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19.05.2011

19:11 Uhr

Kirch-Prozess

Showdown mit Josef Ackermann

VonAxel Höpner, Peter Köhler

Es ist der vorläufige Höhepunkt der Dauerfehde zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank: Der halbe Vorstand des Instituts läuft vor Gericht auf. Soeben ist Josef Ackermann in den Zeugenstand getreten.

Clemens Börsig vor Gericht: "Ganz sauber dastehen". Quelle: Reuters

Clemens Börsig vor Gericht: "Ganz sauber dastehen".

MünchenDer Saal unter dem Dach des Münchener Oberlandesgerichts im vierten Stock ist die perfekte Bühne für ein Justizspektakel. Die hohe Giebeldecke mit den restaurierten Holzbalken gibt dem lichtdurchfluteten Raum eine loftartige, fast schon sakrale Anmutung.

Und kurz vor 16 Uhr ist es endlich so weit. Im Blitzlichtgewitter betritt Josef Ackermann den Saal. Nein, nicht Vorstandssprecher, sondern Vorstandsvorsitzender sei er heute, verbessert er gut gelaunt den Richter. Einen blauen Anzug trägt der Chef der Deutschen Bank, dessen Job vor ein paar Jahren vom Sprecher des Vorstands zum Chef aufgewertet wurde, dazu die passende blaue Krawatte. Mitten in der Phalanx des Spitzenpersonals der Deutschen Bank nimmt er Platz.

Das Justizdrama zwischen Leo Kirch und Deutschlands größtem Geldhaus ist an diesem Donnerstag in eine neue Runde gegangen. Die gesammelte Führungsspitze hat sich eingefunden: neben Ackermann auch Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Technologie- und Personalvorstand Hermann-Josef Lamberti und der frühere Vorstand Tessen von Heydebreck.

Immerhin geht es um den guten Ruf der Bank.

Es ist ein weiterer Höhepunkt in dem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit. Der Medienunternehmer macht den früheren Vorstandssprecher Rolf. E. Breuer für den Zusammenbruch seiner Firmengruppe vor fast zehn Jahren verantwortlich und fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe. Dem heute 84-jährigen Kirch gehörten neben einer großen Spielfilm-Sammlung mit mehr als 10.000 Titeln die Sender Pro Sieben, Sat. 1, N24 und DSF.

Wo die Deutsche Bank verklagt wird

Ackermanns Versprechen

„Kein Geschäft der Welt ist es wert, dafür den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Das hat Vorstandschef Josef Ackermann 2006 gesagt. Ob diese Aussage der Realität entspricht – daran kommen angesichts der Fülle der Verfahren Zweifel auf, auch wenn diese nicht alle während Ackermanns Amtszeit „entstanden“ sind.

Risikovorstand Hugo Bänziger

Am Ende des Tages trägt natürlich Josef Ackermann die Verantwortung, aber „krumme Geschäfte“ sind per se die Aufgabe von Hugo Bänziger. Der Risikovorstand muss den Begriff „Compliance“ mit Leben füllen.

Kirch-Prozesse

Leo Kirch liegt seit Jahren mit der Deutschen Bank im Clinch. Der Medienunternehmer behauptet, dass die Äußerungen des damaligen Chefs Rolf E. Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich waren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ihm in einer Vorfrage einst Recht gegeben. Doch unterm Strich ist der Ergebnis der Prozesse noch offen.

Zinswetten werden zum Image-Desaster

Die Deutsche Bank hatte mit Kommunen und mittelständischen Unternehmen komplexe Geschäfte abgeschlossen. Im März fällte der BGH ein wichtiges Urteil: Das Geldhaus durfte diese so genannten CMS-Geschäfte nicht tätigen.

Probleme auch in Mailand

Wegen eines ähnlichen Falles muss sich die Deutsche Bank gemeinsam mit JP Morgan, der Depfa und der UBS in Mailand verantworten. Auch hier geht es um Zinsgeschäfte und die Frage, ob die Risikogestaltung zu Lasten der Anleger ging.

US-Regierung hat Deutsche Bank im Visier

Richtig teuer könnte es für die Deutsche Bank in den USA werden. Besser gesagt: Noch teurer, als es ohnehin schon geworden ist. Denn die US-Regierung hat das Institut Anfang Mai wegen Geschäfte mit Immobilien verklagt. Sie fordert Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank soll an Fördermittel herangekommen sein, in dem sie falsche Angaben machte.

