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16.11.2012

16:54 Uhr

Justizdrama

Richter sieht „Tendenz zur Schädigung“ Kirchs

VonAxel Höpner

Im Prozess zwischen den Erben Leo Kirchs und der Deutschen Bank gibt es nach dem letzten Verhandlungstag kein Urteil – aber doch einen Verlierer. Für die Deutsche Bank sieht es nicht gut aus.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf Breuer, beim Prozess um den Zerfall des Medienimperiums Kirch. dapd

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf Breuer, beim Prozess um den Zerfall des Medienimperiums Kirch.

MünchenIm Justizdrama zwischen der Deutschen Bank und den Erben des gescheiterten Medienunternehmers Leo Kirch hat Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer die Verantwortung für den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe zurückgewiesen. „Was mir unterstellt wird, ist ungeheuer und ehrenrührig“, sagte er im Oberlandesgericht. Er habe im Jahr 2002, als er sich in einem Interview zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe äußerte, keinen Druck auf Kirch aufbauen wollen. Er habe sich auch nur auf das bezogen, was damals in den Medien gestanden habe.

Breuer verlas mit gedämpfter Stimme eine kurze Erklärung. Seine Anwälte erklärten hinterher, Breuer habe eine Schädigung Kirchs gerade vermeiden wollen. Es gebe keinerlei Indizien für eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung.

Das Interview mit Breuer zu Kirch

Verhängnisvolles Gespräch

Ein Fernsehinterview, das am 4. Februar 2002 bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, war Auslöser eines jahrelangen Rechtsstreits zwischen dem 2011 verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank. Gegeben hatte es der damalige Vorstandssprecher des Geldhauses, Rolf Breuer. Das Interview im Wortlaut.

Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?“

Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“

Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen.“

Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren.“

Der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Kirch hatte die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer für den Zusammenbruch seines Medienimperiums im Jahr 2002 verantwortlich gemacht. Breuer hatte in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs in Zweifel gestellt. „Erschossen hat mich der Rolf“, sagte Kirch damals. Ein Kirch-Anwalt erinnerte im Gerichtssaal an dieses Zitat.

Zuvor hatte es bereits dramatische Stunden gegeben. Kurz sah es so aus, als könne Richter Guido Kotschy die Klage an diesem Tag komplett abweisen – weil womöglich nicht immer gesichert gewesen war, dass die Kirch-Seite das Prozesskostenrisiko tragen kann. Nach Beratungen setzte er das Verfahren aber fort.

Zudem schaltete sich überraschend auch noch der Ex-Kirch-Finanzchef Brian Cook ein. Er ließ über seine Anwälte erklären, dass die Deutsche Bank nach seiner Einschätzung nicht Schuld an der Insolvenz des hoch verschuldeten Medienkonzerns im April 2002 gewesen sei. Dies stützt die Einschätzung der Deutschen Bank. Richter Kotschy ließ ihn aber nicht als sogenannten Streithelfer zu. Cook ist in einem anderen Zivilverfahren Beklagter.

Richter Kotschy hatte mehrmals angedeutet, dass der Deutschen Bank eine Verurteilung zu hohem Schadensersatz droht. Er hält es für sehr wahrscheinlich, dass Breuer die Aussagen gezielt machte, womöglich um der Deutschen Bank bei einer Neuordnung der Kirch-Gruppe lukrative Mandate zu sichern. Daher hatte Kotschy massiv auf einen Vergleich gedrungen, zu dem es aber trotz mehrmaliger Anläufe nicht kam.

Kommentare (7)

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16.11.2012, 17:09 Uhr

bin mal gespannt wenn Institutionen und öffentliche Personen angeklagt werden die sich über die Kreditwürdigkeit Griechenlands geäußert haben.

Sektundselters

16.11.2012, 17:21 Uhr

Eines wird immer klarer: Es braucht nur Einer einen Vergleich nämlich der Richter Herr Kotschy ! Nach diesem Verfahren mit all den Einseitigkeiten kann es nämlich kein Revisionssicheres Urteil geben

Account gelöscht!

16.11.2012, 17:28 Uhr

Der Vorstand ist dann verpflichtet, sich einen Teil des Geldes von Breuer zurück zu holen. Als Aktionär möchte ich, dass Herr Breuer nicht nur ein paar Peanuts bezahlen muss!!!!!!!!!!

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