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18.06.2014

14:53 Uhr

Kein Wachstum in Sicht

4500 Bankfilialen haben zugemacht

VonLukas Bay

Die Wirtschaft in Europa kommt langsam wieder in Gang – doch Filialbanken schwächeln weiter. Die Marge liegt weiter unter dem Vorkrisenniveau. Eine schlechte Nachricht für noch bestehende Filialen.

So schick sieht das neue Filialkonzept der Commerzbank aus - in Berlin wurde die erste Filiale bereits eröffnet. Nun müssen nur noch die Kunden kommen.

So schick sieht das neue Filialkonzept der Commerzbank aus - in Berlin wurde die erste Filiale bereits eröffnet. Nun müssen nur noch die Kunden kommen.

DüsseldorfWie eine modern Bankfiliale aussehen kann, macht derzeit die Commerzbank vor. Im April hat die Bank in Berlin eine neue Multikanal-Filiale eröffnet. Statt eine Videokasse können die Kunden dort auch am Wochenende Geld wechseln oder einzahlen, die Einrichtung ist hell und offen und die normalen Öffnungszeiten reichen bis in den Abend. Das neue Filialkonzept der einst kriselnden Bank ist aus der Not geboren, zeigt aber wie Banken das schwächelnde Privatkundengeschäft wieder in den Griff kriegen könnten.

Der Wandel geschieht unter Druck. Denn obwohl die Wirtschaft wieder wächst, haben sich die Privatbanken noch längst nicht erholt. Zu diesem Ergebnis kommt der „Retail Banking Radar“ der Managementberatung A.T. Kearney. Die Untersuchung von 104 Privatkundenbanken in 24 europäischen Ländern zeigt, dass die Ergebnisse der Institute weiter hinter dem Vorkrisenniveau zurückbleiben. 4.500 Bankfilialen seien 2013 in Europa geschlossen worden. Dreimal so viele wie normalerweise.

In sechs Jahren haben die Filialbanken sieben Prozent aller Stellen abgebaut – insgesamt mehr als 250.000 Mitarbeiter mussten gehen. Ein Trend, der sich auch 2013 fortgesetzt hat. Weitere 1,5 Prozent aller Stellen gingen verloren. Dadurch stieg aber auch der Ertrag (Umsatz) pro Mitarbeiter auf etwas über 218.000 Euro.

In diesen Ländern werden Filialen geschlossen

Platz 10

Polen - minus 2 Prozent im Jahr 2013

Vor der Krise galten die osteuropäischen Institute als Gewinnmotor der Bankengruppen. Seitdem haben die Margen massiv nachgelassen. Märkte wie Polen konnten sich zwar über die Zeit solide behaupten. Doch in den vergangenen zwei Jahren ist auch hier eine Abwärtsspirale erkennbar, die sich auch auf die Filialstruktur durchschlägt.

Quelle: A.T. Kearney, The 2014 Retail Banking Radar

Platz 9

England - minus zwei Prozent

Die Krise des Investmentbankings trifft auch das Finanzherz von London. Im Bankenviertel Canary Wharf mussten einige ihre Kisten packen. Doch auch die normalen Filialbanken leiden unter den Folgen der Krise.

Platz 8

Südosteuropa (Bosnien Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Serbien) - minus 3 Prozent

Noch 2012 war die Krise in Rumänien in vollem Gange. Kosten wurden massiv zusammengekürzt. Mittlerweile erholt sich den Bankensektor wieder leicht. Unterm Strich müssen trotzdem Filialen geschlossen werden.

Platz 7

Österreich - minus drei Prozent

Nicht nur die BayernLB musste die Krise im Nachbarland schmerzhaft erfahren. Das Sterben der Filialen ist im Alpenland noch längst noch nicht beendet - für 2014 sind weitere Schließungen angekündigt.

Platz 6

Benelux-Staaten - minus vier Prozent

In den Banken in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg ist die Restrukturierung dagegen schon so gut wie abgeschlossen. In den vergangenen fünf Jahren wurde das Filialnetz um 13 Prozent gestutzt.

Platz 5

Portugal - minus sechs Prozent

Drei Jahre lang waren die portugiesischen Banken im Wesentlichen mit der eigenen Kapitaldecke und faulen Krediten beschäftigt, mittlerweile konzentrieren sie sich wieder auf die Rentabilität - und damit auf die Kostenstruktur. Das geht auch zulasten des bestehenden Filialsystems.

Platz 4

Zentraleuropa (Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien) - minus sechs Prozent

Während sich die Lage in Tschechien langsam wieder erholt, bleibt sie in Slowenien und Ungarn weiterhin kritisch. 2014 wird für die dortigen Banken ein schwieriges Jahr, das Filialnetz dürfte weiter schrumpfen.

