandel drückte er sich etwas deutlicher aus als die anderen Bankchefs auf dem Podium. Statt von „Werten“ und „Veränderungsbedarf“ zu reden, sagteer ganz klar: „Bei uns werden jedes Jahre Leute gefeuert, weil sie sich daneben benehmen.“

Nebenbei ließ Dimon auch noch ein Loblied auf die USA ab - auf die tiefen Kapitalmärkte, die tollen Universitäten, die unglaublichen innovativen Unternehmen. Tim Adams, Hauptgeschäftsführer des IIF, fragte darauf: Jamie willst du 2016 als Präsident kandidieren?"

"Nein", sagte Dimon lachend.

Der Auftritt zeigte insgesamt: Jamie ist wieder da. Einstweilen nicht ganz so frech und witzig wie früher, aber mindestens so präsent und meinungsfreudig wie seine Kollegen an der Spitze anderer Großbanken.

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