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16.01.2008

17:39 Uhr

JP Morgan muss 1,3 Milliarden abschreiben

Kein Ende der Finanzkrise in Sicht

VonTorsten Riecke

Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Finanzkrise in den USA sind weiter gesunken. JP Morgan Chase, die drittgrößte Bank des Landes, meldete für das vierte Quartal 2007 einen Gewinneinbruch von 34 Prozent auf knapp drei Mrd. Dollar und konnte damit die Erwartungen der Wall Street nicht erfüllen. Auch bei den US-Regionalbanken brennt es lichterloh.

NEW YORK. Bei der zweitgrößten US-Hypothekenbank Wells Fargo brach das Ergebnis um 38 Prozent ein. Neue Hiobsbotschaften gab es auch von den Kreditversicherern. Ambac Financial, nach MBIA der zweitgrößte so genannte Monoliner, kürzt seine Dividende um zwei Drittel, setzt seinen Chef vor die Tür und benötigt dringend eine Mrd. Dollar, um die bislang erstklassige Bonität zu sichern.

Dass sich selbst JP Morgan dem Negativtrend in der Finanzbranche nicht mehr entziehen kann, zeigt, dass die wirtschaftliche Abwärtsspirale in den USA auch gut geführte Konzerne nicht mehr länger verschont. Die Bank galt bislang als Musterschülerin der Branche und konnte die Verluste aus der Subprime-Krise auf ein Minimum begrenzen. Im vierten Quartal musste jedoch auch JP Morgan 1,3 Mrd. Dollar auf Kreditderivate im Hypothekengeschäft abschreiben. Die verbleibenden Subprime-Risiken bezifferte die Bank auf 2,7 Mrd. Dollar. Hinzu kommen neue Kreditrisiken durch die wirtschaftliche Talfahrt in Amerika. JP Morgan hat ihre Rückstellungen für Kreditausfälle im Konsumentengeschäft auf mehr als eine Mrd. Dollar vervierfacht.

"Wir gehen extrem vorsichtig ins Jahr 2008", sagte Konzernchef Jamie Dimon, "falls sich die Konjunktur deutlich abschwächt, wird das unser Geschäftsvolumen negativ beeinflussen und die Kreditkosten in die Höhe treiben." Eine Rezession wollte er jedoch nicht heraufbeschwören. Der Manager erwartet jedoch, dass die Verluste aus dem Kreditkartengeschäft ansteigen und fallende Hauspreise die Zahlungsmoral der Hypothekennehmer weiter belasten. "JP Morgan kann der rauen wirtschaftlichen Wirklichkeit nicht entkommen", schreibt Michael Mayo, Analyst bei der Deutschen Bank in New York.

Dennoch steht das Institut weitaus besser da als sein schärfster Rivale Citigroup, die für das gleiche Quartal einen Verlust von fast zehn Mrd. Dollar ausgewiesen hatte. Die Börse in New York honorierte diese Leistung mit einem Kursgewinn von fünf Prozent zum Handelsstart. Auch ist Dimon bislang nicht auf die Kapitalhilfe ausländischer Regierungen angewiesen wie so viele andere Banken an der Wall Street. Die Kernkapitalquote (Tier 1) liegt mit 8,4 Prozent deutlich über der Vorgabe der Finanzaufsicht von sechs Prozent.

Experten rechnen deshalb damit, dass Dimon die Gunst der Krise nutzen könnte. Die aktuellen Marktbedingungen machten Übernahmen wahrscheinlicher, sagte Dimon. Er sei für Zukäufe offen. Im Zentrum der Spekulationen steht die Regionalbank Washington Mutual, die durch Verluste im Hypothekengeschäft stark angeschlagen ist. Vor kurzem hatte die JP-Morgan-Konkurrentin Bank of America den Baufinanzierer Countrywide geschluckt.

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