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12.07.2013

16:43 Uhr

JP Morgan

US-Großbank macht Vorjahr vergessen

Die US-Großbank JP Morgan hat in den vergangenen drei Monaten deutlich Gewinn und Einnahmen gesteigert. Im Vorjahr hatten noch hochriskante Wetten das Geschäft belastet.

JP-Morgan-Gebäude in New York: Auch im Privatkundengeschäft aktiv. dapd

JP-Morgan-Gebäude in New York: Auch im Privatkundengeschäft aktiv.

New YorkJP Morgan hat die Berichtssaison der US-Geldhäuser mit einem soliden Gewinnsprung eröffnet: Der Überschuss legte im zweiten Quartal um 31 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) zu, wie das Institut am Freitag mitteilte. Zwar schnitt der Branchenprimus vor allem im Investmentbanking besser ab als erwartet. Doch er profitierte auch davon, dass er etwa im Immobiliengeschäft einen Teil der Risikovorsorge für faule Kredite auflösen konnte. Im Vorjahreszeitraum hatte zudem noch ein milliardenschwerer Handelsskandal das Ergebnis erheblich belastet.

Anleger bewerteten das große Gewinnplus daher mit Skepsis: JP-Morgan-Aktien legten im vorbörslichen Handel zunächst zu, drehten dann aber leicht ins Minus.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Dass das Tagesgeschäft nicht ganz so kräftig anzieht wie erhofft, zeigten die Konzerneinnahmen, die auf 26 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) von zuvor 23 Milliarden Dollar stiegen. Analysten hatten hier einen Schnaps mehr erwartet. Vorstandschef Jamie Dimon verwies darauf, dass die Kreditnachfrage insgesamt verhalten bleibe. „Wir sehen aber viele Anzeichen dafür, dass sich die US-Wirtschaft weiter erholt.“ Das dürfte im Jahresverlauf auch dem Kreditgeschäft der Banken helfen, erklärte er.

Im Immobiliengeschäft konnte JP Morgan zwar einen Teil der Risikovorsorge für faule Kredite auflösen, was das Vorsteuerergebnis um fast eine Milliarde Dollar ankurbelte. Doch das eigentliche Hypothekengeschäft war rückläufig - auch weil die jüngste Refinanzierungswelle, die durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank ausgelöst worden war, schon wieder abebbt. Das könnte den Kostendruck erhöhen und zu weiteren Sparmaßnahmen führen, wie Finanzchefin Marianne Lake signalisierte. Erst im Februar hatte JP Morgan den Abbau von 17.000 Jobs bis Ende 2014 angekündigt - knapp sieben Prozent der Gesamtbelegschaft. Betroffen sind vor allem das Hypotheken- und Privatkundengeschäft. Lake betonte, JP Morgan liege zwar im Plan. Aber in Anbetracht des Marktumfeldes müsse die Bank beim Sparen eventuell noch eine Schippe drauflegen.

Im Investmentbanking fuhr JP Morgan einen Nettogewinn von 2,8 Milliarden Dollar ein – 19 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damals hatte ein Londoner Händler mit dem Spitznamen „der Wal“ mit hochriskanten Wetten Milliarden in den Sand gesetzt, die sich tief in die Quartalsbilanz fraßen. Insgesamt hatte lag der Schaden bei 6,2 Milliarden Dollar gelegen. Zwei Drittel davon hatte JP Morgan Chase im zweiten Quartal 2012 verbuchen müssen. Kritiker von Dimon scheiterten jedoch auf der Hauptversammlung mit dem Versuch, den mächtigsten Banker der Wall Street zu entmachten. Er konnte seine Doppelrolle als Firmenchef und Vorsitzender des Verwaltungsrats behalten.

Sonderbelastungen gab es dieses Mal nicht. Insbesondere im Handel liefen die Geschäfte besser, als viele Branchenexperten angesichts des Auf und Ab an den Märkten zuletzt erwartet hatten. Das lässt auch für die europäischen Banken hoffen, allen voran die Deutsche Bank, die ihre Quartalszahlen am 30. Juli vorlegt. JP Morgan Chase ist nicht nur die größte, sondern auch die erste namhafte US-Bank, die ihre Geschäftszahlen präsentiert. In der kommenden Woche folgen andere Schwergewichte wie Goldman Sachs, Bank of America oder Citigroup.

Die Banken sehen sich einer Reihe von Problemen gegenüber: Zum einen gehen schärfere gesetzliche Vorgaben ins Geld, zum anderen ist es schwierig, bei den derzeit niedrigen Zinsen etwas an Krediten zu verdienen. Die Banken reagieren darauf mit Sparprogrammen. Alleine bei JPMorgan Chase sank die Zahl der Mitarbeiter binnen eines Jahres um 9400. Der Wall-Street-Riese beschäftigte Ende Juni noch 157.900 Leute.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

12.07.2013, 14:44 Uhr

Tja, so gehts eben auf magere Jahre folgen noch mehr fette Jahre, so wie immer! Die Bank bezahlt mehr Steuern und trägt seinen Beitrag zur Gesellschaft bei. Schade nur das diejenigen die man in diesen Foren so antrifft und ständig nur meckern nicht mal den Anstand haben jetzt "Glückwunsch" zu sagen. Der Mensch meckert eben gerne um sich Luft zu machen, kein wunder das sich hier Berwanger und co. nicht die Finger wund schreiben...das Investmentbanking scheint ja doch nicht so tot zu sein wie manch einer es gerne gehabt hätte :)

Account gelöscht!

12.07.2013, 15:08 Uhr

Hochintelligenter Beitrag....

Mit Rückendeckung der FED und der EZB sowie dem netten Vorteil, Wirtschaftsdaten bereits vor der allgemeinen Veröffentlichung geliefert zu bekommen, würde ich auch problemlos Milliarden verdienen.

Das Investmentbanking ist wahrlich nicht tot, es ist nur bis in die letzte Ecke manipuliert.

Insofern gibt es nicht den geringsten Grund für einen "Glückwunsch". Unter diesen Voraussetzungen könnte diese Art von InvestmentBanking nämlich auch meine Uroma...

Herr_schmeiss_Hirn

12.07.2013, 16:58 Uhr

@ Mettwürstchen

Dämlich wäre noch geprahlt.
Anders ausgedrückt: Wenn ich 'nem Junkie täglich einen 40-Tonner mit Stoff zur Verfügung stelle, dann bleibt auch noch was übrig am Ende des Tages.

Mal ein paar Zahlen gefällig, die das unterstreichen:

""Getting 391 Billion Bennybucks at 0 interest seems to really really helps......The list of institutions that received the most money from the Federal Reserve can be found on page 131 of the GAO Audit and are as follows..
Citigroup: $2.5 trillion ($2,500,000,000,000)
Morgan Stanley: $2.04 trillion ($2,040,000,000,000)
Merrill Lynch: $1.949 trillion ($1,949,000,000,000)
Bank of America: $1.344 trillion ($1,344,000,000,000)
Barclays PLC (United Kingdom): $868 billion ($868,000,000,000)
Bear Sterns: $853 billion ($853,000,000,000)
Goldman Sachs: $814 billion ($814,000,000,000)
Royal Bank of Scotland (UK): $541 billion ($541,000,000,000)
JP Morgan Chase: $391 billion ($391,000,000,000)
Deutsche Bank (Germany): $354 billion ($354,000,000,000)
UBS (Switzerland): $287 b"

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