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28.07.2015

17:27 Uhr

Kirch-Prozess

Rolf-E. Breuer bricht sein Schweigen

Im Betrugsprozess gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen hat der mitangeklagte Ex-Chef Rolf-E. Breuer sich gegen die Anklage verteidigt. Der Rechtsstreit hat sich für den Medienmanager Dieter Hahn bislang gelohnt.

Die Rechtsanwälte und Angeklagten um den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (hinterste Reihe 2.v.r.), zu Beginn des Strafprozess gegen ihn und vier weitere Ex-Manager der Bank wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess im Gerichtssaal des Landgericht München. In der ersten Reihe steht der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer (r), in der zweiten Reihe (2.v.r.) sein Nachfolger im Amt, Josef Ackermann. Heute hat Breuer ausgesagt. dpa

Strafprozess gegen Top-Manager der Deutschen Bank

Die Rechtsanwälte und Angeklagten um den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (hinterste Reihe 2.v.r.), zu Beginn des Strafprozess gegen ihn und vier weitere Ex-Manager der Bank wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess im Gerichtssaal des Landgericht München. In der ersten Reihe steht der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer (r), in der zweiten Reihe (2.v.r.) sein Nachfolger im Amt, Josef Ackermann. Heute hat Breuer ausgesagt.

MünchenNein, er habe keine Hintergedanken gehabt, erklärte der mittlerweile 77-Jährige Breuer am Dienstag vor dem Münchener Landgericht. Die Frage des Reporters nach der Finanzlage des Medienunternehmers Kirch sei „unerwartet“ gekommen, liest Breuer mit klarer Stimme aus seinem Statement vor, „die Frage war nicht vorher abgestimmt“. Seine Antworten seien daher spontan gewesen, für Hintergedanken “wäre auch gar keine Zeit gewesen“. „Ich wollte weder Signale aussenden noch Schaden anrichten“, beteuert Breuer - und das gelte sowohl für die Kirch-Gruppe, als auch für die Deutsche Bank.

Er habe damals nur die Wahrheit gesagt, sagte Breuer. „Dazu stehe ich auch heute noch.“ Mit derartigen Folgen hat er damals nach eigener Darstellung nicht gerechnet - es sei nie seine Absicht gewesen, Kirch durch seine Äußerungen in die Enge zu treiben. „Ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, durch ein Interview einen Kunden der Bank zu schädigen.“

Beim Vorsitzenden Richter Peter Noll blieben allerdings Zweifel: „Ist Ihnen nicht klar, dass auch die Wahrheit - an falscher Stelle geäußert - ein Lapsus sein kann?“ Breuer: „Nein, denn es war ja allgemein bekannt. Und mehr habe ich nicht gesagt.“ Die Kirch-Mediengruppe war nach dem Interview im Jahr 2002 zusammengebrochen. Kirch, der 2011 starb, überzog die Bank daraufhin mit mehreren Prozessen.

Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände von Deutschlands größter Bank sollen versucht haben, ein anderes Gericht zu täuschen, um eine milliardenschwere Schadenersatzklage von Kirch abzublocken. Die Banker sind deshalb wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Breuer hatte seit Beginn des Strafprozesses im April geschwiegen und sich lediglich von seinem Rechtsanwalt verteidigen lassen. Wie die übrigen Banker sagte nun auch Breuer, dass er die Anklagevorwürfe „hier und heute noch einmal ausdrücklich zurückweise“.

Für den früheren Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn hat sich der Schadenersatzstreit mit der Deutschen Bank um die Verantwortung für die Pleite der Mediengruppe ausgezahlt: Als Erfolgsbeteiligung erhielt Hahn, der eine treibende Kraft in der Auseinandersetzung war, von den Kirch-Erben 200 Millionen Euro vor Steuern. Diese Summe nannte Hahn am Dienstag vor dem Landgericht München, wo er als Zeuge im Prozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und frühere Top-Manager der Deutschen Bank aussagte. Hahn musste die Summe, die bislang ein gut gehütetes Geheimnis war, nach einem Beschluss des Gerichts öffentlich nennen.

Die Verteidiger der angeklagten Banker hatten danach gefragt, weil aus ihrer Sicht für die Beurteilung des Zeugen entscheidend ist, wieviel Geld er selbst an dem Streit mit der Deutschen Bank verdient hat. Insgesamt hatte die Bank nach einem jahrelangen Rechtsstreit 925 Millionen Euro an die Kirch-Erben gezahlt. Firmengründer Leo Kirch hatte zeitlebens ein Interview des damaligen Bankchefs Rolf Breuer für die Pleite seiner Mediengruppe verantwortlich gemacht. Nach Kirchs Tod 2011 setzte Hahn die Auseinandersetzung fort. Heute ist er Großaktionär und Aufsichtsratschef des Filmunternehmens Constantin.

Die Folgen von Breuers Fernsehinterview beschäftigen die Bank seit mehr als 13 Jahren. Auf die Frage nach der finanziellen Situation der Kirch-Gruppe, die damals bereits angeschlagen war, hatte Breuer geantwortet: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

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