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04.04.2006

17:00 Uhr

JP Morgan und Morgan Stanley

Retter und Sündenböcke

VonTobias Moerschen

Kein anderer US-Banker hatte je so viel Macht wie John Pierpont Morgan. Sein Erbe lebt in veränderter Form weiter. Doch der alte Mythos des Hauses Morgan hat in der modernen Finanzwelt an Glanz verloren.

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NEW YORK. Vor fast hundert Jahren, im Herbst 1907, spielte sich eine dramatische Szene vor dem Eingang des Hauses Wall Street Nr. 23 ab. Dutzende Wertpapierhändler drängelten sich vor der Bank JP Morgan, schräg gegenüber der New Yorker Börse. Nur einer konnte ihrer Ansicht nach die Panik der Aktienmärkte stoppen: John Pierpont Morgan.

Morgan, ein übergewichtiger Hüne mit buschigen Augenbrauen, einer zeitlebens von Akne gezeichneten Nase und imposantem Walross-Schnurrbart, erfüllte tatsächlich die Hoffnungen. Er versammelte am 24. Oktober 1907 die Chefs aller führenden New Yorker Finanzhäuser und überredete sie zu Notkrediten von 25 Mill. Dollar. Sie waren nötig, weil unsolide Finanzfirmen mit ihrer Pleite eine Lawine von Panikverkäufen losgetreten hatten, die 50 New Yorker Börsenmakler in Geldnot brachten. Mit Hilfe weiterer Stützkäufe, die der US-Finanzminister persönlich aus der Staatskasse finanzierte, beruhigte Morgan die Lage.

Kein anderer US-Banker hatte je so viel Macht wie John Pierpont Morgan. Er dominierte an der Spitze des „Hauses Morgan“ – eines Geflechts von Geldhäusern in New York, London, Paris und Philadelphia – zeitweise die ganze amerikanische Wirtschaft. Morgans Nachfolgebanken zählen bis heute zur Weltspitze: JP Morgan Chase & Co. steht mit 144 Mrd. Dollar Börsenwert und 1,2 Billionen Dollar Bilanzsumme an dritter Stelle unter den US-Großbanken. Morgan Stanley, die 195 abgespaltene Stiefschwester, zählt im Investment-Banking zur ersten Reihe. Morgan Grenfell ging aus der Londoner Morgan-Dependance hervor und wurde 1989 von der Deutschen Bank übernommen.

Der Aufstieg des Hauses Morgan dauerte Generationen. Er begann 1838 mit der Entstehung des Bank- und Handelsgeschäfts Peabody, Riggs & Co in London. Im Jahr 1854 tritt Junius Spencer Morgan, Sohn einer alten, reichen amerikanischen Familie aus Boston, in die Bank ein, die er später in JS Morgan & Co. umbenennt.

Junius Morgan eifert Bankdynastien wie Barings und Rothschild nach. Er finanziert den amerikanisch-britischen Handel ebenso wie den Krieg der Franzosen gegen die Preußen, die ägyptische Nationalbank und öffentliche Projekte in Argentinien. Junius Morgans Sohn John Pierpont eröffnet 1864 im Alter von 27 Jahren ein Büro in New York. Gestützt vom Kapital und den Verbindungen seines Vaters stürzt er sich ins Getümmel des jungen amerikanischen Kapitalismus. Es ist die Zeit der Räuberbarone, die dringend Kapital brauchen, um mit Handelsfirmen und Eisenbahnen den amerikanischen Kontinent zu erschließen.

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