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13.03.2013

15:57 Uhr

Kapitalerhöhung

Commerzbank will den Staat rausschmeißen

VonJörg Hackhausen, Sebastian Ertinger

Die Commerzbank plant eine Kapitalerhöhung. Damit will sie den Staat ausbezahlen und das Kernkapital aufbessern. Zudem will Bankchef Blessing den Investoren wieder eine Dividende zahlen. Doch die Aktie stürzt ab.

Das Logo der Commerzbank am "Gallileo-Hochhaus" in Frankfurt. Die Bank plant eine weitere Kapitalerhöhung. dpa

Das Logo der Commerzbank am "Gallileo-Hochhaus" in Frankfurt. Die Bank plant eine weitere Kapitalerhöhung.

Martin Blessing kann die Witze nicht mehr hören. Im Bankenverband lästern sie über ihr zweitgrößtes Mitglied, das ja eigentlich dort nichts zu suchen habe, weil es zu einem Viertel keine Privat- sondern eine Staatsbank sei. Und auf einer Tagung der Sparkassen frotzelte kürzlich ein Vorstand: „Die Commerzbank hat das Trennbankensystem schon vollzogen: Hier Staatsbank, dort der Rest.“

Damit soll Schluss sein. Blessing will den Staat loswerden. Der Schritt, der dazu nötig ist, schmerzt allerdings: Mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung plant die Bank, die Stillen Einlagen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) über rund 1,6 Milliarden Euro sowie der Allianz über 750 Millionen Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Die Kapitalerhöhung mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro soll von der Hauptversammlung der Commerzbank beschlossen werden, die auf den 19. April 2013 vorgezogen wird. Die Anleger reagierten schockiert.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

„Die staatliche Unterstützung war immer als temporäre Lösung gedacht“, betonte Bankchef Martin Blessing in einer Telefonkonferenz. „Für uns ist der heutige Tag ein Wendepunkt. Jetzt sind wir eine ganz normale Bank, die einen größeren Aktionär hat.“ Zugleich bedankte er sich ausdrücklich für „die Unterstützung seitens der Politik und des Steuerzahlers.“ Das Kreditinstitut war 2008 während der Finanzkrise unter den Banken-Rettungsschirm geflüchtet.

Nach Durchführung der Transaktion wird der Anteil des Soffin voraussichtlich unter 20 Prozent von derzeit 25 Prozent sinken. Der Staat hat dann keine Sperrminorität mehr. Bislang konnte der Bund bei wichtigen Entscheidungen sein Veto einlegen.

Commerzbank: Union und Grüne halten „zeitnahen“ Rückzug für möglich

Commerzbank

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In Berlin kommt die Kapitalerhöhung gut an. Die Politik drängt auf eine Privatisierung.

Die Bundesregierung begrüßte den angekündigten Schritt. „Es ist erfreulich, dass die Commerzbank sich im Hinblick auf die zu erwartenden Anforderungen von Basel III am Kapitalmarkt langfristig anrechenbares Kernkapital beschafft“, erklärte das Bundesfinanzministerium in Berlin. „Mit dieser Rückzahlung und durch den infolge der Kapitalmaßnahme verringerten Aktienanteil des Bundes wird nachvollziehbar, aber marktschonend der Einstieg in den Ausstieg vollzogen.“ Dies sei ein wichtiger Schritt, um neue Investorenkreise zu gewinnen und das Vertrauen in das Geschäftsmodell der Commerzbank weiter zu stärken.

Kommentare (28)

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AchDuSchreck

13.03.2013, 12:33 Uhr

Diese Bank gehört endlich abgewickelt. Ich habe sowohl Aktien als auch Erfahrung mit der "Beratung" der Coba Mitarbeiter.Beides ist eine Katastrophe.

tetsuo

13.03.2013, 12:46 Uhr

Wer immernoch Com-Bank Aktien hält, dem ist nicht zu helfen. Lieber ins Casino gehen, Spezialist.

Michael

13.03.2013, 12:51 Uhr

Jou, wenn der gute Herr Blessing nicht sehr bald liefert, und zwar Zahlen in dunkel-schwarz, wird es über kurz oder lang um ihn geschehen sein.
Immer nur den Aktionären in die Tasche greifen, das geht nicht auf Dauer gut.

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