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21.03.2017

14:08 Uhr

Kapitalerhöhung der Deutschen Bank

Was Aktionäre und Anleger jetzt wissen müssen

VonPeter Köhler, Yasmin Osman

Die Deutsche Bank hat den Startschuss für ihre acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung gegeben. Was bedeutet das für Anleger und wieso geht die Bank überhaupt diesen Schritt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit einer Kapitalerhöhung will die Deutsche Bank ihre Strategie vorantreiben. dpa

Logo von Deutscher Bank und Postbank

Mit einer Kapitalerhöhung will die Deutsche Bank ihre Strategie vorantreiben.

FrankfurtDie Deutsche Bank hat am Dienstag den Startschuss für eine Kapitalerhöhung gegeben, die dem Kreditinstitut acht Milliarden Euro in die Kassen spülen soll. Für Anleger stellt sich nun die Frage, wie sie reagieren sollen. Zehn Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Warum macht die Deutsche Bank überhaupt eine Kapitalerhöhung?

Das Kreditinstitut ist knapp bei Kasse. Rechtsstreitigkeiten haben die Bank im vergangenen Jahr wieder Milliarden gekostet. Außerdem verlangen die Behörden von Banken immer üppigere Kapitalpolster, damit im Falle einer Schieflage nicht sofort wieder die Steuerzahler einspringen müssen. All das machte die Kapitaldecke der Deutschen Bank zu einer Art Dauerbrenner-Thema unter Finanzprofis und Investoren: Das Finanzpolster der Deutschen Bank galt vielen bislang alles zu knapp bemessen. Mit einer großen Kapitalspritze will das Kreditinstitut nun endlich jeden Zweifel an seiner Stabilität und Stärke beseitigen. Insgesamt platziert die Deutsche Bank 687,5 Millionen Aktien zu 11,65 Euro.

2. Was bedeutet eine Kapitalerhöhung für Anleger?

Die bisherigen Aktien der Deutschen Bank verlieren dadurch an Wert. Der Grund: Die Zahl der Aktien wächst durch die Kapitalerhöhung um etwa 50 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Gewinne, die die Bank künftig ausschütten wird, auf mehr Aktien verteilen als bisher. Im Fachjargon sagt man: Die bisherigen Aktionäre beziehungsweise deren Anteile am Unternehmen werden „verwässert“ - und natürlich auch der Gewinn pro Aktie. Vermeiden lässt sich diese Verwässerung nur dann, wenn bestehende Aktionäre bei der Kapitalerhöhung mitmachen, also selbst auch junge Aktien kaufen. Das bedeutet allerdings auch: Um ihren Anteil an der Deutschen Bank stabil zu halten, müssten Altaktionäre noch einmal Geld in das Unternehmen pumpen, denn die jungen Aktien kosten schließlich etwas.

Großaktionäre der Deutschen Bank

Platz 7

Goldman Sachs: 2,65 Prozent

(Quelle: Bloomberg)

Platz 6

Bank of America: 2,77 Prozent

Platz 5

Deutsche Bank: 2,92 Prozent

Platz 4

Supreme Universial Holding: 3,05 Prozent

Platz 3

Paramount Services Holding: 3,05 Prozent

Platz 2

HNA: 4,76 Prozent

Platz 1

Blackrock: 6,07 Prozent

3. Wie kann man bei der Kapitalerhöhung mitmachen?

Wenn man schon Aktionär der Deutschen Bank ist, dann wurden bereits automatisch sogenannte Bezugsrechte ins Depot gebucht. Bezugsrechte sind eine Art Gutschein, für den man Aktien erwerben kann. Für jede Deutsche-Bank-Aktie erhielten Anleger am Montag ein Bezugsrecht ins Depot gebucht. In diesem Fall berechtigen zwei Bezugsrechte zum Kauf einer neuen Aktie aus der Kapitalerhöhung. Wer 100 Aktien besitzt, erhielt also 100 Bezugsrechte, mit denen man an 50 neue Aktien kommt. Gratis gibt es die neuen Aktien natürlich nicht: Pro Anteilsschein sind 11,65 Euro zu zahlen. Wer das nicht will, kann seine Bezugsrechte auch an der Börse an einstiegswillige Anleger verkaufen. Sie werden bis zum 4. April ganz normal an der Börse als eigenständiges Wertpapier (WKN A2E418) gehandelt. Noch einfacher: Man kauft sich einfach eine der alten Aktien. Der Preis für zwei Bezugsrechte plus 11,65 Euro für die Aktie entspricht in etwa dem Preis für eine der alten Aktien. Profis schaffen es zwar, winzige Preisdifferenzen zwischen beiden Optionen auszunutzen, es ist aber keine Strategie, die sich für normale Privatanleger anbietet. Dazu sind diese Differenzen in der Regel zu klein.

