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21.09.2011

12:34 Uhr

Kapitalspritze für Großbank

EZB kämpft gegen das Pleitephantom

Die EZB stattet eine Bank in der Eurozone mit zusätzlichen Dollars aus - 500 Millionen fließen an ein unbekanntes Geldhaus. Ein Anzeichen dafür, dass die Banken in der Eurozone kaum noch an US-Geld kommen.

Banken in der Eurozone kommen derzeit nicht leicht an US-Dollar. Reuters

Banken in der Eurozone kommen derzeit nicht leicht an US-Dollar.

Düsseldorf/FrankfurtDollar-Klemme im Euroraum: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird eine Bank in der Eurozone mit US-Dollar für eine Woche refinanzieren. Bei ihrem regulären Sieben-Tages-Tender wurden insgesamt 500 Millionen US-Dollar zu einem festen Zinssatz von 1,07 Prozent zugeteilt, teilte die EZB am Mittwoch in Frankfurt mit. Das Geschäft beginnt am Donnerstag. Schon in der vergangenen Woche hatten sich zwei Banken mit 575 Millionen Dollar über die EZB refinanziert.

Die Nachfrage ist ein Anzeichen dafür, dass Banken der Eurozone Probleme haben, sich Geld bei US-Banken zu leihen. Es wird jedoch nicht veröffentlicht, welche Banken Geld nachgefragt haben. Europäische Banken benötigen Dollar, um ihre eigenen Kredite in den USA zu finanzieren und Kredite an Kunden zu vergeben, die in Dollar ihre Geschäfte tätigen. Mittlerweile bietet die EZB auch Geschäfte mit einer Laufzeit von drei Monaten an. Die EZB hat mit der US-Notenbank ein entsprechendes Swap-Abkommen abgeschlossen. Die Nachricht über den Millionen-Tender der EZB entfacht nun Spekulationen darüber, an welche Bank das Geld fließt.

Liquiditätsprobleme für Frankreichs Banken

Wegen der Schuldenkrise in Europa leiden derzeit vor allem französische und griechische Banken. Auch die Schweizer Großbank UBS befindet sich nach dem milliardenschweren Handelsskandal in der Klemme. Die Institute geraten zunehmend unter Druck und auch die Privatwirtschaft verliert immer mehr das Vertrauen - so soll Siemens vor rund zwei Wochen mehr als 500 Millionen Euro an Barmitteln von der französischen Großbank Societe Generale abgehoben haben. Das Geld soll demnach nun bei der der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.

Die Malaise der französischen Banken

Großbanken unter Druck

Die französischen Großbanken haben ähnliche Probleme - allen voran ihr starkes Engagement in Griechenland. Aber sie in einen Top zu werfen wäre nicht korrekt - zu unterschiedlich sind die drei Institute. Hier ein Überblick.

BNP Paribas: mit 24 Milliarden engagiert

Die Skepsis ist groß angesichts der verfahrenen Lage in der Euro-Krise und BNPs starker Stellung im finanziell angeschlagenen Italien. Die Bank hat nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht Rom-Anleihen für rund 24 Milliarden Euro in ihren Büchern, hinzu kommen hohe Kredite an Unternehmen und Privatkunden.

BNP Paribas: Schrumpfkur soll Anleger überzeugen

Es gibt bereits Pläne für einen Umbau der größten Bank Frankreichs. Diese bestehen im Wesentlichen aus einer rigiden Schrumpfkur: Risikogewichtete Aktiva im Volumen von 70 Milliarden Euro sollen abgebaut werden. Die Konzernbilanz würde dadurch bis Ende 2012 um etwa zehn Prozent verkleinert. Ziel von BNP-Chef Baudouin Prot ist, auf diese Weise so viel Kapital freizusetzen, um Anfang 2013 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen.

BNP Paribas: krisenfest werden

Damit würde die Bank die internationalen Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung übererfüllen. Prot versucht auf diesem Weg, die Bank ohne die Ausgabe neuer Aktien krisenfest zu machen. Eine Kapitalerhöhung wird von vielen Beobachtern als notwendig erachtet, doch der Zeitpunkt ist wegen der starken Kursverluste äußerst ungünstig: Seit Jahresbeginn hat BNP Paribas rund 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren.

