Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2013

02:17 Uhr

JP Morgan

Klage gegen Mitarbeiter des „Wal von London“

Die Verantwortung trägt der Vorgesetzte? Nicht unbedingt. Den „Wal von London“, der JP Morgan mit waghalsigen Geschäften einen Milliardenverlust bescherte, belangt die US-Justiz nicht - aber zwei seiner Mitarbeiter.

Die Finanzmarktaffäre bei JP Morgan hat weitere juristische Folgen. AFP

Die Finanzmarktaffäre bei JP Morgan hat weitere juristische Folgen.

New YorkIn der Finanzmarktaffäre um den sogenannten Wal von London hat die US-Justiz Anklage gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Bank JP Morgan Chase erhoben. Javier Martín-Artajo Rueda und Julien Grout müssen sich vor einem Gericht in New York wegen Betrugs und Fälschung verantworten, wie die am Dienstag veröffentlichte Anklageschrift zeigt. Ihnen wird vorgeworfen, hohe Verluste bei riskanten Finanzgeschäften verschleiert zu haben.

Als "Wal von London" hatte ein weiterer Mitarbeiter von JP Morgan, der Franzose Bruno Iksil, Schlagzeilen gemacht. Er soll durch waghalsige Geschäfte mit Kreditausfall-Versicherungen in der Londoner Investmentabteilung von JP Morgan einen Verlust von 6,2 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) verursacht haben. Iksil entgeht aber einem Strafverfahren, weil er mit den US-Justizbehörden zusammengearbeitet hat.

Grouts Anwalt Edward Little kritisierte die Vorgehensweise der US-Justiz scharf. Es sei "schockierend", dass sein Mandat angeklagt werde, obwohl Iksil sein Vorgesetzter gewesen sei, erklärte er.

JP Morgan : Größter US-Bank droht 700-Millionen-Dollar-Strafe

JP Morgan

Größter US-Bank droht 700-Millionen-Dollar-Strafe

Der Spekulationsverlust aus dem vergangenen Jahr könnte für JP Morgan zum teuren Debakel werden. Die Bank steht offenbar vor einem 700-Millionen-Dollar-Vergleich. Eine Entscheidung könnte noch diese Woche fallen.

Für einen Prozess müssten die beiden Angeklagten erst an die USA ausgeliefert werden: Der Franzose Groult soll sich in seinem Heimatland aufhalten, die französische Justiz liefert aber normalerweise keine eigenen Staatsbürger aus. Der gebürtige Spanier Martín-Artajo war Ende August aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Spanien festgenommen worden.

Die Verfahren gegen Martín-Artajo und Grout sind die ersten im Zusammenhang mit dem Skandal. In der Folge hatte die Investmentchefin die Bank verlassen, und Institutschef Jamie Dimon büßte einen Großteil seines Gehalts ein. Gegen die Bank sind auch noch zahlreiche Zivilklagen anhängig.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

twsan

18.09.2013, 05:38 Uhr

Das ist putzig. Gerade in US-amerikanischen Firmen gibt der Vorgesetzte militärisch-hierarchisch vor, was sein Untergebener zu tun und zu lassen hat. Befolgt der Untergebene das nicht, fliegt er.

Wenn die US-Justiz dieses Prinzip jetzt negiert, dann gibt es nur einen Schluss: Schuldige sind zu suchen - und sie werden auch gefunden.

Die Väter der US-amerikanischen Verfassung müssen in ihren Gräbern rotieren. So schafft sich ein Land selbst ab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×