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14.08.2013

21:51 Uhr

JP Morgan

Ex-Banker sollen falsche Zahlen präsentiert haben

Wer war verantwortlich für den milliardenschweren Spekulationsverlust bei JP Morgan? Zwei ehemalige Mitarbeiter sind nun wegen Tricksereien angeklagt. Es geht um viel Geld – und das Ansehen der Großbank.

Zwei frühere Mitarbeiter von JPMorgan Chase müssen sich im Zusammenhang mit dem Spekulationsdebakel bei der Großbank vor Gericht verantworten. AFP

Zwei frühere Mitarbeiter von JPMorgan Chase müssen sich im Zusammenhang mit dem Spekulationsdebakel bei der Großbank vor Gericht verantworten.

New YorkZwei ehemalige Mitarbeiter von JP Morgan Chase müssen sich im Zusammenhang mit dem Spekulationsdebakel bei der US-Großbank vor Gericht verantworten. Die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan wirft den Männern vor, sie hätten die Probleme im vergangenen Jahr verschleiert. Am Mittwoch kam es vor einem New Yorker Bezirksgericht zur Anklage wegen der Fälschung von Dokumenten sowie in der Folge dem Betrug an den Anteilseignern der Bank.

Die zwei Männer arbeiteten in der Londoner JP Morgan-Niederlassung. Hier war auch Bruno Iksil beschäftigt, der als „Londoner Wal“ bekanntwurde. Er hatte diesen Spitznamen wegen seiner gigantischen Finanzwetten bekommen, die den gesamten Markt bewegten, letztlich aber fehlschlugen. Die Zockereien führten nicht nur zu einem finanziellen Verlust von 6,2 Milliarden Dollar, sondern auch zu einem Ansehensverlust für die größte US-Bank. Iksil selbst kooperiert mit den Ermittlern und wird nicht belangt.

Bei den angeklagten Männern handelt es sich um einen Teamleiter und einen Mitarbeiter, der für die Aufzeichnungen der Transaktionen zuständig war. Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass sie die Werte der Finanzwetten in den Büchern bewusst zu hoch ansetzten und damit die wahren Verluste verheimlichten. JP Morgan hatte im Mai 2012 zunächst vor einem Spekulationsverlust von 2 Milliarden Dollar gewarnt, verlor letztlich aber dreimal soviel Geld. Die Bank musste ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal 2012 rückwirkend nach unten korrigieren.

Den beiden Bankmitarbeitern, die im Zuge der Aufdeckung der Verluste gehen mussten, droht nun Gefängnis. Zudem verlangt die Börsenaufsicht SEC in einer parallel eingereichten zivilrechtlichen Klage eine Geldstrafe. Allerdings befinden sich die zwei nach Informationen von US-Medien außerhalb des Landes. Es handelt sich um einen Spanier und einen Franzosen.

Wegen der Affäre musste auch die Investmentchefin der Bank, Ina Drew, gehen - eine Vertraute von JP Morgan-Chef Jamie Dimon. Dieser selbst hatte erste Berichte über die gigantischen Finanzwetten und ihre Risiken als „Sturm im Wasserglas“ abgetan, die Verluste aber später als die „dümmste und peinlichste Situation“ bezeichnet, die er jemals erlebt habe. Er nahm einen Gehaltseinschnitt in Kauf, sitzt aber weiterhin fest im Sattel, auch weil die Bank trotz allem im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn einfahren konnte.

Der Spekulationsverlust hatte die Aktie von JP Morgan allerdings kurzzeitig einbrechen lassen und die Frage aufgeworfen, ob die Banken denn nichts aus der Finanzkrise gelernt haben. Dimon musste sich mehrfach vor Ausschüssen des US-Kongresses verantworten. Präsident Barack Obama nutzte den Fall, um für seine Finanzmarktreform zu werben, gegen die Dimon immer wieder gewettert hatte. Die Bank äußerte sich jetzt nicht zu der Anklage.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Cassandra

14.08.2013, 22:45 Uhr

"Es geht um viel Geld und Ansehen der Bank".

Gegenfrage: hat eine derartige Bank überhaupt noch eine Unternehmensreputation? Und wenn ja, bei welchen Leuten?

