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05.12.2014

15:48 Uhr

„Kette von Betrügereien“

Ex-IWF-Chef Rato unter Beschuss

Bankia galt als das Symbol der Finanzkrise in Spanien. Ihre Rettung kostete den Steuerzahler 22 Milliarden Euro. Ein Gutachten enthüllt, dass die Misere des Geldhauses nicht allein wirtschaftliche Ursachen hatte.

Rodrigo Rato: Die Anleger, darunter Hunderttausende Kleinsparer, verloren ihr Geld fast völlig, sofern sie die erworbenen Bankia-Aktien nicht rasch wieder verkauft hatten. AFP

Rodrigo Rato: Die Anleger, darunter Hunderttausende Kleinsparer, verloren ihr Geld fast völlig, sofern sie die erworbenen Bankia-Aktien nicht rasch wieder verkauft hatten.

MadridDie Bankenkrise holt Spanien ein. Die Großbank Bankia, deren drohender Zusammenbruch die spanische Regierung vor gut zwei Jahren zu einem Gesuch um EU-Hilfe gezwungen hatte, sorgt erneut für Negativschlagzeilen. Das Geldhaus soll beim Börsengang 2011 geschönte Bilanzen vorgelegt haben. „Die Angaben im Wertpapierprospekt spiegelten nicht die wirkliche Lage des Unternehmens wider“, stellten zwei Experten der Zentralbank in einem Gutachten fest. Bankpräsident war zu dieser Zeit der ehemalige IWF-Chef Rodrigo Rato.

In dem Bericht, den der Madrider Ermittlungsrichter Fernando Andreu angefordert hatte, bezifferten die Gutachter den Schaden auf knapp 3,1 Milliarden Euro. Die Anleger, darunter Hunderttausende Kleinsparer, verloren ihr Geld fast völlig, sofern sie die erworbenen Bankia-Aktien nicht rasch wieder verkauft hatten. „Die aufgedeckten Unregelmäßigkeiten könnten ein neues Loch in die Bilanzen des Geldhauses reißen“, schrieb die Wirtschaftszeitung „Cinco Días“. „Bankia könnte dazu verurteilt werden, den Anlegern den Schaden zu ersetzen.“

Diese Banken haben die beste Kernkapitalquote

Platz 8

Crédit Agricole (Frankreich) – 9,0 Prozent

Kernkapitalquote nach Basel III ausgewählter Banken, 1. Quartal 2014, Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters

Platz 7

Deutsche Bank – 9,5 Prozent

Platz 4

Bank of America (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

JP Morgan (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

Barclays (Großbritannien) – 9,6 Prozent

Platz 3

BNP Paribas (Frankreich) – 10,6 Prozent

Platz 2

HSBC (Großbritannien) – 10,8 Prozent

Platz 1

UBS (Schweiz) – 13,2 Prozent

Die Bewahrung der Großbank vor dem Zusammenbruch und ihre Sanierung gelten als ein Erfolg der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Die Verstaatlichung und Rettung Bankias kosteten den spanischen Steuerzahler über 22 Milliarden Euro. Die Krise der Großbank gab damals den Ausschlag dazu, dass Spanien von der EU Hilfskredite in Höhe von 41 Milliarden Euro für die Sanierung maroder Banken in Anspruch nehmen musste.

Die Krise bei Bankia war damals durch das Platzen der Immobilienblase und das abrupte Ende des Baubooms in Spanien erklärt worden. Das Expertengutachten legt nun nahe, dass die Misere nicht allein wirtschaftliche Ursachen hatte, sondern auch Betrug im Spiel gewesen sein könnte. Die Bilanzen seien nicht versehentlich geschönt worden, heißt es in dem Papier.

Kommentare (1)

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05.12.2014, 17:32 Uhr

Betrug war es in jedem Falle - bei Bankia und vielen anderen und nicht nur in Spanien.

Offen ist nur, ob dieser regierungsamtlich, per Gesetz oder Verordnung gedeckt war oder frei schaffend kreativ daher kam.

Wäre man nicht so und ähnlich verfahren, wären in der Folge der 08-Ereígnisse etliche Banken insolvent geworden, vermutlich landes- und kontinentübergreifend.

Allerdings hätten wir alle bei Beachtung von Recht, Gesetz und Marktregeln nach dem recht riesigen globalen Crash mittlerweile wieder belastbare Verhältnisse.
Das ist aktuell und auf Sicht lange nicht der Fall.

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