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05.01.2011

09:05 Uhr

Kampf gegen Geldwäscherei

Vatikan-Banker wollen ihr Image aufpolieren

VonKatharina Kort

Himmlisches Paradies statt Steuerparadies. Der Vatikan will den lästigen Ruf der Steueroase loswerden, der ihm mit seinem undurchsichtigen Finanzinstitut Ior anhaftet. Mit neuen Regeln möchten die Geistlichen der Geldwäsche künftig einen Riegel vorschieben.

Papst Benedikt XVI.: Zum Jahreswechsel kündete der Heilige Vater persönlich den Kampf gegen die Geldwäscherei an. Quelle: dpa

Papst Benedikt XVI.: Zum Jahreswechsel kündete der Heilige Vater persönlich den Kampf gegen die Geldwäscherei an.

MAILAND. Das Ior, dessen Buchstaben für "Istituto per le Opere della Religione" - Institut für religiöse Werke - stehen, möchte endlich auf der weißen Liste der regeltreuen Länder der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) stehen.

Zum Jahreswechsel kündete Papst Benedikt XVI persönlich die Kehrtwende an. Neue Regeln und eine eigene Aufsicht - die Autorität für Finanzinformationen (AIF) - sollen dafür sorgen, dass das Ior aus der Schmuddelecke derer kommt, die den Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus nicht nachkommen. Außer dem Ior soll die Aufsicht AIF weitere Institutionen kontrollieren. Dazu gehören das APSA (Amministrazione del Patrimonio della Sede Apostolica), eine Art Zentralbank des Vatikanstaats, und die Propaganda Fide, ursprünglich eine Kongregation zur Verbreitung des Glaubens, die heute über ein milliardenschweres Vermögen verfügt und mit Bestechungsversuchen ins Gerede geraten ist. Anfang April sollen die neuen Regeln in Kraft treten.

Für das Ior ist es eine kleine Revolution. Das Institut ist in seiner Geschichte immer wieder von Skandalen erschüttert worden. Papst Johannes Paul I, der 1978 im Ior aufräumen wollte, überlebte nur 33 Tage in seinem Amt. Der Bankier Roberto Calvi von der vatikannahen Banco Ambrosiano endete vier Jahre später erhängt unter einer Brücke. 2010 beschlagnahmte die italienische Staatsanwaltschaft Konten des Ior, weil das Institut gegen Geldwäschevorschriften verstieß.

Mit diesen Problemen und weil das Ior weder Bankstatus hat noch Bilanzen veröffentlicht, entspricht der Finanzarm nicht den OECD-Transparenzregeln. Der Ex-Santander-Banker Ettore Gotti Tedeschi, der seit Herbst 2009 an der Spitze des Ior steht und immer wieder zum OECD nach Paris reist, soll das Institut in der Finanzwelt hoffähig machen. Die Regeln sind der erste Schritt dorthin.

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