Und die zweite Gegenfrage: Um wieviel Geld geht es, wenn Schäden von Milliardensummen (= Gewinne der Bank) mit läppischen gerichtlichen Einigungen von gerade mal 0,0x% der Schadenssumme aus der Welt geschaft werden - wohlgemerkt ohne Anerkennung einer Straftat und Schuld.

Moderne Ablasshandel - moralisch wiederlicher als er jemals zuvor in der Geschicht war.

Mazi

15.08.2013, 09:29 Uhr

"Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass sie die Werte der Finanzwetten in den Büchern bewusst zu hoch ansetzten und damit die wahren Verluste verheimlichten. JP Morgan hatte im Mai 2012 zunächst vor einem Spekulationsverlust von 2 Milliarden Dollar gewarnt, verlor letztlich aber dreimal soviel Geld."

Diese Angaben sollte man hinterfragen.
1.
Es geht also nicht darum, dass getätigte Geschäftsabschlüsse nicht oder falsch in der Positionsführung enthalten waren.
2.
Es geht um die Bewertung der Positionen. Es geht um die Behauptung, dass Händler bei JP Morgan die Bewertung "machen".
3.
Es ist Standard, dass die Bewertung letztlich nicht von dem durchgeführt wird, der die Geschäfte getätigt hat. In soweit schließt sich dieser Vorwurf der Staatsanwaltschaft im Grunde aus.
4.
Ist dies der Fall, hat das interne Kontrollsystem der Bank, letztlich der Vorstand, versagt und wäre verantwortlich.
5.
Dieses interne Kontrollsystem betrifft einmal die "Finanzbuchhaltung" (um es deutsch auszudrücken) und andererseits das Risikokontrollsystem (letztlich die Risikosteuerung nach den internen Modellen nach BASEL).
6.
JP Morgan ist ja kein kleines Haus und auch kein unbedeutendes Haus. Aber der Vorfall zeigt, dass die Aufsichtsbehörden, die die internen Modelle der Banken prüfen und letztlich beaufsichtigen, nicht reagierten und immer noch nicht die Lage erfasst haben.


Vor diesem Hintergrund, der Ratlosigkeit der Aufsichtsbehörden mit den bekannten Manipulationsmöglichkeiten umzugehen, fühlen sich unsere Politiker ermutigt, die Bankenaufsicht zu einer europäischen Bankenaufsicht hochzuaggregieren?

Das ist nichts anderes als die Unwissenheit mindestens zu verdoppeln. Es ist gut, dass dieser Prozess jetzt - und damit rchtzeitig vor der Implementierung einer europäischen Bankenaufsicht - stattfindet. Niemand kann dann mehr behaupten, dass er um die Manipulationsmöglichkeiten, von den fehlenden und uneffizienten Kontrollen im Finanzmarkt nichts wusste.

th235

15.08.2013, 12:34 Uhr

zu Mazi,
wohlgemerkt, wieso ist das möglich, das suggerierte Gewinne in Steueroasen fliessen, wovon die Steuerbehörden keine Kenntnisse mitbekommen. Ein Unternehmen wird doch am Hauptsitz kontrolliert, wo alle relevanten Daten eingehen, bewertet und von Fibu-spezialisten analysiert und zur weiteren Verwendung dem Vorstand gemeldet werden. Der Vorstand entscheidet doch über das Zahlenwerk. Demnach ist doch der Vorstand für das gesamte Handeln seiner Mitarbeiter verantwortlich und in Regress zu nehmen. Das ist doch eigentlich kein Herausforderung für die Staatsanwälte und Richter. Vielleicht doch?? Die Steuerbehörden sind doch auch auf dem Laufenden zu halten, wenn es um Steuerhinterziehung sind doch die die ersten die gleich mit der Vollstreckungskeule loslegen. Jeder kleine oder mittelständischer Unternehmer kann davon ein Lied singen. Bei dem gehen solche großen Geschäfte nicht über Umwege über Steueroasen, sondern sind jederzeit nachprüfbar. Während international agierende Unternehmen ihre Zwischenholdings, oder Tochterunternehmen in Steueroasen verlegen, um damit Steuern zu sparen, müssten diese auch im Hauptsitz nachprüfbar sein.

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