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07.01.2010

17:44 Uhr

Kapitalerhöhung

Unicredit besorgt sich Milliarden

VonKatharina Kort, Hans G. Nagl

Die italienische Großbank erhöht ihr Kapital um vier Milliarden Euro und bietet den Investoren einen Abschlag von 29 Prozent. Die Kernkapitalquote soll deutlich steigen. Die Investoren reagierten positiv auf die Nachricht und trieben den Kurs der Unicredit-Aktie am Donnerstag deutlich nach oben. Deutsche Banken zieren sich unterdessen bei der Ausgabe neuer Aktien.

Unicredit holt sich vier Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung. ap

Unicredit holt sich vier Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung.

MAILAND/FRANKFURT. Unicredit erhöht ihr Kapital um vier Milliarden Euro. Die italienische Großbank gewährt ihren Aktionären dabei einen Nachlass von rund 29 Prozent auf den Börsen-Schlusskurs vom Mittwoch, beschloss der Verwaltungsrat am Donnerstag.

Unicredit will mit der milliardenschweren Kapitalerhöhung höheren Anforderungen der Regulierer an die Kapitalisierung nachkommen. Unicredit-Vorstandsvorsitzender Alessandro Profumo hatte Ende vergangenen Jahres gesagt, es sei zwar schwer, die Veränderungen im Detail vorauszusehen. Mit der Kapitalerhöhung "sind wir aber sicher, dass wir gut für eventuelle Regulierungen positioniert sind", sagte Profumo. Die Kapitaldecke der italienischen Bank war im weltweiten Vergleich dünn geworden, da viele Banken ihre Kernkapitalquote mit Staatsgeld aufbesserten.

Mit der Kapitalerhöhung vermeidet Unicredit, auf Hilfe der italienischen Regierung zurückgreifen zu müssen. Ursprünglich wollte die Bank Staatshilfen in Höhe von vier Milliarden Euro in Anspruch nehmen, rund die Hälfte davon in Österreich über die Tochter Bank Austria. Bei den italienischen Staatshilfen, den nach dem Finanzminister Giulio Tremonti benannten Tremonti-Bonds, handelte es sich um Wandelanleihen der Banken, die der Staat gezeichnet hätte. Da die Bank diese Anleihen zu einem späteren Zeitpunkt auf eigenen Wunsch hätte in Aktien wandeln können, hätten die Papiere als Eigenkapital gezählt. Mit bis zu 8,5 Prozent Verzinsung waren die Tremonti-Bonds angesichts des insgesamt niedrigen Zinsniveaus allerdings recht teuer und außerdem an Bedingungen bei der Kreditvergabe gebunden.

Ende September hatte Unicredit daher ebenso wie der Hauptkonkurrent Intesa Sanpaolo auf die staatlichen Hilfen verzichtet und beschlossen, sich das Kapital am Markt zu besorgen.

Kapitalerhöhungen sind für Banken in den meisten Fällen billiger als Staatshilfen

Die Kapitalerhöhung von Unicredit fällt in eine Zeit, in der die Banken weltweit versuchen, sich dem Einfluss des Staates wieder zu entziehen. So haben in den USA, bereits ein Jahr nachdem das Finanzsystem fast vor dem Zusammenbruch stand, allein die großen Finanzinstitute Staatshilfen in Höhe von insgesamt 161 Milliarden Dollar zurückgezahlt. Viele finanzierten das durch Kapitalerhöhungen, die angesichts des besseren Marktumfelds wieder möglich und meist günstiger als die Staatshilfen sind. Auch in Frankreich haben alle betroffenen Banken mit Ausnahme der genossenschaftlichen Gruppe BPCE die Staatshilfen bereits zurückgezahlt; insgesamt flossen so 13 Milliarden Euro und 1,2 Milliarden an Zinsen an den Staat zurück.

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