Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2012

10:00 Uhr

Kapitallücke

Wie die Commerzbank ohne Staatshilfen auskommen will

VonSven Afhüppe, Frank Matthias Drost, Yasmin Osman, Robert Landgraf

ExklusivKeine Staatshilfe, keine Kapitalerhöhung. Allein der Markt soll nach Handelsblatt-Informationen das Milliarden-Loch der Commerzbank schließen. Doch die recht eigenwilligen Pläne von Chef Blessing stoßen auch auf Skepsis.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Das Institut will sich ohne Hilfe des Staates Milliarden Euro frisches Kapital beschaffen. dapd

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Das Institut will sich ohne Hilfe des Staates Milliarden Euro frisches Kapital beschaffen.

FrankfurtMartin Blessing ist kein Mann der leisen Töne. Der Vorstandschef der Commerzbank redet mit Vorliebe Klartext. Ein Satz hat sich besonders in das Gedächtnis der Finanzmarktexperten eingebrannt. „Ich gehe da nicht noch einmal hin“, hatte Blessing Ende November gesagt. Gemeint hatte er den wiederholten Gang zum Bankenrettungsfonds Soffin - und damit den Antrag auf weitere Staatshilfen zur Erfüllung der neuen Eigenkapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht.

Die Ansage war mutig. Immerhin muss die teilverstaatlichte Commerzbank bis Ende nächster Woche der deutschen Finanzaufsicht Bafin glaubhaft erklären, wie sie 5,3 Milliarden Euro zusammenbekommen will. Keine leichte Aufgabe für eine Bank, die gerade noch mit gut sieben Milliarden Euro an der Börse bewertet ist.

Doch mittlerweile steht das Geldbeschaffungsprogramm. In wochenlanger Kleinarbeit hat Commerzbank-Chef Blessing ein Konzept entworfen, das allein auf „Marktlösungen“ beruht. „Staatliche Hilfen sind weder direkt noch indirekt Teil der Kapitalpläne“, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Auch in Finanzkreisen hieß es, „dass der Kapitalplan der Commerzbank keine Staatshilfen vorsieht“.

Kommentar: Der optimistische Herr Blessing

Kommentar

Der optimistische Herr Blessing

Die Commerzbank will ohne Staatshilfe ihr Eigenkapital regelgerecht aufpolstern. Um das zu schaffen braucht sie vor allem eines: den festen Glauben daran, dass alles besser läuft als gedacht. Ein Kommentar.

Bereits Anfang nächster Woche will Blessing seine Pläne Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorstellen. Der Bund ist mit 25 Prozent und einer Aktie der größte Einzelaktionär der Commerzbank.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Blessings Pläne müssen aber nicht nur den Finanzminister überzeugen, sondern vor allem die Bafin. Die Finanzaufsicht soll in den vergangenen Wochen die Commerzbank zu Nachbesserungen aufgefordert haben. Man sei mit der Bafin auf einem guten Weg, hieß es gestern auf Nachfrage in der Commerzbank. Der Unions-Fraktionsvize Michael Meister teilt diesen Optimismus. „Herr Blessing tut alles, um weitere Staatshilfe zu vermeiden. Ich bin optimistisch und hoffe, dass die Bank das, was sie kommuniziert, auch so umsetzt“, sagte Meister dem Handelsblatt.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Michael

13.01.2012, 08:03 Uhr

Martin Blessing und seine Leute werden es schaffen!
Im Mittelstandsgeschäft machen die Jungs einen klasse Job.

CBFAN

13.01.2012, 08:17 Uhr

Leute kauft heute am Freitag, den 13-ten Commerzbank-Aktien. Kauft alles, was zu bekommen ist. Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen.

Account gelöscht!

13.01.2012, 08:18 Uhr

Wieviel hat eigentlich die Commerzbank von der EZB genommen? Kommt gar daher die ploetzliche Hoffnung?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×