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08.01.2007

15:53 Uhr

Kein höheres Angebot

Nasdaq schießt gegen LSE

Im Übernahmekampf um die Londoner Börse London Stock Exchange hat die Nasdaq ihre verbalen Angriffe auf die LSE verschärft. Nachdem die LSE hartnäckig das Übernahmeangebot der New Yorker ausschlägt, erhöht die Nasdaq nun den Druck.

HB LONDON. Der britische Börsenbetreiber „melke“ seine Kunden, und die Kostenreduzierungen in London hätten einen „lächerlichen“ Umfang, kritisierte der New Yorker Börsenbetreiber am Montag seinen Wettbewerber, für den er dem ein Übernahmegebot vorgelegt hat.

Die Nasdaq sei „zutiefst unglücklich“ darüber, dass Preiskürzungen bei der LSE ausgeblieben sind. Der US-Börsenbetreiber kündigte an, falls sein Gebot für die Londoner von 12,43 Pfund je Aktie scheitere, könne er die bereits erworbene LSE-Beteiligung auch wieder verkaufen. Bei einem Scheitern sei mit einem deutlich fallenden Kurs der LSE-Aktien zu rechnen.

Das Angebot an die Aktionäre der Londoner Börse LSE will die Nasdaq nicht erhöhen. Die Offerte in Höhe von 12,43 Pfund in bar je LSE-Stammaktie sei ein „fairer Preis“, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Schreiben der Nasdaq an die Aktionäre der London Stock Exchange (LSE). Zugleich bat die US-Börse die Aktionäre nachdrücklich, das endgültige Angebot anzunehmen, das an diesem Donnerstag (11. Januar) endet. „Ohne Nasdaq würden Ihre LSE-Aktien deutlich weniger wert sein“, hieß es.

Die Nasdaq kündigte zudem an, sie könne aufgrund der engen Bindung mit ihren Kunden sowie einer Überlappung dieser Kunden mit der LSE auch in den direkten Wettbewerb zu dem britischen Börsenbetreiber in London treten, sollte das eigene Übernahmeangebot nicht zum Ziel führen. Die US-Gesellschaft drohte in diesem Zusammenhang mit dem Aufbau einer eigenen Handelsplattform sowie mit der Kooperation mit einer dritten Partei.

LSE-Sprecher John Wallace wollte sich am Montag zu den Drohungen des Wettbewerbers nicht äußern. Analysten sahen in dieser Drohung jedoch nicht viel Neues. Letztlich verdeutlichten die Aussagen die Herausforderungen für die LSE des veränderten europäischen Marktes mit einem sich verschärfenden Wettbewerb. Es sei für beide Seiten im Moment sinnvoll, einen möglichst harten Kurs einzuschlagen, so Analyst Andrew Mitchell von Fox Pitt Kelton. Auch wenn es kurzfristig unwahrscheinlich sei, werde man sich am Ende auf einen Kompromiss einigen.

Der Tonfall der Nasdaq den Briten gegenüber hat sich jedoch zunächst deutlich verändert. Die Amerikaner hatten ihr Gebot bislang als „freiwillig“ statt „feindlich“ bezeichnet, offensichtlich um in einen Dialog mit dem Management der London Stock Exchange eintreten zu können.

Die London Stock Exchange Group plc hatte die Übernahmeofferte der Nasdaq jedoch bislang abgelehnt. Das Gebot bewerte den Londoner Börsenbetreiber erheblich zu niedrig, hatte das Unternehmen argumentiert. Nach Darstellung der LSE spiegelt das Nasdaq- Angebot auch die „einzigartige strategische Position“ nicht wider, bewerte die zu erwartenden Synergieeffekte zu niedrig und enthalte auch keinen Aufschlag dafür, dass die Amerikaner im Zuge der Transaktion die Kontrolle über die Londoner Börse bekommen.

Insgesamt bietet die Nasday 2,7 Milliarden Pfund (4 Mrd. Euro) für die LSE. Nach letzten Angaben hat sie sich rund 29 Prozent der LSE- Aktien gesichert. Anfang Dezember 2006 stockte die Beteiligungsgesellschaft Heyman Investment Associates des US- Finanziers Samuel Heyman ihren LSE-Anteil auf 9,13 Prozent auf - angeblich nach Rücksprache mit LSE-Chefin Clara Furse.

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