Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.12.2011

10:28 Uhr

Kernkapital

Die Landesbanken bitten zur Kasse

VonThomas Bauer

Bei den Instituten, die ihr Kernkapital stärken müssen, bietet sich die Umwandlung der stillen Einlagen an. Die Eigentümer haben davon oft nur Nachteile.

Viele Landesbanken müssen ihr Kernkapital erhöhen. dapd

Viele Landesbanken müssen ihr Kernkapital erhöhen.

FrankfurtVermögenskonflikte treten im Verhältnis von Sparkassen und Landesbanken immer öfter zutage. Derzeit murren etwa Landesbanken im Norden und Süden des Landes, dass sie knapp eine viertel Milliarde Euro für die Kapitalisierung der Verbundbank der Westdeutschen Landesbank (WestLB) aufbringen sollen. Diese soll bei der Landesbank Hessen-Thüringen unterkommen. Warum also den Wettbewerber alimentieren, so die Überlegung jener Landesbanken, die nun am liebsten jene Vereinbarung mit den Sparkassen aufheben möchten, der sie Anfang des Jahres zugestimmt haben.

Auch vielen Sparkassen vergeht derzeit die letzte Freude, die sie an ihren Landesbanken noch hatten: Ihre stillen Einlagen, die in guten Jahren attraktive Zinsen brachten, sollen zur Kapitalisierung der Landesbanken eingesetzt werden.

Die Gründe dieser Härtung von stillen Einlagen zu Eigenkapital sind unterschiedlich: Die bayerischen Sparkassen, die rund 800 Millionen Euro bei der Bayerischen Landesbank liegen haben, sollen dies auf Drängen von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia machen. Der ist der Ansicht, dass die bayerischen Sparkassen, denen einst die Hälfte an der BayernLB gehörte, bei der Sanierung dieser durch den Freistaat Bayern zu billig davongekommen seien. Denn die zehn Milliarden Euro, mit denen die BayernLB gestützt wurde, waren das Geld der Steuerzahler. Die Sparkassen büßten damals lediglich ihre Anteile an der Bank bis auf sechs Prozent ein.

Was ist eine Kernkapitalquote?

Für Europas Banken ...

... dreht sich alles um einen finanztechnischen Begriff, die Kernkapitalquote (englisch: „Tier“). Für den letzten Stresstest forderte die europäische Bankenaufsicht EBA mindestens neun Prozent hartes Kernkapital von Europas Banken: Bis Ende Juni 2012 mussten die Institute diesen Wert erreichen. In dem Test ermittelten die Aufseher, wie groß die Kapitallücke der Geldhäuser bei einer Bewertung der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist.

Die Kennzahl wird berechnet, ...

... indem man das Kernkapital (damit ist das unmittelbar haftende Eigenkapital gemeint) durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Kernkapitalquote sagt also aus, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Die Kernkapitalquote gilt darum als wichtige Zahl, um Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen. Wer mehr Kernkapital hat, kann Verluste besser abfedern.

Beim letzten großen Stresstest ...

... im Sommer 2011 hatten die EU-Aufseher als Untergrenze fünf Prozent hartes Kernkapital von Europas Banken gefordert. Dabei hatte die EU-Bankenaufsicht EBA strengere Maßstäbe angelegt als beim Test 2010: Es wurden bereits die engeren Eigenkapitalregeln nach den neuen Bankenregeln („Basel III“) berücksichtigt, obwohl diese erst von 2013 an gelten.

Die Aufseher ...

... gingen in dem damaligen Test von einer harten Kernkapitalquote aus („Core Tier 1“). Diese umfasst gezeichnetes Kapital und Rücklagen, nicht aber die bei deutschen Landesbanken üblichen Stillen Einlagen und auch kein sogenanntes hybrides Kapital (Zwischenformen von Schulden und Eigenkapital).

Zu Beginn der BayernLB-Krise im Jahr 2008 hatte man die bayerischen Sparkassen bewusst geschont, damit diese nicht auch noch als Kreditgeber des lokalen Mittelstands ausfallen. Nachdem dies ausgestanden ist, fordert Almunia nun den Anteil der Sparkassen ein. Wobei er diesen nicht nur die stillen Einlagen im Tausch gegen Anteilscheine an der BayernLB abknöpfen will - sie sollen auch für rund 1,2 Milliarden Euro der Landesbank die bayerische Landesbausparkasse abkaufen. Die Sparkassen halten diesen Preis für überzogen, sie schätzen die Landesbausparkasse auf grob 600 Millionen Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×