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22.08.2014

12:25 Uhr

Klage gegen Julius Bär

Deutschland will Honeckers Schatz heben

Das Millionenvermögen der DDR bringt die Schweizer Bank Julius Bär in Bedrängnis. Eine Tochter soll dabei geholfen haben, einen SED-Schatz zu verstecken – und soll dafür nun Schadenersatz zahlen.

Die SED-Führung rund um Erich Honecker hortete ein Milliardenvermögen im Ausland. Das bringt nun eine Schweizer Privatbank in Bedrängnis. dpa

Die SED-Führung rund um Erich Honecker hortete ein Milliardenvermögen im Ausland. Das bringt nun eine Schweizer Privatbank in Bedrängnis.

DüsseldorfWährend der eigene Staat langsam aber sicher der Pleite entgegen taumelte, hortete die SED-Führung ein Millionenvermögen im Ausland. Genau dieser verschollene SED-Schatz bringt nun die Schweizer Privatbank Julius Bär in Schwierigkeiten. Die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS) fordert von den Schweizern rund 135 Millionen Euro, berichtet das Schweizer Finanznachrichtenportal finews.ch. Eine gütliche Einigung der Parteien war zuvor gescheitert.

Die komplizierte Jagd auf das versteckte Vermögen der DDR beschäftigt deutsche und Schweizer Gerichte schon seit 20 Jahren. Das Geld stammt von Konten des früheren DDR-Außenhandelsunternehmens Novum. Geführt wurde die halb-kapitalistische Außenvertretung des Arbeiter- und Bauernstaates von der Wiener Geschäftsfrau Rudolfine Steindling, die wegen ihrer Verbindung zur Kommunistischen Partei Österreichs nur „Rote Fini“ genannt wurde.

Wer mit DDR-Unternehmen Geschäfte machen wollte, musste die „Rote Fini“ kontaktieren – und ihr Provisionen zahlen. Als die Mauer fiel, machte sich die Wiener Kommunistin daran, die Novum-Gelder auf Konten in der Schweiz zu transferieren, bevor sie in die Hände des Klassenfeindes fallen würden. Bis heute bleibt ein Großteil des Vermögens verschollen. 

Dabei sollen ihr auch die Schweizer Banken geholfen haben. Denn das Geld auf den Konten ließ sich die „Rote Fini“ in bar auszahlen. 51 dieser Transaktionen sind gerichtlich dokumentiert. Erst wurde es in den Safes der Schweizer Banken deponiert, dann in anonyme Sparbücher und Wertpapierdepots investiert.  Das Geheimnis des verschwundenen Geldes hat Rudolfine Steindling mit ins Grab genommen, 2012 verstarb sie.

Seitdem stürzen sich die deutschen Fahnder auf die Schweizer Banken, um die verlorenen Millionen der DDR wiederzufinden. Für die BvS sind die Novum-Gelder Parteivermögen der DDR-Staatspartei SED, worauf heute die ostdeutschen Bundesländer als Rechtsnachfolger Anspruch besäßen.

Im vergangenen Jahr wurde die Bank Austria vom Schweizer Bundesgericht verurteilt, 254 Millionen Euro an Deutschland zurückzuzahlen. Über ihre ehemalige Schweizer Tochter, die AKB Privatbank, hatte sich das Institut an den zweifelhaften Transaktionen der „Roten Fini“ beteiligt.

Julius Bär wehrt sich gegen die Vorwürfe. Tatsächlich ist eine direkte Verbindung der Bank zum Vermögen nicht herzustellen. Die Vorwürfe der BvS richten sich gegen die Bank Cantrade, die Julius Bär im Jahr 2005 von der UBS übernommen hatte. Ein Institut, über das die Mächtigen der DDR auch lukrative Waffendeals abgewickelt haben sollen.

Die Privatbank schiebt die Schuld dafür allerdings dem vorherigen Besitzer, also dem Konkurrenten UBS zu. Für die BvS ist allerdings Julius Bär der legitime Rechtsnachfolger der Cantrade.

Von

bay

Kommentare (10)

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Herr peter Spirat

22.08.2014, 13:00 Uhr

(...)

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Peter Spiegel

22.08.2014, 13:34 Uhr

Aber Herr Spirat, die verkündete Wahrheit ist doch auch
eine Wahrheit, die erfüllt sich sozusagen selbst.
Besonders bei Aktienkursen.
Gruß Spiegel

Herr Thomas Behrends

22.08.2014, 13:53 Uhr

Die Schweizer Banken und Behörden sind ganz offenbar hinter dem Geld her wie der Teufel hinter der Seele!

Beim Geld trifft man die Schweizer ins Mark!

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