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06.04.2011

11:36 Uhr

Kapitalerhöhung angekündigt

Commerzbank zahlt den Staat aus

Die Commerzbank will schon bis Juni mehr als 14 Milliarden Euro an Staatshilfen zurückzahlen. Dafür besorgt sich das Institut über verschiedene Wege Geld. Die Aktionäre sollen zustimmen, dabei bleiben viele Fragen offen.

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Staatshilfe zurückzahlen. Quelle: dpa

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Staatshilfe zurückzahlen.

Frankfurt Die Commerzbank will innerhalb von drei Monaten den Löwenanteil ihrer Staatshilfen zurückzahlen. Für diesen Befreiungsschlag will das von der Finanzkrise gebeutelte Institut auch mehrere Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Bis Ende Juni sollen rund 14,3 Milliarden der 16,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen getilgt werden, teilte die Commerzbank am Mittwoch mit. "Wir halten also unser Versprechen, die temporäre Unterstützung des Bundes so schnell wie möglich zurückzuzahlen", sagte Vorstandschef Martin Blessing. "Das ist der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen."

Neben der Kapitalerhöhung sollen weitere Stille Einlagen des Bankenrettungsfonds Soffin in Commerzbank-Aktien gewandelt und überschüssiges Kapital zurückgezahlt werden. Der Rest der Hilfen soll bis spätestens 2014 abgelöst werden. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aktie zog nach anfänglichen Verlusten um drei Prozent auf 5,75 Euro an. Die Bank befreie sich von einer großen Last, sagten Händler.

Die Commerzbank hatte in der Finanzkrise 18,2 Milliarden Euro vom Soffin gebraucht, um die Übernahme der Dresdner Bank zu bewältigen. Noch immer hängen zahlreiche deutsche Institute, allen voran die Hypo Real Estate und die WestLB, am Tropf des Steuerzahlers. Die Rückzahlung der Hilfen gestaltet sich hierzulande schwieriger als etwa in den USA, wo der Staat nicht über Stille Einlagen, sondern mit der Übernahme von Aktien als Retter eingesprungen war - und mit Gewinn wieder ausgestiegen ist. "Wir werden alles tun, dass der Bund mit seinen Aktien per saldo Gewinn erzielt", sagte Blessing.

Der nun geplante Schritt der Commerzbank - mit Rückenwind aus einem guten Jahresstart - kommt deutlich schneller und fällt größer aus als erwartet. Bislang hatte Blessing für 2011 nur die Rückzahlung von 1,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Doch locken den seit 2009 finanziell kurzgehaltenen Vorstand Boni, die die Commerzbank nur dann zahlen darf, wenn sie mehr als die Hälfte der Staatshilfen zurückgegeben hat. Die Zinsen auf die Einlagen blockieren auch eine Dividende: Nun könnten die Aktionäre schon für das Jahr 2012 wieder mit einer Ausschüttung rechnen, erklärte Blessing.

Die Geschäfte laufen nach den Worten von Finanzchef Eric Strutz gut. "Wir liegen über unseren Planungen." 2011 werde das Ergebnis über den 1,4 Milliarden Euro des vergangenen Jahres liegen, bekräftigte er. 2012 sollen operativ mindestens vier Milliarden Euro zu Buche stehen.

Den ersten Teil ihres Maßnahmenbündels geht die Commerzbank sofort an: Bis zum 13. April sollen alte und potenzielle neue Aktionäre eine Pflichtwandelanleihe im Volumen von 2,6 bis 3,4 Milliarden Euro zeichnen können, die nach der Hauptversammlung in Aktien getauscht wird. Die Einnahmen fließen dem Soffin zu.

Kommentare (4)

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SeriousSam

06.04.2011, 09:56 Uhr

Als Zinssatz für den Bail-Out via Steuergeldern war 9% vereinbart. Das sind rund 1,6 Milliarden pro Jahr. In Summe also fast 5 Milliarden. Die Commerzbank will aber nur 1,03 Milliarden zahlen, unter der Aussage "Dem Steuerzahler soll auch kein Schaden entstehen". Das ist eine Unverschämtheit sondergleichen.

Und dass Herr Flossbach das auch noch bejubelt, sagt viel über seine Prioritäten (die Interessen der Steuerzahler sind es offenbar nicht). Herr Schäuble muss hier auf eien deutlich höhere Zahlung bestehen.

immerdasgleiche

06.04.2011, 10:28 Uhr

Würde mich mal inteessieren wie viele Millionen an Spendengeldern da wieder in die Politik geflossen sind. Der Bürger wird hier nur noch verraten u. für einen Appel u. ein Ei verkauft. Letztlich geht es im Kern doch nur darum nach der Rückzahlung die Boni u. Gehälter der Vorstandsebene wieder kräftig nach oben zu korrigieren. Spätestens wenn die nächste Welle des Weltweiten Finanzcrashs auf unsere Banken zurollt wird der Steuerzahler wieder voll in die Haftung genommmen werden. Bis dahin werden von den Manager der Bankhäuser weiterhin fleißig undurchsichtige halbseidene Finanzprodukte aufgelegt, welche die toxischen Risiken der Banken auf Kosten ihrer Kunden weiter "Privatisieren" sollen!

Iceman3

06.04.2011, 15:49 Uhr

"Ich glaube, damit hat der Steuerzahler einen Gewinn gemacht", sagt Blessing. - Ich sage: Betrug am Steuerzahler. Anstelle regulärer Zinsen erhält der Staat eine Einmalzahlung. Rechnet man die auf die Laufzeit von 2,5 Jahren um, sind dies etwa 2,5% Zinsen. Und das für echtes Risikokapital! Herr Blessing: Halten Sie uns für dumm, oder können Sie nicht rechnen? Steuerzahler, dürfen nur für Verluste aufkommen. Und der Vorstand, der alles verschuldet hat, erhält in Kürze wieder die gewohnten Boni .... - und die Regierungsparteien klopfen sich selbst dafür auf die Schulter.

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