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24.06.2013

10:58 Uhr

Kapitalerhöhung

Erste Group senkt Gewinnprognose

Über eine Kapitalerhöhung will das österreichische Geldinstitut Erste Group einen Milliardenbetrag auszahlen. Für 2013 erwartet die Bank mit einem Gewinnrückgang. An der Börse gaben die Erste-Aktien heute nach.

Ist die österreichische Bank gesund genug? Reuters

Ist die österreichische Bank gesund genug?

FrankfurtDie österreichische Erste Group hat angesichts ihres nur mühsam vorankommenden Sparprogramms und der mauen Wachstumsaussichten in Osteuropa ihre Gewinnprognose gesenkt. Das Betriebsergebnis werde im laufenden Jahr um bis zu fünf Prozent schrumpfen und nicht wie angekündigt stabil bei rund 3,5 Milliarden Euro bleiben, teilte die Bank am Montag mit. Trotz der schlechteren Aussichten will das Sparkassenspitzeninstitut im dritten Quartal mit einer rund 660 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung neue Investoren anlocken. Das Geld soll der Bank dabei helfen, die in der Krise erhaltenen Hilfen vom Staat und Privatinvestoren von insgesamt 1,76 Milliarden Euro ebenfalls noch im Sommerquartal zurückzuzahlen. An der Börse gaben die Erste-Aktien daraufhin knapp sieben Prozent nach.

Die Erste Group erklärte die maueren Aussichten mit dem verhaltenen Wirtschaftswachstum in Zentral- und Osteuropa. Zwar werde die Konjunktur dort in der zweiten Jahreshälfte anspringen - die Wachstumsraten würden jedoch "moderat bleiben", hieß es in der Mitteilung. Die geringeren Erträge könnten aber nur teilweise durch niedrigere Kosten aufgefangen werden.

Das Sparkassenspitzeninstitut ist nach den Konkurrentinnen Bank Austria und Raiffeisen Bank International der drittgrößte Kreditgeber in Osteuropa. Bereits vor Monaten hatte die Bank ein konzernübergreifendes Sparprogramm gestartet: In Rumänien etwa würden tausende Jobs gestrichen, bei der tschechischen Tochter Ceska Sporitelna sind es bis zu 600.

Mit den geplanten Kapitalmaßnahmen will die Erste Group bis Ende 2014 unter Berücksichtigung der neuen Vorschriften nach Basel 3 auf eine harte Kernkapitalquote von zehn Prozent kommen. Ende März lag sie bei 9,6 Prozent - allerdings ohne die Basel-3-Regeln voll zu berücksichtigen. Dabei helfen soll neben der Kapitalerhöhung auch das Ende der Dividendenzahlungen für die Hilfen vom Staat und privaten Geldgebern (Partizipationskapital). Dadurch spart sich das Institut im kommenden Jahr 149 Millionen Euro und 2015 einen Betrag von 158 Millionen Euro nach Steuern, der in den Folgejahren weiter ansteigen würde.

Allerdings muss die Erste Group in den kommenden Jahren auch einige negative Effekte verdauen: Die Umstellung auf die neuen Basel-3-Vorschriften kostet etwa 30 Basispunkte. Hinzu kommen neue Rechnungslegungsvorschriften in Rumänien, die die harte Kernkapitalquote 2015 um rund 40 Basispunkte schmälern.

Konzernchef Andreas Treichl hatte Ende April bereits angekündigt, das Partizipationskapital „bald” zurückzuzahlen und nach Möglichkeiten zu suchen, dafür an anderer Stelle Gelder einzusammeln. Eine Kapitalerhöhung hatte er damals allerdings ausgeschlossen. Ob es nun dazu komme sei „abhängig vom Marktumfeld und der Genehmigung von Vorstand und Aufsichtsrat”, hieß es in der Mitteilung. Durchgeführt wird die Transaktion von J.P. Morgan, Morgan Stanley und der Erste Group.

Kepler-Chevreux-Analyst Dirk Becker begründete den Meinungswechsel mit einer Auflage der Oesterreichischen Nationalbank. Diese habe gefordert, dass zumindest ein Drittel des zurückgezahlten Partizipationskapitals ersetzt werde. "Wir sind enttäuscht, dass die Rückzahlung des Partizipationskapitals nicht wie vom Management versprochen ohne Aktienemission erfolgen kann", schrieb der Analyst. "Aber wir sehen ein, dass das auf Verlangen des Regulierers geschehen musste." Die Erste Group wollte sich nicht dazu äußern.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Wie viele andere Banken hatte das Sparkasseninstitut die Hilfsgelder in der Finanzkrise erhalten. Rund 1,2 Milliarden Euro davon stammen vom Staat, die restlichen 559 Millionen Euro haben Privatinvestoren gezeichnet. Neben den Krisenbanken Hypo Alpe Adria und Kommunalkredit hatte auch die Erste-Konkurrentin Raiffeisen Bank International (RBI) in der Krise auf staatliche Gelder zurückgegriffen. Auch sie erwägt seit Monaten eine Kapitalerhöhung, um die Rückzahlung der milliardenschweren Hilfen zu bewerkstelligen.

Die Ankündigung der Erste Group schürte am Markt Spekulationen, RBI könnte unter ihrem neuen Chef Karl Sevelda bald mit einem ähnlichen Schritt folgen. Die Raiffeisen-Aktie verlor deshalb knapp vier Prozent an Wert. Ein Sprecher sagte, eine Kapitalerhöhung sei für die RBI weiterhin eine mögliche Option. Sie hatte in der Krise 2,5 Milliarden Euro an Hilfen erhalten, 1,75 Milliarden davon vom Staat.

Von

rtr

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