Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2009

07:13 Uhr

Keine Entspannung

LBBW kämpft mit steigender Risikovorsorge

VonPeter Köhler , Martin Buchenau

ExklusivDie Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die hohe Abschreibungen auf Wertpapiere bewältigen muss, sieht sich an einer zweiten Front gefordert: Nach Angaben aus Finanzkreisen ist die Risikovorsorge in den Monaten November und Dezember extrem nach oben geschnellt.

Die LBBW ist durch die Finanzkrise schwer gezeichnet. Foto: ap ap

Die LBBW ist durch die Finanzkrise schwer gezeichnet. Foto: ap

STUTTGART/FRANKFURT. Mittlerweile rechne die Bank bei der Risikovorsorge demnach mit schätzungsweise 550 Mill. Euro für 2008, in guten Jahren seien es lediglich 200 Mill. Euro gewesen. Alle Banken müssen sich im Zuge der Rezession auf eine steigende Risikovorsorge einstellen. Schließlich nimmt die Gefahr zu, dass Kreditnehmer ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Fraglich ist, ob Banken mit der bestehenden Eigenkapitalausstattung für diese Probleme ausreichend gerüstet sind.

Bei der LBBW jedenfalls zeichnet sich auch zum Jahresauftakt keine Entspannung in der Risikovorsorge ab, hieß es am Wochenende. Vor allem die Großunternehmen bereiteten der Bank Kopfzerbrechen. Sinkende Bonitätsnoten für Unternehmen schraubten die Vorsorge gegen mögliche Kreditverluste in die Höhe. Da die Risikovorsorge im Jahresabschluss berücksichtigt werden müsse, werde die Entwicklung die Bilanz für 2008 zusätzlich eintrüben, hieß es in Bankkreisen. Ein Sprecher der LBBW wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Die Eigentümer der Bank - das Land, die Stadt Stuttgart und die Sparkassen - lassen gleich von zwei Wirtschaftsprüfern, PWC sowie Ernst & Young, die Risiken prüfen. Ursprünglich sollten die Resultate Ende Januar vorliegen, was sich nun offenbar verzögert.

Die LBBW ist durch die Finanzkrise schwer gezeichnet und braucht eine Kapitalerhöhung durch die Eigentümer in Höhe von fünf Mrd. Euro. Vor allem die übernommenen Banken SachsenLB und Landesbank Rheinland-Pfalz belasten den Jahresabschluss stärker als erwartet. Unter den Sparkassen in Baden-Württemberg ist eine Beteiligung an der Kapitalerhöhung höchst umstritten. Der Verband würde die fälligen 1,7 Mrd. Euro über Inhaberschuldverschreibungen finanzieren, die mit rund 4,5 Prozent verzinst würden. Bedient werden sollten die Papiere, indem die LBBW auf das Stammkapital mehr Geld ausschüttet. Wenn die LBBW nicht mehr ausschütten würde, müssten nämlich die Sparkassen die Belastung schultern.

Nach dem internationalen Bilanzstandard IFRS wird die LBBW für 2008 einen Verlust von voraussichtlich gut zwei Mrd. Euro ausweisen, in der HGB-Bilanz wird nach Auflösung der Reserven der vergangenen Jahre ein Gewinn erwartet. "Die große Frage ist aber, ob die Sparkassen nicht in den nächsten Jahren zur Kasse gebeten werden", sagte ein Insider am Wochenende. Die Eigentümer gehen davon aus, dass die LBBW unter dem Stichwort "Bad Bank" ein Instrument braucht, dass die problematischen Papiere aus der Bilanz isoliert . "Aber eines ist ganz klar: Wir sind höchst interessiert, an einer späteren Wertaufholung teilzuhaben", hieß es im Eigentümerkreis.

Zwar sieht die Leitlinie der Eigentümer vor, dass man die Kapitalerhöhung möglichst ohne Mithilfe des Bundes schultern will. Allerdings könnte sich die Haltung bei Teilen der Eigentümer noch wandeln, wenn der Rettungsfonds Soffin attraktivere Konditionen als bisher anbieten würde.

Vor allem die Sparkassen könnten am Ende einer Hilfe durch den SoFFin den Vorzug geben. Auf der jüngsten Strategietagung in Berlin hatte Sparkassenpräsident Heinrich Haasis gewarnt, die Sparkassen seien in einer "gänzlich anderen Situation als die Länder." Die Länder besäßen unbegrenzte Steuerquellen, während die Sparkassen das Kapital im Markt verdienen müssten. Dies wurde bei den Sparkassen in Stuttgart als Hinweis gewertet, bei der Kapitalerhöhung nicht mitzuziehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×