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13.05.2012

16:26 Uhr

JP Morgan

Spekulationsdebakel trifft die ganze Branche

Die US-Großbank JPMorgan Chase büßt doppelt und dreifach für ihre missglückten Finanzwetten. Gegenüber den nun zu Tage tretenden Spätfolgen wirkt der eigentliche Spekulationsverlust von rund 2 Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) fast schon gering. Vor allem droht der gesamten Branche nun eine schärfere Regulierung. Die Zeiten von Gewinnen, die in den Himmel schießen, könnten damit vorerst vorbei sein. Derweil werden immer mehr Details der milliardenschweren Fehl-Spekulationen werden bekannt.

Das Gebäude von JP Morgan Chase an der Park Avenue in New York. AFP

Das Gebäude von JP Morgan Chase an der Park Avenue in New York.

New York„Das ist eine ziemlich unglückliche Zeit für einen solchen Fehler“, räumte Bankchef Jamie Dimon in einem Interview mit dem US-Sender NBC ein, das am Sonntag in voller Länge ausgestrahlt werden sollte. Denn in Washington wird momentan über die Verabschiedung der sogenannten „Volcker Rule“ debattiert. Die nach dem früheren US-Notenbankchef Paul Volcker benannte Regel verbietet es Banken, mit eigenem Geld zu zocken - als Lehre aus der Finanzkrise.

Dimon war der lauteste Kritiker der „Volcker Rule“. Seine JP Morgan Chase ist die Nummer eins unter Amerikas Banken und gehört zu den Gewinnern der Finanzkrise. Durch die missglückten Finanzwetten bekommen nun die Befürworter einer strengeren Regulierung Auftrieb. „Es ist jetzt zwei Milliarden Dollar schwerer geworden, gegen die neuen Regeln zu argumentieren“, erklärte der US-Kongressabgeordnete Barney Frank am Samstag.

Frank ist einer der Väter des „Dodd-Frank Act“. Damit wird das Bündel an Gesetzen bezeichnet, welches der Wall Street nach den Erfahrungen der Finanzkrise Zügel anlegen sollte. Die „Volcker Rule“ ist Teil dieses Gesetzespakets. „Die meisten Finanzfirmen und deren Branchenvertreter haben sich der "Volcker Rule" widersetzt. Sie haben daran gearbeitet, das endgültige Regelwerk aufzuweichen und die Einführung zu verzögern“, erinnerte Frank.

Der sonst so angriffslustige JP-Morgan-Chef Dimon übte sich am Wochenende in Demut: „Wir wissen, dass wir nachlässig waren, wir wissen, dass wir dumm waren, wir wissen, dass es am Urteilsvermögen mangelte“, sagte der mächtigste Banker der Vereinigten Staaten im NBC-Interview.

Die Bank hatte umgehend die Quittung bekommen: Der Aktienkurs war am Freitag um mehr als 9 Prozent eingebrochen. Gut 14 Milliarden Dollar an Börsenwert verpufften. Am Abend stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von JPMorgan um eine Stufe herab und drohte mit weiteren Schritten. Auch Standard & Poor's prüft eine Herabstufung.

Kommentare (6)

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Goldmund

13.05.2012, 21:29 Uhr

Notorische Spieler können ihr eigenes Geld in den Spielkasions verzocken und dürfen dies nicht mit Kundengeldern machen. Die Banken sind zu übelsten Zockerbuden verkommen. Die Politik schaut untätig zu. Wer sagt, dass die deutsche Bank den Eigenhandel drastisch heruntergefahren hat? Die haben das Zocken nur in Schattenbanken ausgelagert um ungestört weiterzocken zu können. Wie verkommen ist die Branche eigentlich?

Mazi

13.05.2012, 21:37 Uhr

Wenn es der Bank künftig untersagt sein soll mit eigenem Geld zu spekulieren, so scheint es nach der Formulierung aber erlaubt zu sein, das Geld der Kunden zu verzocken.

Ich denke aber, dass die Formulierung nochmals überprüft werden sollte. Die obige Logik kann nicht gemeint sein.

puenktli

13.05.2012, 22:00 Uhr

Mal sehen, ob die Betrügerein in Sachen Silber- und Goldmanipulation endlich auch ins Visier genommen werden, oder ob JP Morgan und Goldman Sachs einmal mehr davonkommen.

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