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13.02.2012

15:36 Uhr

Kirch vs. Deutsche Bank

Das wohl teuerste Fernsehinterview aller Zeiten

VonAxel Höpner, Wolfgang Reuter, Robert Landgraf, Peter Köhler

Den Tag wird der damalige Deutsche-Bank-Chef Breuer nie vergessen. In einem Interview hatte er die Kreditwürdigkeit von Leo Kirch angezweifelt. Jetzt ist klar: Diese Äußerung wird die Bank wohl 800 Millionen Euro kosten.

Erbitterte Gegner: der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, vor dem Oberlandesgericht in München. dpa

Erbitterte Gegner: der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, vor dem Oberlandesgericht in München.

MünchenLeo Kirch war ein Freund der klaren Worte. „Erschossen hat mich der Rolf“, sagte der Medienunternehmer - und zielte damit auf den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. Kirch behauptete bis zu seinem Tod, dass ein Interview, das Breuer der Nachrichtenagentur Bloomberg gegeben hatte, für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich gewesen sei. „Was man alles lesen und hören kann, ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte Breuer damals über Leo Kirch.

Mit dieser Aussage aus dem Jahr 2002 hat Breuer das wahrscheinlich teuerste Interview der Welt gegeben.

Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, haben sich die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch und die Deutsche Bank jetzt auf einen Vergleich in ihrem milliardenschweren Streit um die Pleite des Kirch-Konzerns im Jahre 2002 geeinigt. Demnach soll Deutschlands größtes Geldhaus der Kirch-Seite über 800 Millionen Euro zahlen. Geht alles glatt über die Bühne, geht der Betrag jeweils zur Hälfte an den Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die Kirch-Familie einschließlich Stiftung, hieß es heute in Verhandlungskreisen. Über das Wochenende trafen sich die Parteien, um Einzelheiten abzustimmen. Im Gegenzug sind damit alle Schadenersatzforderungen für das größte deutsche Geldhaus erledigt.

Die Bank wollte die Berichte auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren. Die Anwälte der Kirch-Seite waren ebenso wie das Oberlandesgericht München (OLG) zunächst nicht erreichbar. Der Vorstand der Deutschen Bank muss dem Vergleich auf seiner nächsten Sitzung am Dienstag noch zustimmen.

Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé wollte sich gestern nicht zu der Einigung äußern. Im Verhandlungsumfeld geht man davon aus, dass die Insolvenzverwaltung stets über die Gespräche infomiert war. Schließlich können sich die Gläubiger auf einen Geldsegen freuen: Nach Informationen des Handelsblatts soll die Hälfte der Vergleichssumme an den Insolvenzverwalter fließen. Damit dürfte die Auszahlungsquote im Fall Kirch deutlich steigen. Bislang waren 16 Prozent der anerkannten Forderungen in Höhe von vier Milliarden Euro beglichen worden. Dies war bereits eine Quote, die deutlich über dem Schnitt bei Insolvenzen in Deutschland lag. Zudem dürfte die Einigung zwischen der Kirch-Seite und der Deutschen Bank das Insolvenzverfahren verkürzen, da der Streit einer der wichtigsten noch offenen Punkte war.

Kommentare (30)

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13.02.2012, 12:45 Uhr

Rolf Bräuer hat doch nichts anderes gemacht als die Ratingagenturen. Ungefragt zwar, aber ih habe auch noch von keinem Staat gehört, der Ratingagenturen eingeladen hätte. (Wirtschaftsunternehmen natürlich schon)
Ist die Rechtsabteilung der DB so schwach?

Bmehrens

13.02.2012, 13:10 Uhr

Das kommt ins Guinessbuch der Rekorde
ob 750, 775, oder 800 Mio - auf jeden Fall war das die teuerste Frage eines Reporters oder die teuerste Antwort der Welt Herrn Breuers.

Bmehrens

13.02.2012, 13:14 Uhr

Ungefragt hat er das den Reportern nicht gesagt - da kann auch die DB-Rechtsabteilung nichts machen.

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