BNP Paribas: Spekulationen verhindern

Prot bemühte sich zudem erneut, Spekulationen über Liquiditätsengpässe bei der Bank zu beenden. Zwar hätten amerikanische Geldmarktfonds zuletzt weniger kurzfristige Mittel bereitgestellt. BNP Paribas habe dies aber problemlos kompensieren können. Die Anleger blieben skeptisch: Der Aktienkurs gab gestern rund drei Prozent nach.

Société Générale: weitere Herabstufungen möglich

Seit Wochen sorgt die finanzielle Lage der Bank für Skepsis auf den internationalen Aktienmärkten. Daran änderten auch Sparpläne und angekündigte Verkäufe von Aktiva nichts. Die Moody’s-Herabstufung verstärkte die Zweifel nur. Die Bank wurde damit für ihr großes Engagement in Griechenland bestraft. Weitere Herabstufungen seien möglich, mahnte die Ratingagentur – der Ausblick sei negativ.

Société Générale: was Hoffnung macht

Es hätte für die SocGen schlimmer kommen können. Die Ratingagentur erklärte die Herabsetzung um „nur“ eine Stufe damit, dass das Institut über eine ausreichende Profitabilität und Kapitalisierung verfüge. Die Bank sei damit in der Lage, weiterhin potenzielle Verluste auszugleichen – auch die ihrer griechischen Filiale Geneki. Allerdings würden die Neufinanzierungssituation sowie die Liquidität der Bank beobachtet.

Société Générale: zu groß für die Pleite?

Moody’s erklärte auch, bei der SocGen seien mögliche öffentliche Finanzhilfen berücksichtigt worden. Damit kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bank im Ernstfall vom französischen Staat aufgefangen werde, um ein systemisches Risiko zu verhindern. Die SocGen wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Griechenland-Risiko von Moody’s als zu bewältigen angesehen werde.

Société Générale: herber Gewinneinbruch

Die Bank hat das Volumen griechischer Staatsanleihen zwar schon stark reduziert, sie hält aber noch immer mehr als eine Milliarde Euro. Das private und öffentliche Engagement in Griechenland wird zusammen auf 6,6 Milliarden Euro geschätzt. SocGen hatte im zweiten Quartal durch hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen einen derben Gewinneinbruch erlebt. Den Wert der von ihr gehaltenen Athen-Anleihen hat die Bank um 395 Millionen Euro nach unten korrigiert. An der Börse wird SocGen nur noch mit rund 13 Milliarden Euro bewertet.

Société Générale: Gefahr der Übernahme?

Die Bank laufe jetzt Gefahr, Ziel einer Übernahme zu werden, sagte Jean-Pierre Balligand, Abgeordneter der sozialistischen Partei, in einem Interview gegenüber Bloomberg News. 

Crédit Agricole: großes Griechenland-Engagement

Die drittgrößte Bank Frankreichs besitze zwar ausreichend Reserven, um mögliche Verluste in Griechenland in Griff zu bekommen, schrieb die Agentur Moody’s. Das Institut sei aber über sein Tochterunternehmen Emporiki-Bank sehr stark in Griechenland engagiert.

Crédit Agricole: viele Zweifel

Die Möglichkeiten zur Neufinanzierung sowie die Liquidität der Bank würden deshalb weiter beobachtet. Bei der aktuell nervösen Lage der Aktien- und Finanzmärkte sei nicht auszuschließen, dass sich die Neufinanzierungssituation verschlechtere, schrieb Moody’s. Sowohl bei Société Générale als auch bei Crédit Agricole gibt es Zweifel an einer Refinanzierung über die US-Kapitalmärkte. CA hält die Zweifel für unbegründet.

Crédit Agricole: 26 Milliarden im Feuer

Die französische Nummer drei hat mit der griechischen Emporiki-Bank 26,4 Milliarden Euro im Feuer – vor allem im Privatkundengeschäft. Darüber hinaus ist das Finanzinstitut auch in Italien sehr präsent und hält italienische Staatspapiere im Volumen von zehn Milliarden Euro. CA beziffert die Belastungen aus den Abschreibungen auf die von ihr gehaltenen Griechenland-Anleihen sowie auf die Tochter Emporiki im zweiten Quartal auf 640 Millionen Euro netto. Der Gewinn sank im abgelaufenen Quartal um elf Prozent auf 339 Millionen Euro.

