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13.01.2010

07:03 Uhr

Kapitalerhöhung

Banken sahnen bei Conti kräftig ab

VonHans G. Nagl

Die in der vergangenen Woche gestartete Kapitalerhöhung bei Continental lässt gleich zu Beginn des Jahres die Kasse bei den beteiligten Investmentbanken klingeln. Die sechs beteiligten Konsortialbanken streichen mit mehr als vier Prozent des Erlöses durch die Platzierung deutlich mehr als üblich ein. Die von Goldman Sachs geforderten hohen Gebühren für die Kapitalerhöhung spalten die Branche.

Conti-Zentrale in Frankfurt. Bei der Kapitalerhöhung des Reiferherstellers verdienen die Banken kräftig. ap

Conti-Zentrale in Frankfurt. Bei der Kapitalerhöhung des Reiferherstellers verdienen die Banken kräftig.

FRANKFURT. Laut Emissionsprospekt streichen die sechs Konsortialbanken inklusive Erfolgshonoraren bis zu 49,5 Mio. Euro an Gebühren ein. Die Prämie entspricht gut vier Prozent des Erlöses aus der 1,1 Mrd. Euro schweren Platzierung und ist damit etwa doppelt so hoch wie bei einer klassischen Kapitalerhöhung. Allerdings hatten die Banken auf Initiative von Goldman Sachs auch das Platzierungsrisiko übernommen, was grundsätzlich eine höhere Vergütung nach sich zieht. Knapp drei Viertel davon entfallen auf die drei federführenden Banken des Konsortiums: Goldman, Deutsche Bank und J.P. Morgan. Mit an Bord waren zudem HSBC, Calyon und BNP Paribas.

Überraschungscoup zu Jahresbeginn

Conti hatte in der vergangenen Woche überraschend früh die Kapitalmaßnahme verkündet. Vorausgegangen war ein monatelanger Disput: Der Autozulieferer aus Hannover brauchte die Mittel, um seine Refinanzierung zu sichern. Der 90-Prozent-Eigentümer Schaeffler, der Conti 2008 feindlich übernommen hatte, wollte hingegen unter allen Umständen sicherstellen, dass trotz der Ausgabe frischer Aktien sein Anteil nicht unter 75 Prozent fällt. Gleichzeitig sollte mindestens eine Mrd. Euro erlöst werden, weil die Conti-Banken nur dann bereit waren, auslaufende Milliardenkredite zu verlängern.

Das von der Deutschen Bank und J.P. Morgan erarbeitete Konzept hatte keinen Garantieerlös vorgesehen. Goldman, ursprünglich nur in zweiter Reihe beteiligt, schlug Schaeffler über Weihnachten im Alleingang den Garantie-Deal vor – und düpierte damit die anderen Institute. Bei Schaeffler fühlt man sich indes trotz höherer Gebühren keineswegs über den Tisch gezogen. „Wir sind sehr zufrieden mit der Transaktion“, bekräftigte ein Sprecher von Schaeffler am Dienstag. Die drei Institute äußerten sich nicht.

„Profitiert hat vor allem Goldman“

Garantiert wurden die neuen Aktien zu je 35 Euro. Am Dienstag konnten die Institute einen Restanteil zum Preis von 40 Euro je Stück platzieren. Top-Banker verweisen darauf, dass der Kurs in der vergangenen Woche mehr als ein Fünftel auf bis zu 48 Euro zugelegt hat. „Goldman hat den Schaefflers an den anderen Banken vorbei eingeredet, dass es ein Platzierungsrisiko gibt“, sagt der Deutschland-Chef einer nicht beteiligten Investmentbank. „Am Ende hat man es in Herzogenaurach geglaubt.“ Man habe sich für die todsichere Variante entschieden. Damit seien aber Millionen auf der Straße liegen gelassen worden. „Gewonnen hat hier vor allem Goldman“, hieß es.

Ärger bei den Investoren

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Das US-Haus hatte das Risiko nur kurz in den Büchern. Es wurde binnen weniger Stunden überwiegend an eine Handvoll Investoren weitergereicht – und war damit für die Bank relativ gering. Allerdings gingen viele interessierte Großanleger durch die Entscheidung für eine Privatplatzierung leer aus. Drei Insider bestätigten, dass dies zu massivem Unmut auf der Investorenseite führte. „Da gibt es eine Menge böses Blut“, hieß es. „Manche haben angekündigt, als Reaktion ihre Handelsumsätze bei Goldman zurückzuschrauben“, sagte ein anderer Banker. Offen ist, ob bei insgesamt nur 31 Mio. verkauften Aktien viele Interessenten nicht ohnehin leer ausgegangen wären.

Außer Frage steht indes, dass sich die anderen Banken im Konsortium von Goldman hintergangen fühlen. „So etwas hat man noch nicht erlebt“, hieß es. Allerdings: Wieso weder J.P. Morgan noch Deutsche Bank zu der Garantie-Lösung bereit waren, kann niemand richtig erklären – auch nicht im Konsortium. „Vielleicht war man nicht clever genug“, sagt ein Beobachter.

Verdient haben am Ende alle

Selbst Konsortiumsmitglieder müssen zudem einräumen, dass man bei Schaeffler die beiden Konzepte und die damit verbundenen Gebühren kannte. „Schaeffler war extrem risikoavers“, sagt ein Beteiligter. „Man wollte Transaktionssicherheit um jeden Preis.“ Und bei allem Unmut über das Vorgehen von Goldman: In Sachen Vergütung wollte dann offenbar doch keines der beteiligten Häuser Konsequenzen ziehen. „Die ausgehandelte Gebührenstruktur gilt nämlich für alle“, heißt es in der Branche.

Das Restrisiko

Von den Banken garantierte Kapitalerhöhungen sind keineswegs immer ein Selbstläufer. Dies gilt nur, wenn der Kurs wie im Fall von Conti zumindest stabil bleibt. Schmiert er ab, trägt die Bank das Risiko. 2006 verbrannte sich Branchenkreisen zufolge unter anderem die Citigroup die Finger, als es um eine Kapitalerhöhung der Infineon-Tochter Qimonda ging. Angeblich entstand damals ein Verlust im dreistelligen Millionenbereich.

Kommentare (1)

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Tom

13.01.2010, 08:37 Uhr

ich habe einen kleinen mann im ohr,
der sagt mir pleitewelle vor.

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