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16.10.2013

15:20 Uhr

Kioske in Frankreich

Einmal Kaugummis und ein Bankkonto, bitte!

Die französischen Kioske wollen vom Filialsterben der Banken profitieren: Sie bieten ab kommenden Jahr eine EC-Karte und ein Girokonto an. Bei der Anschaffung soll das sogar billiger sein als bei der großen Konkurrenz.

Ein Kiosk-Stand in Paris (Archivbild): Ein Durchschnittskunde soll weniger als 50 Euro im Jahr für sein Konto zahlen. ap

Ein Kiosk-Stand in Paris (Archivbild): Ein Durchschnittskunde soll weniger als 50 Euro im Jahr für sein Konto zahlen.

ParisAn französischen Kiosken soll es vom kommenden Jahr an nicht nur Zigaretten, sondern auch Zinsen geben. Dann wollen die 27.000 in den Straßen allgegenwärtigen „Tabacs“ vom Filialsterben bei den Banken profitieren und selbst einfache, billige Bankkonten anbieten. Unter dem Namen „Nickel“ bekommen die Kunden für 20 Euro im Jahr eine EC-Karte und ein Girokonto - bei angestammten Instituten wie BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole zahlt man dafür mindestens 28 bis 30 Euro.

Zwar kosten Ein- und Auszahlungen an den Kiosken mit der markanten roten Raute als Erkennungszeichen extra. Doch die Tabakhändler-Organisation CBF, die hinter „Nickel“ steht, schätzt, dass ein Durchschnittskunde weniger als 50 Euro im Jahr für sein Konto zahlen muss.

Erste Markttests sind positiv verlaufen. Nickel-Mitgründer Hugues Le Bret, der ehemalige Kommunikationschef von Societe Generale, zielt vor allem auf Kunden am Rande der Gesellschaft ab, die bei normalen Banken gar kein Konto eröffnen können. Kredite vergibt Nickel nicht - die Bank verkauft das als Kampf gegen private Überschuldung. „100 Prozent nützlich, 0 Prozent toxisch“, heißt das Schlagwort. Verbraucherschützer weiß Nickel damit hinter sich: Die Organisation „UFC-Le Choisir“, die seit langem gegen steigende Bankgebühren kämpft, hat erklärt, die neue Bank könne den Verbrauchern helfen, Geld zu sparen.

Nickel ist nicht die erste Herausforderung für die Filialen der französischen Banken. Lange galten sie als einträglich, kassierten Gebühren und verkauften langweilige Sparprodukte wie Lebensversicherungen. Doch die Konjunktur lahmt, und das Online-Geschäft wächst auch in Frankreich. Erst im Sommer hat BNP unter dem Namen „Hello Bank“ eine große Online-Initiative gestartet - und zugleich Filialen geschlossen.

Von

rtr

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