Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.02.2006

16:02 Uhr

Kamps & Co. sollen Neukunden ködern

Sparkassen locken mit Kaffee-Shops

VonGregory Lipinsky

Geldgeschäfte abwickeln und gleichzeitig Kaffee und Brötchen in der Schalterhalle kaufen – dieses Bild könnte möglicherweise bald in vielen Sparkassen zum Alltag gehören.

HAMBURG. Denn die Berliner Sparkasse sowie die Stadtsparkasse Düsseldorf testen derzeit mit dem Düsseldorfer Großbäcker Kamps und dem Hamburger Kaffeeröster Tchibo ein neuartiges Shop-in-Shop-Konzept, das in ihren Filialen den Verkauf von Lebensmitteln und Getränken vorsieht.

Damit betreten die Sparkassen Neuland: „Es handelt sich hierbei bislang um Experimente einiger Sparkassen“, erklärt dazu ein Verbandssprecher. Doch die Stoßrichtung ist klar: Die Institute gehen mit dem Angebot in ihren Schalterhallen auf Kundenfang und wollen Kosten senken. Nicht zuletzt gilt es, die Kundenfrequenz in den Zweigstellen zu erhöhen, weil die Mitarbeiter die Stammkunden durch Online-Banking und bargeldlosen Zahlungsverkehr immer seltener zu Gesicht bekommen.

Die Berliner Sparkasse hat daher in einem ihrer Privatkundencenter einen 70 Quadratmeter großen Backshop eröffnet. Partner ist hier der Hamburger Kaffeeröster Tchibo. „Wir wollen hierdurch neue Kunden gewinnen“, sagt eine Sprecherin der Sparkasse. Sollte das Konzept aufgehen, sollen weitere Filialen mit Kaffee-Shops ausgerüstet werden. Die Berliner Sparkasse verfügt über 184 Filialen. Die Düsseldorfer Sparkasse hat bereits Ende 2005 eine Filiale mit einem Kamps-Shop ausgerüstet. Eine zweite Filiale soll demnächst folgen. „Wir wollen mit Kamps unsere Präsenz beim Kunden verstärken“, begründet ein Institutssprecher die Idee. In Branchenkreisen heißt es jedoch dazu, dass die Rheinländer dabei vor allem die Betriebskosten ihrer Filialen drücken wollen.

Derweil treibt auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) Shop-in-Shop-Pläne voran. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir Kaffee- und Brötchen in unseren Filialen verkaufen. Wir haben aber noch keinen geeigneten Partner gefunden“, sagte ein Haspa-Sprecher.

Gerade die Sparkassen sind durch die Direktbanken gezwungen, im Vertrieb neue Wege zu gehen. Denn sie haben in den vergangenen Jahren viele Kunden bei Ratenkrediten und der Baufinanzierung an die Konkurrenz verloren, die sie jetzt zurückgewinnen wollen. „Die Sparkassen versuchen, den Kontakt zu den Kunden wieder verstärkt aufzunehmen“, so ein Verbandsexperte.

Eine andere Stoßrichtung haben da die Überlegungen der Volksbank Hannover. „Vor allem durch das Online-Banking kommen immer weniger Kunden in unsere Filialen. Wir überlegen deshalb, ein solches Shop-in-Shop umzusetzen“, sagt Hermann Mehrens, Vorstandssprecher der fünftgrößten Volksbank in Deutschland.

Dennoch warnt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vor den Kaffee-Shops: „Es muss gewährleistet sein, dass bei Kundengesprächen die Vertraulichkeit gewahrt bleibt“, so ein Sprecher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×