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16.01.2007

12:18 Uhr

Kaufangebote für Konkurrenten

Marfin will größte griechische Bank werden

VonGerd Höhler

Die Bankenlandschaft Griechenlands und Zyperns kommt in Bewegung. Die zyprische Marfin Popular Bank, die vom Emirat Dubai kontrolliert wird, hat Kaufangebote für gleich zwei deutlich größere Konkurrenten vorgelegt: Sie will die Bank of Cyprus, das größte Geldinstitut der Insel, und die Piraeus Bank, die Nummer vier in Griechenland übernehmen. So einfach wie sich die Marfin die Sache vorstellt, dürfte es allerdings nicht werden.

ATHEN. Die Aktien beider Institute legten am gestrigen Montag zeitweise um rund vier Prozent zu. Mit Präsenz in 17 Ländern und einer Bilanzsumme von mehr als 97 Mrd. Euro würden die drei Institute zusammen den griechischen Marktführer, die National Bank of Greece, überholen. Ziel der Übernahmen sei, „die größte Bank Griechenlands und Zyperns sowie eine der größten Banken Europas zu schaffen“, erklärt Marfin. Derzeit ist Marfin Popular, die im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss der griechischen Banken Marfin und Egnatia mit der zyprischen Popular Bank entstand, die Nummer zwei in Zypern. In Griechenland liegt sie auf Rang sieben.

Marfins größter Aktionär ist die staatliche Dubai Investment Group LLC, Chairman ist Scheich Ba’alawy Soud. Erst vergangenen Donnerstag hatte Marfin eine Kapitalerhöhung von fünf Mrd. Euro beschlossen, um Akquisitionen in Südosteuropa zu finanzieren. Sie soll als Privatplatzierung erfolgen. Im Rahmen der Aufstockung dürfte Dubai Investment nach Einschätzung von Marktbeobachtern ihren Anteil deutlich erhöhen. Das jetzt vorliegende Übernahmeangebot hat ein rechnerisches Volumen von 6,16 Mrd. Euro. Marfin bietet 1,241 eigene Aktien für jede Aktie der Bank of Cyprus und 2,84 pro Anteilschein der Piraeus Bank. Das entsprach der Börsennotierung der drei Unternehmen zum Zeitpunkt des Angebots.

Marfins Pläne stoßen aber bei den beiden Übernahmekandidaten auf Widerstand. Der Vorstand der Bank of Cyprus wies das Angebot als „unseriös“ zurück, weil die kleinere Marfin zwei größere Wettbewerber zu schlucken versuche. „Wir haben bereits zuvor gesagt, dass wir nicht zum Verkauf stehen“, erklärte Chairman Eleftherios Ioannou. Er spielte damit auf Übernahmepläne der Piraeus Bank an. Sie hält 8,1 Prozent an der Bank of Cyprus und war bereits vergangenen Monat bei den Zyprern mit einem Übernahmeangebot abgeblitzt. Jetzt ist Piraeus-Chef Michalis Sallas vom Jäger zum Gejagten geworden – und versucht, die drohende feindliche Übernahme durch Marfin abzublocken: Wenige Stunden vor der Bekanntgabe des Marfin-Angebots veröffentlichte die Piraeus Bank eine eigene Offerte. Darin bietet sie eine eigene Aktie für 5,7 Marfin-Aktien. Das Angebot entspricht nur etwa der Hälfte des aktuellen Börsenkurses und wird von Beobachtern als Abwehrschlag eingestuft: Nach griechischem Recht sei damit das später unterbreitete Übernahmeangebot von Marfin unzulässig, sagt die Piraeus Bank. Jetzt prüfen die Kapitalmarktkommissionen in Athen und Nikosia die verwickelte Rechtslage. Marfin-Chef Andreas Vgenopoulos forderte am Montag die beiden anderen Institute erneut auf, „freundschaftlich die Möglichkeiten einer Fusion zu prüfen“. Vgenopoulos sagte, ein Zusammenschluss verspreche den drei Banken eine Gewinnsteigerung von 20 Prozent.

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