4. Macht es einen Unterschied, ob ich ein Bezugsrecht oder direkt eine Aktie kaufe?

Das hängt von der Gebührenordnung Ihrer Bank ab, aber die Gefahr ist groß, dass man zweimal Gebühren berappen muss, wenn man durch den Kauf von Bezugsrechten bei der Deutschen Bank neu einsteigt. Wir haben uns stellvertretend einmal bei der Direktbank Comdirect erkundigt: Wenn man über die Börse Bezugsrechte kauft, dann zahlt man Gebühren wie bei einer normalen Börsenorder auch. Danach muss man seiner Bank auch noch die Weisung erteilen, die Bezugsrechte auszuüben und neue Aktien damit zu kaufen.

5. Was ist, wenn ich nicht an der Kapitalerhöhung teilnehmen will?

Bezugsrechte kann man verkaufen. Am Dienstagvormittag lag ihr Kurs bei 2,03 Euro, für 100 Bezugsrechte gab es also 203 Euro. Wenn man seiner Bank keine Anweisung gibt, dann werden die Bezugsrechte am Ende der Bezugsfrist automatisch verkauft zu dem dann gültigen Preis. Die Folge eines Verkaufs: Die Beteiligung des Anlegers an der Deutschen Bank wird verwässert. Das heißt, seine Beteiligung am Geldhaus verringert sich. Beim Verkauf der Bezugsrechte fallen übrigens ebenfalls Orderentgelte an, bei der Comdirect allerdings erst ab einem Volumen von 25 Euro.

6. Welche Optionen haben die Aktionäre also?

Sie können bei der Kapitalerhöhung voll mitziehen, sie können die Bezugsrechte verkaufen – und sie können beide Strategien mischen. Bei der „Operation blanche“ verkauft der Aktionär so viele Bezugsrechte, dass er mit deren Erlös die restlichen ihm verbliebenen Bezugsrechte ausüben kann und er dadurch neue Aktien ohne weiteren Kapitaleinsatz erhält. Beispielsweise kann man von 100 Bezugsrechten 74 solcher Anteile für 2,03 Euro verkaufen, man erlöst gut 150 Euro. Mit den restlichen 26 Bezugsrechten kauft der Anleger 13 Aktien für 11,65 Euro, entsprechend einem Gesamtpreis von rund 151 Euro.

7. Bis wann muss man sich entscheiden?

Der Bezugsrechtehandel läuft bis zum 4. April, danach wird die Kapitalerhöhung technisch abgeschlossen. Der Handel mit den neuen Aktien startet dann voraussichtlich am 7. April.

8. Ab wann bekomme ich für meine Aktien eine Dividende?

Die Deutsche Bank hat angekündigt, dass sie die Besitzer der jungen Aktien schon bei der Hauptversammlung im Mai bei der Dividende voll berücksichtigen will. Je Aktie soll es eine Ausschüttung in Höhe von 0,19 Euro geben. Das entspricht der gesetzlichen Mindestdividende für die Geschäftsjahre 2015 und 2016. Für das nächste Geschäftsjahr hat die Bank eine Dividende von 0,11 Euro in Aussicht gestellt. Die wird aber nur gezahlt, wenn die Bank tatsächlich nach dem deutschen Bilanzstandard HGB einen ausreichenden Gewinn ausweisen wird.

9. Wann besitze ich die neuen Aktien?

Die im Rahmen der Kapitalerhöhung bezogenen Aktien werden voraussichtlich am 7. April 2017 geliefert. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt erhalten die Kunden eine Kaufabrechnung zum Preis von 11,65 Euro. Der Gegenwert wird dann dem Konto belastet.

10. Was denken Analysten im Moment über die Deutsche Bank?

Die Resonanz könnte besser sein: Der Datendienstleister Bloomberg listet derzeit nur zwei Kaufempfehlungen auf. Zum Verkauf raten dagegen 15 Analysten, zwölf weitere empfehlen, die Aktie zu halten.

Kommentare (6)

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Herr Peter Kastner

21.03.2017, 14:39 Uhr

Als Aktionär ist man bei der Deutschen Bank ja echt der Dumme...

Frau Edelgard Kah

21.03.2017, 14:54 Uhr

Bei Ihrem Punkt 2 "Was bedeutet eine Kapitalerhöhung für Aktionäre" haben Sie sich missverständlich ausgedrückt.

Sie schreiben zunächst ganz richtig, dass sich bei einer Kapitalerhöhung die Gewinne auf mehr Aktien verteilen als bisher. Aber dann kommt der Satz: "Die BISHERIGEN Aktien werden verwässert"

Wirklich? Ich meine, ALLE Aktien werden verwässert. ALLE sind wirklich ausnahmslos Alle. Diejenigen, die ich bislang schon besaß, die ich im Rahmen der Kapitalerhöhung zukaufe und selbst diejenigen, die ich vielleicht erst in 10 Jahren zukaufen werde. Bei jedem einzelnen Papier ist durch die Kapitalerhöhung der Gewinn je Aktie geringer.

Herr Old Harold

21.03.2017, 15:59 Uhr

Wer nach der Ankündigung von Trump, die Zügel, welche die Politik nach der Finanzkrise den Banken auferlegt hat, wieder zu lockern, noch in Finanztitel investiert, hat sein Geld entweder geerbt, bei einem Scheidungsprozess zugesprochen bekommen, oder im Lotto gewonnen.

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