Platz 3

Italien - minus sieben Prozent

Die Lage der italienischen Banken bleibt angespannt. Besonders Intesa Sanpaolo und Unicredit mussten wieder enorme Abschreibungen vornehmen, um ihre Bilanzen aufzuräumen. Die Vorkehrungen für den Stresstest der EZB verschlingen Milliarden. Der Kostendruck bleibt damit hoch.

Platz 2

Skandinavien - minus acht Prozent

Pro Jahr erwirtschaftet jeder Mitarbeiter einer skandinavischen Bank im Schnitt 385.000 Euro - das ist Spitze in Europa. Die hohe Rentabilität ist aber auch auf eine strikte Kostenpolitik zurückzuführen, der 2013 wieder etliche Filialen zum Opfer fallen.

Platz 1

Spanien - minus 14 Prozent

Nirgendwo in Europa wurden im Jahr 2013 mehr Filialen geschlossen als auf der iberischen Halbinsel. Doch die Sparanstrengungen zeigen Wirkungen. Erstmals konnten die spanischen Institute pro Kunde wieder einen Gewinn erwirtschaften. Der fällt mit 11 Euro allerdings immer noch schmal aus.

Auf das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen wirken sich die Restrukturierungsmaßnahmen allerdings nicht maßgeblich aus – es liegt derzeit bei etwa 61 Prozent. „Interessanterweise zeigen unsere Ergebnisse praktisch keine Korrelation zwischen Stellenabbau und Kosten, obwohl die Personalkosten bei den meisten europäischen Retail-Banken mindestens die Hälfte der Gesamtkosten ausmachen“, erklärt Andreas Pratz, Partner bei A.T. Kearney.

Der Stellenabbau ist auch für die weiterhin angestellten Mitarbeiter eine Herausforderung. „Die durchschnittliche Filiale ist heute für wesentlich mehr Menschen zuständig als früher und betreut etwa 5000 Kunden, das sind knapp 18 Prozent mehr als im Jahr 2008“, sagt Daniela Chikova, Partnerin bei A.T. Kearney und Autorin der Studie.

Auch die Einnahmen pro Kunde stagnieren, in einem Jahr sind sie gerade mal um einen Euro auf 668 Euro im Jahr gestiegen. Dabei wachsen die privaten Sparguthaben weiter. Wegen der geringen Wachstumsraten bei Kapitalmarktprodukten stagnierten auch die Provisionseinnahmen. Insgesamt machen die Zinseinnahmen im Jahr 2013 bei den untersuchten Banken rund 70 Prozent des Gesamtumsatzes aus – etwas weniger als im Vorjahr.

Kommentare (3)

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18.06.2014, 15:22 Uhr

Welche Wirtschaft meint der hier? Ist denn schon Weihnachten? Also gemeinsam singen!! "Davon geht die Welt nicht unter, sieht man sie manchmal auch grau...!" Und dann: "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen. Und dann werden alle Träume wahr..." Diese Durchhalteparolen wurden früher schöner verpackt...

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18.06.2014, 15:34 Uhr

Ich bin schockierend was für Mist der "Handsblatt"-Leser posten kann. Dies dann auch noch ohne Begründung.

Es ist vollkommen verständlich, dass die Filialen zu machen. Eine klare Konsequenz vom Internet-Banking.
Man muss mit der Zeit gehen und sich anpassen !

Account gelöscht!

18.06.2014, 16:16 Uhr

Was heißt hier: "Das neue Filialkonzept der einst kriselnden (Commerz-)Bank"? Diese von uns Steuerzahlern gestützte Bank kriselt doch immer noch, und zwar gewaltig. Davon kann man ständig im Handelsblatt lesen. Neuester Verweiflungsakt: 100 EUR Begrüßungsgeld für neue Girokunden und 50 EUR, wenn das Konto wegen Unzufriedenheit wieder geschlossen wird. Zig Millionen, jedenfalls mehr als sie im Privatkundengeschäft verdienen, zum Fenster rausgeschmissen für die Werbekampagne mit Jogi Löw und seinen Jungs, die fürs Commerzbank-Konto plus Begrüßungsgeld durchs Bild joggen! Generell seit Jahren "kostenlose Girokonten" als vermeintliches Hauptargument für die Bank, dennoch schreibt man weiterhin nur knapp die schwarze Null im Privatkundengeschäft. Seit wann gibt es ökonomisch erfolgreiche funktionierende Geschäftsmodelle, die auf dem Verschenken der Produkte beruhen? Wie schlecht muss das Produkt sein, wenn dem "Beschenkten" noch Geld hinterhergeworfen wird? Für wie dumm hält man das Volk, das man glauben machen will, ausgerechnet eine Bank habe etwas zu verschenken? Ein tolles Management hat diese Bank! Ja, die Branche ist im Umbruch. Nein, ich glaube nicht, dass die Commerzbank bei den Gewinnern sein wird. Nicht bei dieser chaotischen Geschäftspolitik. Da hilft auch keine Effekthascherei mit neuen Filialkonzepten. Die Mitarbeiter wie die Kunden können einem nur Leid tun. O tempora o mores!

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