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15.09.2011

12:37 Uhr

Kommentar

Außer Rand und Bank

VonOliver Stock

Ausreden sind bei der UBS angesichts des Händler-Skandals fehl am Platz: Das Institut ist von Seriosität weit entfernt. Die Banker haben jedes Maß verloren.

Die UBS hat mehr als nur ein Problem - auch mit dem Personal. AFP

Die UBS hat mehr als nur ein Problem - auch mit dem Personal.

Natürlich lässt sich jetzt, da die UBS ihren Händlerskandal hat, lamentieren: Die Schweizer Großbank steckt sowieso in der Klemme. Wie bei anderen Großbanken weltweit auch läuft ihr Investment-Banking nicht wie gedacht. Mitarbeiter müssen gehen.

Dazu: Die Bank hat das Schweizer Bankgeheimnis durchlöchert, als sie sich gezwungen sah, Kundendaten an US-Behörden weiterzugeben. Und außerdem: Sie ist immer noch viel zu groß, um im Notfall beispielsweise von der Gesamtheit der Schweizer Steuerzahler aufgefangen werden zu können - und so weiter und so weiter.

Doch wie immer beim Lamentieren geht das am Kern vorbei. Nicht die anspruchsvolle wirtschaftliche Situation ist das Thema, das diese Bank bewältigen muss. Es ist vielmehr das Fehlen jeglichen Maßhaltens, das Mitarbeiter dieser Bank immer wieder an den Tag legen. Das gilt in allen Bereichen: Bei den Boni, von denen die Branche weiß, dass sie bei den Schweizern reichlich fließen. Damit trägt die Bank dazu bei, dass aus einer Anerkennung für eine besonders gute Leistung, was Bonus ja einst bedeutete, der Verrat am Prinzip der gerechten Bezahlung geworden ist.

Das gilt für die Vermögensverwaltung, wo sich diese Bank jahrzehntelang darauf spezialisiert hatte, ihre Kunden dabei zu beraten, wie sie dem Staat zustehende Steuern vorenthalten können. Das gilt für die Aufsichtsgremien der UBS, in denen viel zu lange nicht Damen und Herren vom Fach, sondern solche mit einem möglichst großen Vermögen Platz genommen hatten. Und das gilt auch für das Investment-Banking, wo jetzt klar geworden ist, dass alle Sicherungsleinen nichts genützt haben und ein 31-Jähriger Milliarden verzocken kann.

Es sind diese Mitarbeiter, die das Bild eine Branche prägen, der wir längst das Vertrauen entzogen haben. Eine Branche, die einmal dazu da gewesen ist, der Wirtschaft zu dienen, und die dann dazu übergingen, jeden Menschen in dieser Wirtschaft als ihren Diener zu betrachten. Doch diese Diener sind längst außer Rand und Band. Einer Welt des Investment-Bankings, in der keine Aktien mehr gehandelt, sondern nur noch hergeleitete Derivate auf echte Werte verschoben werden.

Mit dem Ergebnis, das am Ende allzu oft echte Werte verschwinden - wie in diesem Fall zwei Milliarden Dollar. Unser Vertrauen ist erschüttert. Weil Geld nur fließt, wo Vertrauen herrscht, wird diese Branche ohne unser Vertrauen zusammenbrechen. Oder sie wird schrumpfen und Maß halten lernen. Und das wäre ja immerhin nicht das schlechteste.

Kommentare (6)

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Pendler

15.09.2011, 12:55 Uhr

Die Banker haben NICHT jedes Maß verloren, das ist doch Unsinn.

Die Banker sitzen an den Schalthebeln der Macht.
Legen die richtlinien der Politik fest
Bestimmen, wie die Politiker zu entscheiden haben
und inittieren Krisen,w enn das doofe Volk anders nicht spuren will

Wie gesagt, man sollte nicht unterswchätzen, was die Banken wirklich für eine Rollen spielen (sollen)

Account gelöscht!

15.09.2011, 13:48 Uhr

Sagen wir es deutlicher: die Grossbanken der Welt sind zu den Raubritterburgen der Neuzeit degeneriert. Die Raubritter (vulgo Banksters) sind zu Parasiten an der Nationalökonomie geworden, statt diese als Financiers zu unterstützen. Im Uebrigen: wozu braucht es sie noch? Die Grossindustrie der Welt hat Billionenvermögen auf der eigenen hohen Kante und braucht somit keine Geldgeber und die KMU werden ohnehin schon lange nicht mehr von diesen "Risikoträgern" (die wahren Risikoträger sind hier die öffentlichen Hände) gepflegt. Die einzigen "Produkte", auch Strukis genannt, die sie selbst produzieren, sind ausserdem nichts als Kostenerzeuger für den Kunden. Es ist an der Zeit, diese Burgen zu schleifen!

poldi

15.09.2011, 13:52 Uhr

Nicht nur der Händler hat versagt, die Leute die für das Risiko-
management verantwortlich sind müssen alle mit entsorgt werden.
Die haben genauso versagt wie alle anderen. Überprüfen denn die
Banken nicht ihre Systeme und wer schau jeder Abend auf die
Bestände der einzelnen Händler. Gute Vorgesetzte gibt es heute
nicht mehr. Da sollten die "Alten" mal alle wieder ran.

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