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14.10.2015

14:38 Uhr

JP Morgan

Mini-Zinsen setzen US-Bankenprimus zu

Die amerikanische Wirtschaft brummt, dennoch zögert die US-Notenbank mit einer Zinserhöhung. Schuld ist die Konjunkturabkühlung in China und anderen Schwellenländern. Darunter leidet auch die größte Bank des Landes.

Wie der Wall Street-Handel lief

JPMorgan enttäuscht mit Geschäftszahlen

Wie der Wall Street-Handel lief: JPMorgan enttäuscht mit Geschäftszahlen

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New YorkDie anhaltend niedrigen Zinsen setzen der größten US-Bank JP Morgan zu. Im wichtigen Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren brach das Ergebnis im dritten Quartal ein. Auch für die anderen US-Großbanken wird nun mit einer ähnlichen Entwicklung gerechnet. Wegen der Konjunkturabkühlung in China und anderen Schwellenländern zögerte die US-Notenbank Fed zuletzt mit der ersten Zinserhöhung seit fast zehn Jahren, obwohl die amerikanische Wirtschaft brummt. JP-Morgan-Finanzchefin Marianne Lake sagte am Dienstagabend nach der Veröffentlichung der Bilanz, das Marktumfeld für Banken bleibe schwierig. Die Schätzungen der Analysten für das laufende Quartal seien eher zu hoch.

In den Sommermonaten stürzten die Einnahmen im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen im Jahresvergleich um 22,6 Prozent auf 2,93 Milliarden Dollar ab. Bereinigt um Sondereffekte wie Verkäufe ergab sich immer noch ein Minus von elf Prozent. "Wenn man sich die anderen Institute ansieht, die ihre Zahlen noch vorlegen werden, wird es meiner Einschätzung nach genau die gleiche Situation geben", sagte Michael Yoshikami, Chef des kalifornischen Vermögensverwalters Destination Wealth Management.

Am Mittwoch standen noch die Quartalszahlen der Bank of America an. Die Citigroup und die führende Investmentbank Goldman Sachs folgen am Donnerstag. Mehrere Institute hatten bereits vorab gewarnt, mit einem Minus von rund fünf Prozent im Handel zu rechnen. Auch die Deutsche Bank ist traditionell stark abhängig vom Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Allerdings haben die Frankfurter derzeit ganz andere Probleme. Im dritten Quartal machte die Bank einen Rekordverlust von rund sechs Milliarden Euro. Grund sind hier nicht nur massive Abschreibungen auf das Investmentbanking und das Privatkundengeschäft. Auch für Rechtsstreitigkeiten musste erneut viel Geld zur Seite gelegt werden.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon erklärte, seinem Institut machten weiterhin die Mini-Zinsen zu schaffen. Viele Experten rechnen nicht mehr für dieses Jahr mit der Zinswende in den USA, die Anlagen im Dollar-Raum attraktiver machen würde. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 liegen die Zinsen bei nahe null Prozent. Die Einnahmen des US-Branchenprimus sanken im abgelaufenen Quartal mit 6,4 Prozent überraschend deutlich, während drei der vier wichtigsten Sparten einen geringeren Gewinn auswiesen.

Unter dem Strich verdiente JP Morgan allerdings mit 6,8 Milliarden Dollar 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies war aber vor allem auf positive Steuereffekte und niedrigere Ausgaben für Gehälter zurückzuführen. Zudem hatten hohe Lasten für Rechtsstreitigkeiten die Bilanz im Vorjahr getrübt.

JP Morgan betonte zudem, die gesamten Vermögenswerte das zweite Quartal in Folge abgebaut zu haben, dieses Mal um mehr als 32 Milliarden Dollar. Das Institut hatte im Zuge der Finanzkrise mehrere Rivalen übernommen, die in Schieflage geraten waren. Das hatte die Bilanz stark aufgebläht. Nun will JP Morgan den Aufsehern signalisieren, Risiken zu reduzieren.

Von

rtr

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