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07.12.2011

13:38 Uhr

Kapitalmaßnahmen

Stresstest trickst die Landesbanken aus

Die Kapitalspritze bei der NordLB naht, im Dezember wollen die Eigentümer Geld zuschießen, das als hartes Kernkapital anerkannt wird. Doch die Landesbank wird offenbar wegen Formalien durch den Stresstest fallen.

Europas Bankenaufseher machen den deutschen Landesbanken mal wieder das Leben schwer. pressefoto

Europas Bankenaufseher machen den deutschen Landesbanken mal wieder das Leben schwer.

DüsseldorfDer laufende europäische Bankenstresstest wird für die deutschen Landesbanken ungemütlicher als erhofft: Weil die EU-Bankenaufsicht EBA offenbar den Stichtag für Kapitalmaßnahmen der Finanzinstitute geändert hat, drohen der NordLB und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) eine weitaus größere Kapitallücke als bisher angenommen. Das berichten die Financial Times Deutschland (FTD) und die Hannoversche Allgemeine.

Die Aufseher der noch jungen Londoner EBA-Behörde erkennen Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals nur an, wenn diese bis zum 30. September 2011 vollzogen worden sind. Die Helaba ist bei dem Test aus formalen Gründen wohl schon durchgefallen, ähnlich könnte es bei der NordLB aussehen. Die Ergebnisse werden am Donnerstag oder Freitag erwartet.

Bei der NordLB wird die beschlossene Kapitalstärkung der Träger erst zum Jahresende wirksam. Im Dezember rechnet die Landesbank mit einer großen Kapitalspritze ihrer Eigentümer, mit der das Land Niedersachsen die Mehrheit an dem Institut übernehmen wird. Anders als zunächst geplant, werden aber auch die Sparkassen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit 100 Millionen Euro an einer Kapitalerhöhung teilnehmen, wie ein mit dem Vorhaben Vertrauter am Dienstag sagte. Das Land Niedersachsen steuere 500 Millionen Euro frisches Kapital bei und komme damit auf rund 60 (bisher 41,8) Prozent der Anteile. Zusätzlich wandelt Niedersachsen rund 150 Millionen bisheriges Nachrangkapital in hartes Kernkapital um und härtet eine Stille Einlage von 920 Millionen Euro so, dass auch sie künftig von den Bankenaufsehern als hartes Kernkapital anerkannt wird. Damit kann die NordLB ihre zukunftssichere Kapitalbasis insgesamt um rund 1,7 Milliarden Euro aufbessern - was nach Berechnungen von Experten einer Erhöhung der harten Kernkapitalquote um knapp einen Prozentpunkt entspricht.

Allerdings wird die NordLB durch den veränderten Stichtag die Frist nicht einhalten können und der zusätzliche Bedarf an hartem Kernkapital könnte von bisher angenommenen 660 Millionen Euro auf bis zu 2,5 Milliarden Euro anschwellen. Die Bank wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben und auch die Helaba hat sich bislang noch nicht geäußert. Laut FTD verkommt der Stresstest der EBA immer mehr zu einem Kampf um Formalitäten, zumal es bei den beiden Landesbanken nur um das "Härten" stiller Einlagen gehe, also um eine Kapitalform, die im Verlustfall auch heute schon zur Verfügung stehen würde. Zudem hätte die EBA die Kapitalerhöhung der NordLB bei ihrem Test im Sommer bereits anerkannt. Die Helaba soll sich hingegen aus dem Stresstest ausgeklinkt haben, die Aufseher noch weitere Details sehen wollten. Dort härtet das Land Hessen derzeit stille Einlagen von 1,9 Milliarden Euro.

Kommentare (1)

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epsilon

07.12.2011, 15:23 Uhr

Vielleicht sollten erst einmal die für die EU-Bankenaufsicht EBA tätigen Personen einem Stresstest unterzogen werden, bei dem Intelligenz, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit zu geradlinigem Denken getestet wird, bevor sie auf die Menschheit losgelassen werden.

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