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17.03.2016

03:58 Uhr

JP Morgan

US-Bank muss Whistleblower wieder einstellen

VonFrank Wiebe

Ein Mitarbeiter machte Vorgesetzte auf Fehler aufmerksam und verlor anschließend seinen Job. Die US-Arbeitsschutzbehörde billigt ihm Schadenersatz zu – und die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Vor der Zentrale von JP Morgan in New York: Eine US-Behörde hat angeordnet, dass die Bank einen internen Whistleblower wieder beschäftigen muss. AFP; Files; Francois Guillot

JP Morgan

Vor der Zentrale von JP Morgan in New York: Eine US-Behörde hat angeordnet, dass die Bank einen internen Whistleblower wieder beschäftigen muss.

New YorkWhistleblower sind ein heißes Thema. Unternehmen fürchten Mitarbeiter, die sie verpfeifen und Fehlverhalten publik machen. Behörden locken sie in den USA mit Belohnungen, um Informationen über unsaubere Geschäfte zu bekommen. Unternehmen dürfen dort keine Vergeltung üben, denn Whistleblower genießen gesetzlichen Schutz. Trotzdem verlieren die Betroffenen häufig ihre Arbeit und haben Probleme, eine neue zu finden.

Ganz anders lief das nun in einem Fall bei JP Morgan. Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin im Kreditbereich der US-Großbank hatte nach Darstellung der Arbeitsschutzbehörde (OSHA) zwischen November 2013 und Mai 2014 mehrfach beim Bank-Management Bedenken angemeldet. Demnach hatte es inkorrekte Berichte gegeben, sowohl intern als auch gegenüber der Finanzaufsicht.

Unter anderem sei ein Compliance-Test, also die Überprüfung geltender Regeln, als erfolgreich gemeldet worden, obwohl er in Wahrheit ein Reinfall war. Die Bank nahm dem Whistleblower seinen Verantwortungsbereich und seine Position weg, und Ende 2014 auch seinen Job. Die OSHA sieht darin einen Rache-Akt. Die Bank hat sich auf Anfrage nicht zu dem Fall geäußert.

Schadenersatz und Gehaltsnachzahlung

JP Morgan muss nun auf Anordnung der Behörde gut 150.000 Dollar Gehalt nachzahlen und etwas mehr als 50.000 Dollar Schadenersatz leisten, unter anderem für medizinische Kosten. Allerdings kann die Bank, ebenso wie der Beschäftigte, den Beschluss anfechten.

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Eine New Yorker Sozialwissenschaftlerin hat in einer Studie Fälle von 14 Whistleblowern in der Finanzindustrie untersucht. Das Ergebnis: Mitarbeiter, die Missstände aufdecken, fühlen sich häufig schikaniert und diffamiert.

Die OSHA hat ein eigenes Programm zum Schutz von Whistleblowern. Noch bekannter ist das entsprechende Programm der US-Wertpapierbehörde (SEC), die zum Teil Millionen an Belohnungen auszahlt.

Meist werden als Whistleblower Leute bezeichnet, die ihr Unternehmern nach außen verpfeifen, also bei den Behörden anzeigen. Rechtsanwälte empfehlen, das anonym zu tun, um sich keinen Racheakten auszusetzen. Die SEC zahlt zum Teil auch Belohnungen anonym aus.

Der korrekte Weg aus Sicht der Unternehmen ist freilich, zunächst die Vorgesetzten zu alarmieren, was bei JP Morgan offenbar der Fall war. Auf diesem Weg ist aber keine Anonymität möglich. Der Fall bei JP Morgan ist insofern eine Besonderheit, als der Mitarbeiter offenbar nur innerhalb des Unternehmen Alarm geschlagen hat, in dem Fall spricht man auch von „internen Whistleblowern“.

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