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07.04.2006

13:25 Uhr

Klagen drohen

Mannheimer will für Heros-Schäden nicht aufkommen

Die Mannheimer Versicherung wird nicht für die Folgen der Pleite des Geldtransportunternehmens Heros einstehen. Damit bewahrheiten sich die Befürchtungen der Heros-Geschädigten.

HB MANNHEIM. Die Versicherungspolice beziehe sich auf den Transport selbst und nicht auf die Veruntreuung von Giralgeld, sagte Mannheimer-Chef Helmut Posch am Freitag in Mannheim. Damit seien der Zusammenbruch von Heros und die Schäden, die auf bis zu 350 Mill. Euro geschätzt werden, wohl „nicht Gegenstand unserer Haftung“. Die Mannheimer ist eine Tochter der österreichischen Uniqa-Gruppe.

Heros, führender Geldtransporteur in Deutschland und Arbeitgeber von 5 000 Beschäftigten, hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Hintergrund der Pleite ist eine Betrugsaffäre, bei der der Inhaber und weitere Personen durch ein Schneeballsystem Gelder in Millionenhöhe veruntreut haben sollen.

Erste Verlustmeldungen im vergangenen Jahr seien stets überprüft worden, sagte Posch. Die Fälle hätten sich jedoch aufgeklärt. Mit Blick auf eine von der Drogerie-Kette Schlecker angekündigte Klage gab sich Posch gelassen. „Alle Juristen wissen, dass in der Sachstandslage eine Klage unsinnig ist“, sagte er. Die Ermittlungen dauerten an, viele Details seien offen. Schlecker als Heros-Geschädigter fordert mehrere Mill. Euro.

Die Deckungssumme der ersten Tranche der Heros-Transportpolice belaufe sich auf 10 Mill. Euro, die Mannheimer habe davon 6,3 Mill. übernommen. Mit der zweiten Police über 90 Mill. Euro habe die Assekuranz selbst nichts zu tun. Sollte die Mannheimer tatsächlich zahlen müssen, belaufe sich die Nettobelastung auf 300 000 Euro. „Wir sind gut rückversichert“, sagte Posch.

Posch zufolge hat die Mannheimer für die Pleite dennoch Rückstellungen gebildet, zu deren Höhe er sich ebenso wenig wie zu den involvierten Rückversicherern äußern wollte. Die Uniqa als Muttergesellschaft gehöre aber nicht dazu.

2005 schaffte die Mannheimer im Konzern mit 6,7 Mill. Euro Gewinn die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Im Vorjahr hatte sie noch ein Minus von 5,2 Mill. Euro eingefahren. Die Prämienerlöse sanken unter anderem wegen des Verkaufs des Rückversicherungsgeschäfts deutlich von 343,3 auf 305,6 Mill. Euro. Mit einer Eigenkapitalrendite von 5,4 nach minus 3,6 Prozent vor Steuern liegt der Versicherer allerdings noch weit von dem für 2008 gesteckten Ziel von 15 Prozent entfernt. „Das steht nach wie vor“, stellte Posch aber klar.

Die vor 127 Jahren gegründete Mannheimer gehört seit 2004 zur größten österreichischen Versicherungsgruppe Uniqa. Im Lebensversicherungsgeschäft waren zuvor durch Fehlinvestitionen hohe Abschreibungen auf die Kapitalanlagen angefallen, die die gesamte Gruppe in Existenznot gebracht hatten. Schließlich hatte die Auffanggesellschaft Protektor im August 2003 den Bestand an Lebensversicherungen übernommen, so dass die Mannheimer sich nun wieder auf Sach- und Spezialversicherungen konzentriert.

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