Crédit Agricole: Aktie unter Druck

Seit Anfang des Jahres ist der Aktienkurs des Konzerns um fast 50 Prozent gefallen. CA erklärte als Reaktion auf die Moody’s-Bewertung, man werde bis Jahresende einen Unterstützungsmechanismus für seinen Investment-Arm einführen. Das werde entweder eine Garantieerklärung oder eine vollständige Eingliederung des Investment-Bankings sein.    

Die Finanzmärkte beobachten derzeit jede Äußerung zur Stabilität von Frankreichs Banken mit Argusaugen. Die drei großen Finanzkonzerne des Landes, zu denen auch BNP Paribas zählt, werden kritisch gesehen, weil sie stark in Griechenland und anderen europäischen Schuldenstaaten engagiert sind. Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Länder haben in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass Frankreichs Banken nur erschwert Zugang zu kurzfristigem Geld hatten.

Keine Probleme bei deutschen Banken

Keine Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen, haben derzeit die deutschen Geldhäuser. Laut Commerzbank-Chef Martin Blessing profitieren die Institute davon, dass Deutschland angesichts der Schuldenkrise in anderen Euro-Ländern als sicherer Hafen gilt. „Anders als nach der Lehman-Pleite im September 2008, als die gesamte Branche in Sippenhaft genommen wurde, wird derzeit stark nach Herkunftsland differenziert“, so Blessing. Gut ausgestattet scheint auch das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank zu sein. Das Institut fühlt sich für eine Krise gewappnet und sieht keinen Bedarf einer weiteren Kapitalerhöhung. „Wir fühlen uns mit unserer Kapitalausstattung wohl“, sagte Finanzchef Stefan Krause am Mittwoch auf einer Konferenz in Frankfurt. Er gehe davon aus, dass das größte deutsche Geldhaus das Ziel einer harten Kernkapitalquote von mehr als acht Prozent Anfang 2013 erreichen werde. Damit würde das Institut die Vorgaben des neuen Regelwerks Basel III bereits sechs Jahre früher einhalten als vorgesehen.

Situation auf dem Interbankenmarkt ist grauenhaft

Angesichts des wachsenden Misstrauens auf beiden Seiten des Atlantiks und der Verwerfungen an den Aktienmärkten leihen sich Banken derzeit untereinander immer weniger Geld. Die Situation am Interbankenmarkt sei „grauenhaft“, sagte ein Disponent vergangene Woche. Die Banken deponieren ihr überschüssiges Geld lieber bei der sicheren Zentralbank, statt es zu besseren Zinssätzen untereinander zu verleihen.

Beim Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers war der Interbankenverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Damals lagen zeitweise 200 Milliarden Euro im EZB-Depot.

Kommentare (5)

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Skeptiker

21.09.2011, 12:32 Uhr

Blickt das Handelsblatt nun auch nicht mehr durch? In der Überschrift wird von 500 Milliarden Dollar geschrieben, im Text sind es dann 500 Millionen. Also, eine "seriöse Wirtschaftszeitung" sollte doch darauf achten, was sie da schreibt.

Markus

21.09.2011, 12:36 Uhr

Hier werden irgendwelche Gerüchte gestreut, die weder Hand noch Fuß haben!
Außerdem scheint das Handelsblatt recht schlecht informiert zu sein.

Der Dollar-Tender wird jeden Mittwoch von der EZB ausgeschrieben, und zweitens ist das nicht das erste Mal das sich jemand US-Dollar leiht.

Daraus jetzt ein allgemeines Liquiditätsproblem herauf zu beschwören, ist verantwortungslos und in keinerlei Hinsicht nachvollziehbar.
Genau so wenig weiß man das es sich um ein französiches Institut handelt, wer sagt das denn?

Köntne ja ebenso eine deutsches Geldhaus sein...

Account gelöscht!

21.09.2011, 16:13 Uhr

Na, das ist wohl schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf den baldig durchgewunkenen ESM. Dann wird man vermutlich auch nicht erfahren, welcher Staat oder welche Bank mit welchen Summen vom europäischen Steuerzahler beglückt wird, da der ominöse Gouverneursrat vor nichts und niemandem rechenschafts- geschweige denn regresspflichtig sein wird.

Hier ein recht guter Überblick über dieses "Teufelswerk":
http://www.youtube.com/watch?v=Vn1TUEMlWyc

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