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07.09.2015

16:18 Uhr

Klausurtagung der Deutschen Bank

Klartext am Tegernsee

Die Aufsichtsräte der Deutschen Bank treffen sich Donnerstag zu einer dreitägigen Klausurtagung. Von Co-Vorstandschef John Cryan werden klare Worte erwartet – beim Geldhaus gibt es viele offene Baustellen.

Der Brite John Cryan löste Anfang Juli den glücklosen Anshu Jain ab. Ab dem Frühjahr, wenn auch Co-Chef Jürgen Fitschen abtritt, wird er die Deutsche Bank alleine führen. Reuters

John Cryan

Der Brite John Cryan löste Anfang Juli den glücklosen Anshu Jain ab. Ab dem Frühjahr, wenn auch Co-Chef Jürgen Fitschen abtritt, wird er die Deutsche Bank alleine führen.

FrankfurtHügeliges Gelände, viele Bäume und ein traumhafter Blick ins Tal: Unter Golfern ist das Hotel Margarethenhof hoch über dem Tegernsee sehr beliebt. Wenn die Aufsichtsräte der Deutschen Bank am Donnerstag zu ihrer dreitägigen Klausurtagung in dem ehemaligen Gutshof zusammenkommen, werden sie allerdings kaum Zeit zum Golfspielen haben. Denn bei Deutschlands größtem Geldhaus gibt es viele offene Baustellen, für die der neue Co-Chef John Cryan Lösungen finden muss.

Bafin-Report zu Libor-Manipulationen: Manager in der Kritik

Anshu Jain – Kultur der Profitmaximierung

Mit dem Ex-Vorstandschef geht die Bafin besonders hart ins Gericht. Wegen der langen Liste der Vorwürfe werten die Aufseher seine Verfehlungen als "ernst". Sie seien ein Beweis für mangelhaftes Management und mangelhafte Organisation des Geschäfts. Die Bafin wirft Jain unter anderem vor, dass er durch eine Reorganisation des Devisen- und Geldhandels die Manipulationen erst möglich gemacht habe. Außerdem habe Jain eine Kultur geschaffen, bei der es vor allem auf die Maximierung der Gewinne ankam.

Alan Cloete – Verdacht der Mitwisserschaft

Alan Cloete zählt nicht nur zu den engen Vertrauten Anshu Jains - er war auch für den Währungshandel verantwortlich, jenen Bereich, in dem die Libor-Manipulationen vorkamen. Die Bafin sieht Cloete als einen der Hauptverantwortlichen für die Defizite, die die Libor-Manipulationen erst möglich gemacht haben. Außerdem hegen die Aufseher den Verdacht, dass Cloete bereits vor 2011 - als der Skandal offiziell ans Licht kam - von den versuchten Zinsfälschungen wusste. Es ist bereits klar, dass Cloete die Bank verlassen wird.

Michael Faissola – Reformen versäumt

Die Bafin kritisiert Michele Faissola vor allem dafür, dass er keine Untersuchung der Libor-Festsetzung bei der Deutschen Bank eingeleitet hat, obwohl bereits 2008 in den Medien über mögliche Manipulationen berichtet worden war. Außerdem habe der Vertraute von Ex-Vorstandschef Anshu Jain es versäumt, den Bereich umzubauen, um mögliche Manipulationen zu verhindern. Insgesamt sei das Fehlverhalten des heutigen Chefs der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank als ernst einzustufen, heißt es in dem Bericht.

Stephan Leithner – Fehler bei der Aufklärung

In ihrem Bericht betont die Bafin, dass Ex-Rechtsvorstand Stephan Leithner nicht für die Manipulationen der Händler verantwortlich gemacht werden könne. Allerdings müsse der heutige Personalvorstand sich die Defizite bei der internen Untersuchung der Manipulationen zurechnen lassen. Außerdem bestehe der Verdacht, dass Leithner gegenüber der Prüfungsgesellschaft EY nicht die volle Wahrheit gesagt habe. Insgesamt wertet die Bafin die Vorwürfe als weniger ernst als die Erleichterung der Manipulationen selbst.

Stefan Krause – Versäumnisse bei der Untersuchung

Heute ist Stefan Krause als Vorstand für den Zahlungsverkehr, die Postbank und die Abwicklungseinheit der Deutschen Bank zuständig. Doch von 2009 bis Ende 2010 war er für die Konzernrevision verantwortlich. Deshalb wirft ihm die Bafin "ziemlich ernste" Versäumnisse bei der Untersuchung des Libor-Skandals vor. Außerdem habe er es versäumt, die nötigen Reformen einzuführen. Aber die Aufseher halten ihm zugute, dass er anders als andere Topmanager die Manipulationen durch sein Verhalten nicht erleichtert habe.

Der Brite, der in den vergangenen zwei Jahren selbst im Aufsichtsrat saß, löste Anfang Juli den glücklosen Anshu Jain ab. Ab Frühjahr, wenn auch Co-Chef Jürgen Fitschen abtritt, wird er die Bank alleine führen. Jain und Fitschen hatten im April noch die „Strategie 2020“ vorgestellt, die im Kern eine Schrumpfkur darstellt.

Viele Details sind allerdings noch offen: Wie viele Stellen fallen weg? Aus welchen Ländern und Geschäftsbereichen zieht sich das Institut zurück? Wird der Vorstand nach der massiven Kritik der Finanzaufsicht BaFin an mehreren Spitzenmanagern nochmal umgebaut? Und wird der Einfluss des erweiterten Vorstands (GEC) beschnitten?

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In 7000 juristische Verfahren ist die Deutsche Bank verwickelt, die Rechtskosten schmälern die Gewinne des Instituts. Der neue Co-Chef John Cryan beginnt nun mit den Aufräumarbeiten – und einer personellen Entscheidung.

Cryan will die Details der neuen Strategie bis Ende Oktober vorstellen. Einige Aufsichtsräte hoffen jedoch schon am Tegernsee auf erste Hinweise, wie ein Mitglied des Gremiums der Nachrichtenagentur Reuters sagte. „Ich erwarte, dass Klartext geredet wird.“ Finale Entscheidungen über Stellenstreichungen oder einen möglichen Vorstandsumbau sind Insidern zufolge allerdings noch nicht zu erwarten. Ein Bank-Sprecher erklärte, der Aufsichtsrat werde bei der Sitzung wie jedes Jahr „losgelöst vom Tagesgeschäft über grundsätzliche Themen“ diskutieren. „Der Aufsichtsrat erwartet nicht, dass es anschließend externe Mitteilungen oder Statements zu Inhalten geben wird, die bei der diesjährigen Zusammenkunft besprochen werden.“

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