Der Untersuchungsbericht des US-Senats

Kurz zuvor, im April, widmete der US-Senat der Deutschen Bank in einem Untersuchungsbericht ein eigenes Kapitel. Das ist kein gutes Zeichen. Der Vorwurf: Das Geldhaus hätte Hypothekenanleihen an Kunden verkauft, obwohl eigene Händler längst auf die Risiken aufmerksam gemacht hätten. Damit steht die Deutsche Bank nicht allein da – ähnliche Vorwürfe gibt es gegen mehrere Banken.

Widerrechtliche Zwangsräumungen in Los Angeles

Die Stadt Los Angeles glaubt, dass die Deutsche Bank ihren Bürgern Unrecht angetan hat. Es geht unter anderem um widerrechtliche Zwangsräumungen. Immerhin ist das Institut als Treuhänder für 2000 Wohnungen verantwortlich. Die Stadt verlangt Schadenersatz im dreistelligen Millionenbereich. Die Deutsche Bank entgegnet, dass nicht sie als Treuhänder, sondern der Kreditdienstleister zuständig gewesen sei.

New Yorker Staatsanwaltschaft prüft

Sorgen machen muss sich die Deutsche Bank unter Umständen auch wegen einer aktuellen Geschichte: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen einige US-Banken. Es geht um das Bündeln von Trash-Immobilienkrediten. Noch geht es also nicht um die Deutsche Bank, aber nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich das durchaus ändern.

Ärger in Südkorea

Von der Summe her war die Zahlung an Behörden in Südkorea eher das, was man gerne auch schon mal als „Peanuts“ bezeichnet hat: Eine Strafe über 640.000 Dollar brummte die dortigen Behörden der Deutschen Bank auf. Sie hat allem Anschein nach gegen Börsenregeln verstoßen.

Parmalat-Skandal in Italien

Auch in Italien waren die Rechtsanwälte der Deutschen Bank lange beschäftigt. Hier gab es aber einen Freispruch. Der Vorwurf lautete, dass sich das Institut wie auch die Citigroup und andere Geldhäuser der Mittäterschaft beim Bilanzbetrug des Molkereikonzerns Parmalat schuldig gemacht haben sollen.

Teure Vergleiche

Üblicherweise werden in den USA Prozesse nicht bis zum bitteren Ende geführt. Oft gibt es einen Vergleich. Das ist in der Regel auch für das betroffene Unternehmen billiger und vor allem schont es die Nerven. So zahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 554 Millionen Dollar wegen eines Streits um Produkte zur Steuervermeidung.

Als Kirchs Konzern 2002 unterging, war Breuer Vorstandssprecher von Deutschlands größtem Geldhaus. Kirch macht ihn persönlich für die Geschehnisse in diesem Jahr verantwortlich. Breuer hatte am 4. Februar 2002 kurz vor der Kirch-Pleite beim Nachrichtensender Bloomberg TV ein mittlerweile legendäres Interview gegeben, in dem er die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt hatte. Der Kernsatz: "Was alles man darüber lesen und hören kann ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.05.2011, 18:14 Uhr

"Immerhin geht es um den guten Ruf der Bank"

Dem Handelsblatt dürfte aus eigenen Artikeln bekannt sein, an welchen Fronten die Dt. Bank z.Zt. ihren Ruf verteidigen muss. Ein Gerichtsverfahren nach dem Anderen! Um Mrd. wird gestritten.

Diese Bank mag zwar Systemrelevant sein, aber einen guten Ruf hat sie schon lange nicht mehr.

Wer hat sie gesehen? Sie ist schon lange abhanden gekommen! Die Ehre.

EFWagner

07.06.2011, 12:59 Uhr

Si tacuisses ... da ist dem ao eloquenten Herrn Dr.Breuer mal ein Satz zu früh über die Lippen gekommen. Es wusste allerdings wohl jeder, dass Kirch am Ende war und es dürfte Herrn Kirch wohl am meisten geärgert haben, dass die Deutsche Bank ihre Kredite an ihn schon lange vorher so abgesichert hatte, dass sein Bruch sie nichts mehr kostete. Kirch hat immer hoch gepokert und er liebt es eben immer noch am Tisch zu sitzen, wenn der jetzt auch im Gericht steht.

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